Google

Google und Bing – auch ein touristisches Ding

Google und Bing liefern sich gerade einen handfesten Krimi. Der Streit zwischen den beiden Suchmaschinen-Giganten dürfte Touristikern irgendwie bekannt vorkommen ...

von Arndt Aschenbeck, 03.02.2011, 09:35 Uhr

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber ich hatte gestern ein Dejà Vu. Die Geschichte, die ich im Blog Searchengineland.com über Google und Bing las, erinnerte mich frappierend an eine aktuelle Story aus der Touristik. Ich erkläre Ihnen mal, worum es geht, und dann kommen Sie wahrscheinlich selbst drauf ...

Im Kern dreht sich der Streit der beiden Suchmaschinen darum, dass Bing offenbar die Suchergebnisse von Google in seinen eigenen Algorithmus einfließen lässt. Der Verdacht keimte bei Google im vergangenen Oktober auf. Mitarbeiter des Platzhirsches stellten fest, dass es auf einmal eine signifikante Übereinstimmung zwischen den Suchtreffern der beiden Rivalen gab. Viele der zehn Top-Treffer von Google fanden sich auch auf den vordersten Plätzen bei Bing wieder.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Google scheint ein solcher zu sein, jedenfalls stellte die Suchmaschine der Microsoft-Tochter eine Falle (der amerikanische Blog spricht in diesem Zusammenhang übrigens von einem „Honeypot“). Zunächst dachten sich die Google-Mitarbeiter sinnfreie Begriffe wie „mbzrxpgjys“ oder „hiybbprqag“ aus. Dann stellten sie sicher, dass es bei einer Suche danach weder bei Google noch bei Bing einen sinnvollen Treffer gab. Schließlich konstruierte Google extra für diese Worte eine Website, die mit Manipulation wie durch Zauberhand ganz oben in der jeweiligen Trefferliste auftauchte.

Die Arbeitshypothese für dieses Experiment war simpel: Sollte Bing tatsächlich Suchergebnisse von Google „klauen“, dann müssten die von Google erfundenen und manipulierten Websites irgendwann auch bei Bing auftauchen.

Es dauerte nach Angaben von Google genau zwei Wochen, und dann trat das prognostizierte Ergebnis ein. Bing zeigte für "mbzrxpgjys" oder "hiybbprqag" die gleichen Top-Ergebnisse wie Google an – mit den mannipulierten Seiten auf Platz Eins. Wie kann das sein? Google vermutet, dass Microsoft Informationen über seinen Browser Internet Explorer „absaugt“, etwa wenn jemand dort eine Google-Toolbar installiert hat. Es sei aber auch möglich, dass Suchanfragen auf Google über den Internet Explorer an Bing weiter geleitet würden. Microsoft nutze die Daten offenbar zur Verfeinerung des Such-Algorithmus, so Google.

Klar, dass der Suchmaschinenprimus darüber „not amused“ ist und von „Täuschung, Schwindel, Mogelei oder Betrug“ spricht, je nachdem, mit welcher Wertung man das englische „cheat“ übersetzt. „Das ist für mich Betrug, weil wir schon seit Jahren unglaublich hart arbeiten, und Bing jetzt von den Früchten unserer harten Arbeit profitiert“, sagte ein Google-Mitarbeiter gegenüber Searchengineland.com.

Spätestens an dieser Stelle erwischte mich das Dejà-Vu mit voller Wucht. Denn genauso argumentiert Giata im Bilderstreit mit Interactive CMS (ICMS). Die beiden Fälle sind sich wirklich frappierend ähnlich. Wie Google hat Giata vorsichtig ausgedrückt eine marktbeherrschende Stellung. Wie Bing fordert ICMS den Platzhirschen heraus. Und sowohl Google als auch Giata bezichtigen ihren Konkurrenten, sich der Früchte ihrer eigenen Arbeit zu bedienen.

Schließlich ist auch die rechtliche Lage in beiden „Krimis“ ziemlich verzwickt. Inwieweit es legal ist, dass Bing Google-Daten ausliest, ist genauso wenig rechtlich geklärt wie die Frage, ob Giata eine urheberrechtlich schützenswerte Datenbank besitzt.

Der Wirtschaftsethiker Ulf Posé spricht davon, dass in unserer Wirtschaft – ganz abgesehen von rechtlichen Bewertungen – immer mehr das Gefühl für Angemessenheit und Unredlichkeit verloren geht. Sehen Sie das genauso? Oder ist es Zufall, dass sich diese Streitereien gerade häufen?

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 03.02.11, 10:33
Die Chinesen halten doch auch "das Kopierte" für die "wertvollste Anerkennung des Geleisteten".... nein aber mal ehrlich. Es gab doch immer schon NewCommer die einen Primus "kopierten & ergänzten". Tui hat die Pauschalreise nicht erfunden und Traffics nicht die IBE. Dass sich Bing nun sagt: "Warum nicht Google mit einbeziehen", zeugt doch nur davon, dass sie Google als Maß aller Dinge angekennen... (leider;)

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