Google

Das Hotelfinder-Experiment geht weiter

Die Suchmaschine zündet in den USA offenbar die nächste Ausbaustufe ihres Hotelfinders. Jetzt wird das Tool nicht mehr nur in die organische Suchergebnis-Spalte eingebunden, sondern zusätzlich ganz oben auf den Adwords-Plätzen angeteasert.

von Arndt Aschenbeck, 15.12.2011, 15:01 Uhr

Kaum haben sich die Hotels gedanklich den Auswirkungen des Google-Hotelfinders angenähert, geht der Such-Gigant schon wieder einen Schritt weiter. Bisher tauchte das Tool sehr prominent – meistens an erster Position – in der Liste der organischen Suchergebnisse auf. Jetzt experimentiert Google offenbar damit, für seinen Hotelfinder Adwords-Anzeigen zu schalten. Einen entsprechenden Screenshot hat kürzlich das Blog Searchengineland veröffenlicht.

Darauf ist eine Suchanfrage mit den Keywords „Las Vegas Hotels“ zu sehen. Ganz oben in der Ergebnisspalte links findet man drei Adwords-Anzeigen. Die oberste davon stammt von Google selbst. Die Überschrift ist „Book Hotels in Las Vegas“. Der Text besteht dann lediglich aus der URL www.google.com/hotelfinder. Zusätzlich sind noch vier Checkboxen zu sehen, mit deren Hilfe man die Sterne-Kategorie des Hotels auswählen kann. Und schließlich gibt es unten rechts in der Anzeige sogar noch einen zusätzlichen „Book“-Button.

Klickt der Surfer entweder auf den Link im Anzeigetext oder auf den Button unten, landet er im bekannten Hotelfinder mit seinen unzähligen weiteren Vergleichsoptionen. Interessant ist, dass diese Adwords-Anzeige den üblichen Rahmen sprengt. Man kann schon eher von einem Widget sprechen. Denn statt der üblichen verlinkten Headline gibt es einen zusätzlichen Button, und dann sind da noch die Checkboxen. Das I-Tüpfelchen: Hinter der Sternekategorie steht sogar noch ein Preis. Woher der kommt, ist unklar, aber er soll offensichtlich zusätzliche Orientierung bieten.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Da hat Google gerade eine Handvoll Anhörungen und sogar Gerichtsverfahren am Hals, weil das Unternehmen seine eigenen Tools zu prominent in der organischen Suche anzeigt – und damit andere Anbieter benachteiligt. Und jetzt weitet Google dieses Prinzip sogar noch auf die bezahlten Adwords aus.

Ich komme da so langsam an die Kapazitäten meiner Vorstellung, weil sich eine Menge Fragen auftun. Da ist zunächst mal das Strategische. Warum unterminiert Google an dieser Stelle zunehmend sein äußerst erfolgreiches Adwords-Modell? Denn es liegt doch auf der Hand, dass die Konversion von Hotels oder Portalen, die ganz normal Adwords schalten, in den Keller gehen dürfte, wenn Google die Einbindung des Hotelfinders in der organischen Suche und bei den Adwords weiter so aggressiv vorantreibt. Die zweite Folge: Google zieht quasi eine zweite Adwords-Ebene ein. Denn der Bieterkampf von Hotels und Portalen wird sich zwangsläufig in den Hotelfinder verlagern. Wobei zurzeit noch keiner genau weiß, wer dort überhaupt Zugang bekommen wird.

Dann stellt sich immer mehr die wettbewerbsrechtliche Frage. Obwohl Google immer wieder das Gegenteil behauptet, hat die Suchmaschine in weiten Teilen der Welt eine Quasi-Monopolstellung. Google ist nach wie vor der Flaschenhals für alles, was im Netz an E-Commerce passiert. Gerade gestern sprach ich mit einem SEO-Spezialisten einer großen deutschen Agentur, der einräumte, dass die Online-Budgets der Kunden in der Regel 90 zu 10 verteilt werden. 90 Prozent für Google und zehn Prozent für alle anderen Kanäle – einschließlich Facebook, Bing oder Yahoo. Die große Frage: Ist dieser Zustand auf Dauer haltbar?

Über dieses Thema könnte man eine abendfüllende Veranstaltung machen. Natürlich ist mir klar, dass Google nur durch eine erstklassige Leistung und ein gutes Produkt überhaupt in diese Position kommen konnte. Und dass man ein Unternehmen eigentlich nicht dafür bestrafen kann, wenn es um Längen besser ist als der Wettbewerb. Aber die Suche im Internet ist eben keine Branche wie Bohrmaschinen oder Zahnseide, wo marktbeherrschende Stellungen keine weitreichenden Auswirkungen haben. Es ist eine Infrastruktur, die unser tägliches Leben mittlerweile stärker bestimmt, als uns manchmal lieb sein kann. Und die immer mehr über Wohl und Wehe vieler Unternehmen, manchmal sogar ganzer Branchen bestimmt.

Ich beobachte auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht. Taucht irgendwann mal eine Vision auf, wie man Geschäfte im Internet abseits von Google macht? Oder wird die Macht von Google in irgendeiner Form beschnitten? Oder bleibt die Masse im Netz wie bisher in einer passiven Rolle und reagiert lediglich auf das, was Google vorgibt? Was denken Sie, welches Szenario ist am plausibelsten?

Kommentare

von Michael Buller, 15.12.11, 16:38
Google hat über die letzten Jahre einen wirklich guten Job gemacht und gehört zu den Internetpionieren.....daran ist kein Zweifel. Für die Online Industrien war Google ein gutes und einfaches Geschäftsmodell.....ich schalte Anzeigen und kann direkt damit Buchungen generrieren. Das schöne daran war....es war einfach und kalkulierbar. Das Modell funktionierte auch so lange eine Suche neutral ist (was sie schon immer nie ganz war....SEO Spezialisten sei Dank!?). Problematisch wäre es allerdings ....wenn die Suche nicht mehr nach außen gehen sondern nach innen....also Google direkten Eingriff ins Suchergebnis und seine eigenen Ergebenisse nach vorne stellen würde. Der Kauf von ITA hat für ziemlichen Wirbel gesorgt und hat die Organisationen Fairsearch (USA) oder Icomp (Europa) sich gründen lassen. Der Blick durch die beiden Organisationen zeigt, nach deren Darstellung, ergibt ein ziemlich entsetzliches Bild besonders der Film von der Anhörung vor dem US-Senat (dort geht es um Metasearcher und Googles Konkurrenzprodukt) http://www.youtube.com/watch?v=BslAhJ5-C9g&hd=1 gibt Fragen auf! Google ist so Erfolgreich weil sie als neutrale Suche ohne Wirtschaftliches Interesse wahrgenommen werden. Das wirtschaftliche Interesse ist natürlich immer schon da ....Google ist auch nicht das Rote Kreuz sondern ein Börsennotiertes Unternehmen und muss auch Geld verdienen (und auch vollkommen legitim). Die neutrale Suche (mit vielen Anbietern) sollte man allerdings nicht aufgeben denn irgendwann wird auch ein Consumer damit ein Problem haben und das wäre dann der Anfang vom Ende!

von Daniel, 19.12.11, 00:45
Nunja, Facebook schläft aber auch nicht - ich sage nur "Hotels withme" und "Flug withme": http://www.affiliateboy.de/affiliate-marketing-uber-facebook/ In dem Modell steckt auch jede Menge Monetariserungspotential...vielleicht mal einen eigenen Artikel wert.

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