Google

Die Google-Geheimnisse

Was haben Recherchen über Google in der Touristik und die Verschwörungsthriller von Dan Brown gemeinsam?

von Klaus Hildebrandt, 23.10.2009, 12:23 Uhr

Es gibt noch Geheimnisse in der Touristik. Gemeint sind jetzt nicht eine unentdeckte Karibik-Insel oder der neueste XXXXL-Frühbucherrabatt. Es geht um Google. Wie funktioniert deren Such-Algorithmus – und wie schafft es Online-Shooting-Star Unister (Ab-in-den-Urlaub.de, Hotelreservierung.de, etc.) so virtuos auf der Suchmaschinen-Klaviatur zu spielen, dass Internet-Touristik und Unister wie ein Doppelpack wirken?

Mein Kollege Arndt Aschenbeck, unser Experte fürs Internet, hat für seine Geschichte in der aktuellen fvw („Zauberei im Netz") wochenlang recherchiert und mit vielen Web-Touristikern gesprochen. Das war auch nötig, denn sowohl die Google-Manager als auch Unister-Chef Thomas Wagner sind nicht gerade als Dampfplauderer bekannt und werden speziell dann sehr wortkarg, wenn es um das Eingemachte ihres Geschäfts geht. Aschenbeck hat jedoch Interessantes herausgefunden, das wahlweise den Respekt oder den Neid anderer Online-Reisebüros heraufbeschwören könnte.

Interessant ist, dass Google-Recherchen manchmal an diejenigen von Robert Langdon, dem Helden von Dan Browns Symbol- und Mystery-Thrillern, erinnern. Viele Online-Reisebüros erregen sich gerne im Gespräch über die mächtige Suchmaschine und deren strikte Regeln – zum Beispiel zum Unique Content. Aber zitiert werden will kaum jemand – so, als würden wie in Browns Büchern dunkle Mächte und Geheimlogen zurückschlagen und die Kritiker mit einem Verweis auf die hintersten Ränge in der Suche strafen.

Google selbst weist derartige Rachephantasien natürlich zurück. Aber trotzdem gibt sich der sonst so fröhlich auftretende US-Konzern ziemlich zugeknöpft. Kein Wunder: Zwischen den Suchmaschinen herrscht ein heißer Wettlauf. So will neben Google auch Microsofts Newcomer Bing die Kurznachrichten von Twitter in ihren Suchergebnissen aufführen. Und Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist sowieso überzeugt, dass bald nicht mehr die Suchmaschinen, sondern die sozialen Netzwerke wie eben Facebook die zentralen Einfallstore in die virtuelle Welt sind.

Das birgt noch viele interessante Geschichten und Geheimnisse, Verschwörungstheorien sowieso. Da hat mein Kollege Langdon – Verzeihung, Aschenbeck – in den nächsten Monaten noch viel zu recherieren. Mal schauen, wann er wieder die nächsten, natürlich streng vertraulichen Infos zugespielt bekommt.

Kommentare

von Oliver Wulf, 24.10.09, 10:30
Unister ist online geboren, lebt online und atmet online. Als Teil des Gesamtportfolios hat man u.a. auch die Touristik ausgewählt,weil man dort grosse Chancen sah, die vorhandene, gewachsene Onlinekompetenz aufzusetzen. Traditionelle, touristische Konzerne sahen sich irgendwann gezwungen sich mit diesem,zudem vom Vertrieb absolut unerwünschten, Thema Onlinevertrieb auseinanderzusetzen. Seitdem versuchen die trägen Riesen immer noch diese Kompetenz inhouse aufzubauen. Was ist leichter: Als kompetentes Onlineunternehmen gestandene, erfahrene und erfolgreiche Touristiker einzukaufen, oder umgekehrt? Ist es da verwunderlich, dass Unister heute einen solchen Vorsprung hat? Dass Erfolg Misstrauen und Fragen aufwirft ist genauso normal wie legitim. Kleinere Onlinevertriebe haben hier einen Wettbewerber, der in einer anderen Liga spielt. Ich denke, dass es sinnvoll ist, seine Kräfte auf Dinge zu focussieren, die man selber auch beeinflussen und verändern kann. Besser nach neuen Nischen und Trends Ausschau halten, als sich in Konflikten aufzureiben, in denen es keine Sieger geben kann. Unister ist mit Sicherheit einer der umsatzstärksten (in welche Richtung auch immer; Adwords/Adsense) Partner von Google in Deutschland. Warum sollte Google dort anders ticken als andere Konzerne: "Alle Partner sind gleich, aber einige, wenige sind gleicher." Schönes Wochenende und drei Punkte für den FC, Oliver Wulf

von Seven Seos, 25.10.09, 15:40
"Andere Unternehmen machen bei Google dasselbe wie wir". Zitat Thomas Wagner Geschäftsführer Unister. Was für eine schwachbrüstige Verteidigung und Argumentation. Wenn andere widerrechtlich handeln, dann ist der Verweis darauf noch lange kein Freibrief. Dass Google mit zweierlei Maß handelt, wissen wir schon lange. Schon die Bückling äh backlinks-Theorie führte von Anfang an zu Exzessen wie Linkfarmen und SEO Optimierungs-Tricks, die bewirken, dass man sich weniger um den Inhalt als um die Platzierung kümmern muss. Das Problem ist Google!

von Ulrich Roth, 26.10.09, 14:13
Das bei goggle grosse Kunden gleicher sind als andere mussten wir selber schon mal in der Vergangenheit schmerzlich erfahren. Deshalb bleibt für Leichtgewichte nur unique Content in der Nische. So kann man sich gegen die Grossen behaupten. Dass es nun viele Online-Kollegen auch bei Google-Adwords erwischt, weil der einzigste Content aus einer IBE besteht wie es tausende weitere Webseiten nutzen, selber schuld. Wir haben selbst als kleines Büro eine Teilzeitmitarbeiterin die ausschliesslich für selbstrecherchierten absolut unique Content auf unserer Webseite zuständig ist. Da muss man halt in seinem Marketing-Etat auch dafür eine Position einrichten. Es lohnt sich. Für eine gute Konversion und für die Sumas.

von Ole Potinius, 26.10.09, 17:34
> Wenn andere widerrechtlich handeln, dann ist der Verweis darauf noch lange kein Freibrief. Wiederrechtlich arbeitet hier niemand. Google hat Richtlinien, an die man sich halten kann, oder auch nicht. Hält man sich dran, ist man auf der sicheren Seite. Hält man sich nicht dran, spielt man mit dem Feuer, dieses Spiel kann aber unter Umständen ganz lukrativ sein...oder auch ruinös. Man muss sich eben nur der Folgen bewusst sein. und wissen, was man tut... Das Unister bei google etwas andere Konditionen (Stichwort Premium Publisher) erhält, ist völlig normal. FTI kauft Kontingente doch auch zu anderen Konditionen ein, als Reiseveranstalter Meier. Die Menge machts eben. In erster Linie beschränken sich diese verbesserten Konditionen allerdings auf Dinge wie erweiterte Möglichkeiten beim Layout, dezentere Kennzeichnung als Ads, etc. Der Artikel in der FVW ist allerdings nicht ganz perfekt recherchiert. Durch einen kleinen Bug / ein kleines Feature kann JEDER Publisher die Adsense-Klicks im neuen Fenster öffnen lassen.

von Seven Seos, 26.10.09, 23:12
Ob widerrechtlich oder nicht lassen wir mal dahin gestellt. Der Fingerzeig auf andere ist kein Freibrief und keine Begründung.

von Ole Potinius, 27.10.09, 14:35
Ich denke auch nicht, das das als Freibrief gemeint war, sondern schlicht aufzeigen soll, das nicht nur Unister sich in gewissen Grauzonen bewegt, sondern viele andere große und kleine Portale ebenfalls.

von Seven Seos, 27.10.09, 18:49
lol Kein Freibrief? lol Wenn andere es tun, dann tun wir es auch. Also doch Freibrief. Äh, was ist denn eine Grauzone? Was halblegales also sowas Ähnliches wie was ganzlegales also das Gegenteil von wiederrechtlich?

von Michael Buller, 28.10.09, 13:34
Wenn man sucht wird man finden und zwar überall! Die Grauzone geht von versteckten Keywords in Metatext bis irreführender Werbung! Aber darum kann es eigentlich nicht gehen. Die Frage ist doch die Nachhaltigkeit....will ich das ein Kunde einmal bei mir kauft oder immer wieder. Eine ehrliche und Kundefreundliche Strategie wird sicherlich viel Nachhaltiger sein und passt zu einem Markenversprechen. Gruß Buller

von schuett, 28.10.09, 22:07
wenn man bedenkt, dass Unister auch an -von Adrom gekaufte- Mailadressen bit Adsense Werbung bestückt massenhaft mails sendet, kann man sich vorstellen warum Unister mehr klicks als google selber produziert. Dumm sind die zahlen. Dies ist kein Grauzone sondern Betrug. Wenn das suchwort auch das gesuchte Keyword beinhaltet (wie im falle www.villa-del-conde.de zahlt unister ein bruchteil pro klick im vergleich zu anderen reisebüros, die bessere Seiten und Preise für dieses Hotel haben. Dann kommt dazu, dass die Seiten von Unister auch bei den unbezahlten Anzeigen mitlerweile ganz oben sind. Das ist gut für Google. Besser ein Suchpartner von Google ganz oben als andere die keine Adsenswerbung für Google machen. So können Google und Unister gemeinsam viel verdienen. Siese Masche wird in allen anderen bereiche auch gemacht. Schaut nur bei auvito.de oder Shopping.com nach. Bald wird es nur noch Goglister geben.

von Martin Rusteberg | hotel-IQ.com, 03.11.09, 18:17
Wie Oliver und Ulrich schon geschrieben haben versteht unister ganz einfach die Zusammenarbeit mit Suchmaschinen, das kann man in einer Nische recht klar nachvollziehen, skalieren kann man halt nur, wenn die noetige Infrastruktur und Finanzierung dahinter steht. Das hat nichts mit Verschwoerungstheorien, Versteckspiele mit Keywords (genau das ist ja sogar W3C-Standard...), ilegalen Hilfsmitteln oder gar Betrug zu tun, Unister versteht wie viele andere auch (nicht nur bei Google werbende) sein netz-basiertes Handwerk konstant zu optimieren.

von Ich habe was zu sagen, 12.11.09, 01:16
Kann es sein, dass die Touristik den Artikel der fvw und damit das beschriebene Problem nicht wirklich verstanden hat? So wie hier einige Personen das Thema relativeren könnte man glauben, die Welt in Sachen Google ist absolut in Ordnung und nur einige Spinner haben Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt. Das Vertrauen in Google scheint unendlich zu sein, in manchen Fällen spricht man Google für heilig, das ist absolut erschreckend und untypisch für Deutschland. In einem in es üblich ist, das Dinge hinterfragt werden. Den Suchschlitz bringt man wohl mit Kommerz nicht in Verbindung. Da Nutzer für Google für nichts bezahlen müssen, bekommt Google einen Heiligenstatus. Was lernt der User daraus: Google ist nicht kommerziell, da es ja nichts verkauft! Dabei ist Google ein Paradebeispiel für intelligenten Kommerz. Aber Unternehmer und Werbetreibende sollten sich davor hüten ihre Privat gewonnen Eindrücke (gutes Google, da findet man ja alles, einfach und auch noch kostenlos) über Google im kommerziellen Bereich auch für gültig zu erklären. Google ist ein Unternehmen und verhält sich auch als solcher. Bis dahin gibt auch nichts zu meckern. Zu meckern gibt allerdings genau die Punkte die von der fvw beschrieben wurden und noch vielmehr dinge die Mangels Beweise nicht geschrieben wurden. Vermutlich hat die Redaktion der fvw in weiser Voraussicht erkannt, dass die Branche Verschwörungstheorien in dieser Sache vermutet wenn sie alle gewonnen Informationen veröffentlicht. Da hat Sie die Branche wohl überschätzt, denn einige wenige Wahrheiten haben dazu schon ausgereicht... Ich persönlich glaube eher, dass die meisten Reiseportale ihr SEM von Agenturen erledigen lassen und selbst zu diesem Thema zu wenig Kenntnis angesammelt haben und zumeist tatsächlich sich noch nicht wirklich mit diesem Thema aus dem beschriebenen Blickwinkel auseinander gesetzt haben. Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Reiseportale oftmals Agenturen beauftragen die meistens von Google zertifiziert werden und damit von Google abhängen ist im Umkehrschluss davon auszugehen, dass sie weiterhin ihre Kunden von diesem Machenschaften nicht unterrichten werden. Da sie sonst von Google abgestraft würden. Wer sägt den Ast ab auf dem er sitzt? Das Management der großen Reiseportale kümmert sich eher darum Tickets für 0,- Euro zu verkaufen, ist ja auch deutlich unkomplizierter... nur mal wieder so eine Verschwörungstheorie. Ich finde es ebenfalls erschreckend, dass der VIR, VNT oder auch DRV es bisher unterlassen haben zu diesem Thema die Damen und Herren von Google mal zu Tisch zu bitten. Da dieses Problem ein Branchenproblem ist und sich nur aus der Welt schaffen lässt, wenn ein gewisser zusammenhalt existiert und ein besonders großes Gewicht in die Waagschale geworfen werden kann. Da nutzt die Initiative des einzelnen leider nicht viel. Es kann sogar dazu führen, wie hier geschehen, dass die Leute die so ein Thema verfolgen als Verschwörungstheoretiker gehandelt werden. Dafür wird sich Google besonders bedanken. Etwas Mut und ein gewisser Idealismus ist für diese und ähnliche Probleme nötig, aber genau das scheint in der Touristik nicht beheimatet zu sein, zumindest nicht bei Leuten mit dem entsprechenden Gewicht in der Branche. Den beiden Portalbetreibern (einer davon ist mein Chef) kann man zu ihrem Mut nur gratulieren. Gleichzeitig muss man Ihnen wünschen, dass Google nicht voll ausholt beim zuschlagen auf sie. Zu mehr hat der Artikel wohl nicht genutzt...

von Matthias, 12.11.09, 08:57
Waere nicht das erste mal dass die richtigen Signale von den "kleinen" kommen. Auch wenn Michi Buller die großen als die Innovationsgaranten sieht. ;-)

von LEO, 16.11.09, 17:03
Offensichtlich haben viele nicht verstanden um was es hier geht. Zu Herrn Buller: Marke hin und Marke her aber Unister hat Sie schon längst überholt. 500 Mio. Euro Umsatz hat Unister in der Tasche, nicht Sie Herr Buller. Haben Sie überhaubt nachgeschaut wie Unister bei Google wirbt?

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