Google Earth

Eine ganz neue Dimension

Nein, Google wird nicht zum Reisebüro. Aber mit der integrierten Earth-Ansicht ist Google Maps auf dem Weg zum unverzichtbaren Reiseplaner.

von Dirk Rogl, 27.04.2010, 12:20 Uhr

Wird Google zum Reisebüro? Läuft die Suchmaschine anderen Buchungssystemen den Rang ab, falls sie ITA Software kauft? Über solche Dinge lässt sich trefflich orakeln und philosophieren. Derweil präsentiert Google auf einer anderen Baustelle handfeste Fakten. Die dreidimensionalen Ansichten von Google Earth sind seit heute ein Teil von Google Maps.

Das klingt erst einmal trocken, ist aber revolutionär. Denn künftig lässt sich der Globus via Google nicht allein via Landkarte oder starrem Satellitenbild aus der Vogelperspektive begutachten. Google Earth, bislang nur via separatem Bildschirm verfügbar, ermöglicht Einblicke aus beliebigen Perspektiven und Himmelsrichtungen. Wir sehen also nicht nur die Dächer der Hotels und eingenordete Strände, sondern schlüpfen in den Blickwinkel eines Urlaubers.

All das ist nun ein Teil von Google Maps, und zwar mit allen erdenklichen Leistungsmerkmalen. Selbstverständlich ist auch die Earth-Ansicht georeferenziert und somit fest verknüpft mit Sehenswürdigkeiten und Hotels in dieser Welt, die schon bislang über Google Maps abrufbar waren. Und über diese virtuelle Stecknadeln geht es dann direkt auf die Place Pages, die wiederum prall gefüllt sind mit Hotelbewertungen, Kontaktdaten und Angebotsbeschreibungen über einzelne Häuser.

Der virtuelle Flug über beliebte Strände, idyllische Täler und belebte Metropolen erfordert etwas Übung. Anfangs macht er schwindelig. Aber mit etwas Routing gibt er ganz neue Einblicke auf diese Welt und in ihr touristisches Potenzial. Meine These: Mit Google Earth im Rücken wird Google Maps binnen kurzer Zeit zum unverzichtbaren Reiseplaner. Bleibt noch die Frage, wie Google daran verdient. Wie immer durch Adwords-Werbung. Die erscheint ebenfalls georeferenziert direkt im dreidimensionalen Luftbild.

"Hotels ab fünf Euro", heißt es beim Blick auf die Playa de Palma. Und wer in Dubai nach Hotels sucht, wird per Adwords aktuell wahlweise auf die bekannten Branchengrößen HRS, Booking.com und Hotel.de verwiesen (Bild oben), die offenbar abwechselnd den beliebten Werbeplatz belegen. Wer bereits zur Freischaltung eines Werbeangebots solche Kunden hat, muss wahrlich nicht selbst zum Mittler werden und die Partner verprellen. Oder?

Kommentare

von B.Hellmuth, 27.04.10, 13:21
Genauso wie Street-View oder eben Google-Maps wird sicher auch die neue Funktion bald als "normal" angesehen werden. Auch wenn es immer neue Möglickeiten gibt das Netzt zu nutzen, sollte man nicht vergessen, dass der Nutzer entscheidet, was er wann und wie nutzt. Außerdem muss er die Möglichkeit ersteinmal kennen. Viele User sind schon Heute mit den Möglichkeiten überfordert und können/wollen bestimmte Techniken gar nicht nutzen. Auch hier wird wieder ein Hype produziert, eine Revolution ist das nicht. Google will Geld verdienen und wird auch in Zukunft immer neue Wege finden. Ob der User nun das Hotel von oben oder von vorn sieht wird die Kaufentscheidung m.E. nur sekundär beeinflussen. Gruß

von Jörg Lenz, 27.04.10, 13:51
Eine Meinung die wir – nicht erst seit heute – voll und ganz teilen: Wer in Australien oder Neuseeland virtuell unterwegs ist, schätzt bereits sicher auch schon die Darstellung mit 360-Grad-Bildern auf Straßenniveau. Google Maps ist auch aus Sicht der Redaktion von AUSTRALIEN-INFO.DE ein hervorragendes Instrument zur Reiseplanung weshalb wir es sowohl bei den Beschreibungen von Orten und Regionsbeschreibungen (den Tourtipps unter http://www.australien-info.de/tourtips.html) wie auch den Reiserouten (http://www.australien-info.de/routen.html) eingebunden haben. Seit kurzem ist es ja auch möglich mehrere verschiedene Reiserouten in einer Kartenansicht zu zeigen und somit die Alternativen noch besser aufzuzeigen. Ein Beispiel ist die Darstellung Routenalternativen von für die Strecke von Adelaide nach Melbourne (Kostprobe: http://www.australien-info.de/route_adelaide_melbourne.html). Wohin der Weg dank Streetview führt, lässt sich auch bereits sehen wie beispielsweise in den Informationen zu Sydney (http://www.australien-info.de/sydney.html#EMPF). Das „Als-ob-ich-da-bin“-Gefühl und damit das wecken von Lust auf Urlaub und Reisen lässt sich mit solchen Funktionen wirklich hervorragend unterstützen. Gerade wer Baukasten-Reisen plant – also Touren mit Mietwagen oder Wohnmobil hat an Google Maps seinen Spass schon lange bevor er reist. Google Earth ist da ein nettes Feature, das iPhone Nutzer ja auch gerne verwenden wenn sie mobil unterwegs sind. Und nach der Reise gibt es den nächsten Besuchen auf Google Earth ... wenn die Digitalbilder und - filme mit einer Kamera aufgenommen wurden, die auch die GPS-Koordinaten protokollieren kann (eine solche wurde erst unlängst in Deutschland massenweise plakatiert mit einem sehr bekannten australischen Motiv). Wer die Bilder in Picasa öffnet und dann noch Google Earth dazu aufmacht ist erneut auf Rundflug und zwar dann mit Einblendung seiner eigenen Bilder an genau dem Ort an dem sie aufgenommen wurden.

von Jörg Lenz, 27.04.10, 14:17
Und wir hätten da noch einen Nachtrag aus "Down Under" über die Frage wie das wohl weitergeht mit Google Maps. Wie wäre es mit einer Suche nach Ferienimmobilien zum Kauf oder auch zum Mieten - das geht bereits und wie das zeigt anschaulich ein Spot von Google Australia (http://www.youtube.com/watch?v=TpSoAue9bf0). um in den Genuss dieses Features zu kommen: Einfach mal http://maps.google.com.au/ - also Google Maps Australia - anklicken und dann den Button "Mehr" anklicken und dann kommt die Auswahl-Option die Google Maps in Deutschland (noch) nicht hat. Für Großbritannien funktioniert das auch schon sehr gut und ein paar andere Länder in Europa.

von Sebastian Winkelmann, 28.04.10, 12:11
@B. Hellmut: "Viele User sind schon Heute mit den Möglichkeiten überfordert und können/wollen bestimmte Techniken gar nicht nutzen". So wie Sie den Satz schreiben wird ein logischer Schuh draus: Natürlich will der User keine "Technik" nutzen – wie ein Angebot von wem zustande kommt ist ihm egal –, er will einfach erreichbaren Nutzen der Ihn an erste Stelle stellt, bei dem er sich nicht der Technik anpassen muss. Und im Zweifelsfall wird er dann visuell und intuitivere Dinge eher nutzen als Booking-Engines mit Flughafencodeeingaben, mittels Text beschriebenen Zimmerkategorien o.ä. Zusammengefasst: warum soll der Nutzer sein Urlaubsziel aus Listen suchen und per Tastatur eintippen, wenn er das auch mit einem Fingerdruck aus der Karte wählen kann? Eine "Revolution" muss ja nichts zwangsläufig neues oder möglichst vieles bieten, es muss auf einfachstem Wege ohne Schnörkel nutzbar sein (siehe iPad), und hier bietet Google einiges.

von Wolfgang Hoffmann, 30.04.10, 10:46
Selbstverständlich wird Google sich an der Touristik beteiligen. Hoteliers, Fremdenverkehrsämter wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie sich aus dieser Möglichkeit des Direktvertriebs raushalten würden. Vermutlich wird Google sehr schnell Features verfügbar machen, die es jedem Anbieter ermöglicht, Direktbuchungen zu generieren. Wer das in Frage stellt, der hofft eigentlich nur noch darauf, dass sich das WorldWideWeb wegen Überfüllung selbst zerlegt. Die Frage ist nur, wie wir Reisebüros darauf reagieren. Und da gehört auch dazu, dass wir Stationären, wie "Offliner" in der begrenzten Zeit, die uns noch für unser traditionelles Business noch verbleibt, nicht zulassen, dass die großen Portale sichn in unseren angestammten Reisebürokooperationen breit machen und sowohl die von uns über Jahre angesammelten Privilegien mitnutzen, als auch die Politik der "Kooperationslenker" bestimmen. Wenn es brennt, dann löscht man nicht mit Brandbeschleuniger!

von Thomas Schulze, 06.05.10, 19:14
Bei Google kann man sich nach dem Street View projekt, ihrem Einstieg in den Energy Markt in den USA ( aktuelle nur für den Eigenbedarf) fast alles vorstellen, ich gehe davon aus, dass Google bald auch den Tourismus / Reise entdeckt. Die Daten dazu haben Sie ja.

von Thomas Schulze, 06.05.10, 19:17
Und mit fast 40 Mrd. Cash auf der Bank hat Google auch genug Spielgeld um das zu realisieren, und mit Ihrem Doc Shop / Marketplace auch die Vertriebsreichweite. Vor allem der Small und medium Travel Markt wäre für Google spannend, meiner Meinung nach.

von Jörg Lenz, 08.05.10, 13:02
In dem Kontext könnten noch ein paar Zahlen zur Nutzung von Interesse sein: Wir wollten im Trendbarometer auf AUSTRALIEN-INFO.DE im November 2009 wissen wie stark diese Dienste auch von Australien-Reisenden bereits genutzt werden. http://www.australien-info.de/trendbarometer.html?v=umfragen/&jahr=2009&monat=11 Diese Frage stellten wir bereits im April 2007. Damals gaben etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer an diese Dienste häufig oder gelegentlich zu nutzen. Im November 2009 waren es bereits über drei Viertel der Umfrageteilnehmer die Google Maps und/oder Google Earth verwenden.

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