Google

Gelbe Karte für Google

Frankreichs Wettbewerbsbehörde bescheinigt dem Such-Riesen eine „dominante Marktstellung“. Das hat noch keine Konsequenzen für Google, dürfte aber als Warnschuss interpretiert werden.

von Arndt Aschenbeck, 15.12.2010, 11:21 Uhr

Die Luft für Google wird zunehmend dünner. Da sind zum einen die immer zahlreicher werdenden Gegner der ITA-Übernahme, zu denen sich jetzt auch Amadeus und Microsoft gesellt haben (siehe Artikel). Zum anderen prüfen die EU-Wettbewerbshüter, ob die Suchmaschine ihre führende Position ausnutzt und andere Unternehmen bei der Anzeige von Suchtreffern benachteiligt.

Als würde das noch nicht reichen, schaltet sich jetzt auch die französische Wettbewerbsbehörde ein. Sie bescheinigt Google eine „dominante Marktstellung“. Die französischen Regulierer haben ein „mögliches ausschließendes Verhalten“ bei Google identifiziert, das darauf ziele, durch einen nicht leistungsbezogenen Wettbewerb konkurrierende Unternehmen „zu entmutigen, zu behindern oder auszuschalten“.

Die Wettbewerbsbehörde fügt hinzu, sie habe außerdem „mögliche operative Verstöße“ gefunden, bei denen die Suchmaschine ihren Kunden „augenscheinlich überzogene Konditionen“ aufdrücke und sie in einer „diskriminierenden Art“ behandle. Gleichzeitig verweigere Google auch nur ein Minimum an Transparenz in seinen Verträgen mit Unternehmen, die die Werbedienste nutzten.

Das ist starker Tobak, aber die Franzosen belassen es erst einmal bei der gelben Karte und sprechen nur eine Warnung aus, die dominante Marktstellung nicht zu missbrauchen: „Diese Position ist aus sich heraus nicht verurteilenswert (...) Nur ihr Missbrauch kann bestraft werden.“ Offenkundig warten die Juristen noch auf ein klares Zeichen der Politik, bevor sie in die Gesäßtasche greifen und Google endgültig vom Platz stellen.

Googles Antwort auf die Vorwürfe ist die altbekannte. „Die Werbung über Suchmaschinen ist eine von zahlreichen Optionen der Werbekunden. Wenn die Preise steigen, können die Kunden auf andere Formate umsteigen, was sie auch tun“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Das sehen die französischen Wettbewerbshüter allerdings ein wenig anders. Der Markt in Verbindung mit Suchworten „stellt einen spezifischen Markt dar, der nicht durch andere Kommunikationsformen ersetzt werden kann“, weil sich damit Werbung sehr gezielt schalten lasse. Und in eben diesem besonderen Markt habe Google die „dominante Position“ (Google kommt in Frankreich auf einen Marktanteil von 90 Prozent).

So langsam dringen die Juristen zum Kern der Sache vor. Wenn sie schon argumentieren, dass der Suchmaschinenwerbemarkt ein spezifischer ist, wäre der nächste logische Schritt, festzustellen, welche wirtschaftliche Bedeutung diese Werbeform für ein Unternehmen hat. Eine erste Annäherung könnte die Verteilung der Marketingbudgets auf die einzelnen Werbeformen geben. Wie groß ist der Anteil der Google-Adwords- und -Adsense-Werbung? Ich vermute mal, er ist beträchtlich. Oder, was denken Sie, könnten Sie von heute auf morgen auf Google verzichten, ohne einen Umsatzeinbruch befürchten zu müssen? Könnten Sie so einfach auf andere Werbeformen ausweichen, wie Google es darstellt?

Kommentare

von Uwe Frers, 15.12.10, 11:45
Auf Google verzichten? Das ordne ich jetzt mal in den Bereich der rhetorischen Fragen ein. Die Online-Reiseindustrie braucht Google wie der Junkie den Stoff. Entweder ist es die Abhängigkeit gegenüber organischen Listings (SEO) oder wie bei den meisten Playern im Markt die Abhängigkeit von AdWords (SEM). Die Budgets sind beachtlich, ich kenne Einzelhotels, die monatlich über 10.000 € investieren, Portale liegen teilweise im sechs-, mit Ausnahmen sogar im siebenstelligen Bereich pro Monat.

von Wolfgang Hoffmann, 15.12.10, 12:40
ist der Kauf von Opodo.de durch Google eigentlich vom Tisch? oder warr das nur eine Ente von Golem.de? Ich denke, der Höhenflug von Google dürfte dann der Vergangenheit angehören.., oder die Touristik füttert Google dann trotzdem noch weiter mit Geld. Ein nicht unwesentlicher Teil der Annoncengelder für Google kommen schließlich aus unserer Branche.

von Arndt Aschenbeck, 15.12.10, 13:04
Hallo Uwe, treffender Vergleich, der dich direkt in die nächste fvw bringt ;-) Interessant wäre mal eine prozentuale Annäherung, also wieviel Prozent des Werbebudgets geht für Google drauf?

von Georg Ziegler, 15.12.10, 19:09
Treffend formuliert von Uwe, in der Tat. Ich würde gerne der Metapher gerne um eine Nuance ergänzen: Google ist nicht der Stoff, Google ist der Dealer, der den Stoff (nämlich Traffic) verteilt. Und der Stoff ist teuer. Was passiert aber, wenn der Dealer auf einmal den Stoff sich selbst zuteilt und den Junkies weniger abgibt? Zahlen die Junkies dann noch mehr für den knappen Stoff? Was tun, wenn Google der einzige Dealer im Dorf ist? Aktuelles Beispiel spielt sich in den Staaten ab, wo die anstehende ITA Akquisition eine nicht ganz unprominente Lobby formt, die nun massiv gegen Google Stellung bezieht. Quo vadis?

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