Geschäftsreisen

Und jetzt Werbung, bitte

Es ist zurzeit hipp für Manager, sich in die zweite Klasse zu drängen. Es ist absolut in, mit den Kollegen über Chat und Videokonferenz in Kontakt zu bleiben. Was können wir dagegen tun?

von Dirk Rogl, 22.07.2009, 21:19 Uhr

Wenn am Freitag die neue fvw 15/09 erscheint, kommen wir wieder einmal über das böse K-Wort nicht umhin. Diesmal geht es um die Krise im Premiumsegment, also dort, wo es Airlines und Hotels so richtig weh tut. Die Ursachenforschung ist Schnee von gestern. Primär die Geschäftsreisenden bleiben aus. Diese nehmen entweder in der Holzklasse Platz oder bleiben ganz zu Hause. Videokonferenzsysteme erleben einen kleinen Boom. Schlimmer noch: Der Not gehorchend hat es für den geplagten Geschäftsreisenden einen gewissen Charme entwickelt - mehr oder freiwllig - zum Wohle der Firma auf Billigticket zu fliegen. Es ist geradezu chic, auf die ein oder andere Dienstreise zu verzichten und sich lieber abends um die Familie zu kümmern. Auch ich ziehe übrigens den Abend bei meinen Lieben manch trister Pressekonferenz vor. Vor einem Jahr wäre eine solche Aussage noch eine abolute Frechheit gewesen. Heute passt Sie irgendwie ins Bild. Stop! Natürlich hat fvw-Redakteur Rogl nah an den Lesern zu sein. Natürlich bewegt er sich gern in der Branche und jagt News und Hintergründen hinterher. Denn das ist mein Job, und der funktioniert nicht ausschließlich vom Schreibtisch aus. Genau das ist die andere Seite der Medaille. Meines Erachtens wird der Sinn von Dienstreisen derzeit über alle Maßen in Frage gestellt. Natürlich machen sie Sinn. Manche mehr, manche weniger. Ich weiß im Vorfeld nicht, welches Interview eine Titelgeschichte trägt und welches eher ungeschrieben in der Ideenmappe bleibt. Den Return on Investment schon im Vorfeld zu kalkulieren, klappt leider nur bedingt. Doch die Meßbarkeit des Nutzens vor Reiseantritt ist eines der beliebtesten Themen in der Branche zurzeit. Meines Erachtens geht die Dikussion in die falsche Richtung. Dienstreisen sind wichtig, nicht nur für Journalisten, sondern selbstredend für einen Großteil der deutschen Wirtschaft. Und diese simple Erkenntnis gilt es in die Welt zu posaunen. Denn dort gerät der Nutzen von Dienstreisen zunehmend in Vergessenheit. Ich sehe derzeit verdächtig wenig Werbung von Airline und Hotels. Und ich würde mir wünschen, dass die Branche Denkanstöße an ihre wichtigsten Kunden gibt: die Geschäftsreisenden und ihre Unternehmen. Es gibt genug Marketingexpertise in unserer Branche, um derartige Pläne umzusetzen. Eine anbieterübergreifende Imagekampagne Pro Geschäftsreise wäre ein Traum. Aber ist das realistisch? Was können wir sonst tun, damit Dienstreisen wieder ein positiveres Image bekommen?

Kommentare

von Robert Dorka, 22.07.09, 23:43
Krise überall nicht nur in der Touristik, sondern auch bei den Printmedien. Ihr Blog hört sich heute an wie Aufruf an die Branche mal eine Anzeige zu schalten. Für Chris Anderson, Chefredakteur des Magazins "Wired" sind alle, die für Printmedien noch Geld verlangen, eh Verbrecher. Nachzulesen im aktuellen "Spiegel". Herr Anderson hat aber auch brauchbare Ideen. So werden zum Beispiel Inhalte von den Leser/Usern kostenlos zur Verfügung gestellt. Wenn Sie mal nachschauen was in den diversen internen Foren der großen Koop´s so los ist, läßt sich damit locker eine FVW füllen. Und Sie hätten ein bischen Zeit für "Cocooning"

von Bernd Schray betravel, 23.07.09, 11:13
Chris Anderson von Wired stellt die Geschäftsmodelle zur Diskussion. Es ist kein Verbrechen für gute Inhalte Geld zu verlangen, oder damit Geld zu verdienen, die Frage ist, WIE man damit Geld verdient! Auch die nächste Frage, WIEVIEL sich damit verdienen lässt, ist eine Frage, die ihn immer bewegt hat und nicht erst seit gestern. Im Übrigen ist Andersons Idee, durch Werbung Geld zu verdienen, nicht besonders neu, jedoch naheliegend. Da die Zeiten immer härter werden und man immer länger arbeiten muss (Stichwort Informationsüberlauf durch Laptop zuhause), leidet oft auch das Cocooning darunter.

von Wolfgang Hoffmann, 23.07.09, 11:25
die Entpersönlichung ist mit dem WorldWideWeb über uns gekommen, wie eine Dürre. Einhergehend mit einem allgemeinen Werteverfall jeglicher Ethik und der Schweinegrippe hat Kassandra eigentlich auch schon längst ihr Pulver verschossen. Klar, ich könnte jetzt hier einen flammenden Appell an jeden richten, sich doch mal wieder seinem jeweils Nächsten persönlich zu widmen - aber derzeit sehen alle so verschwitzt aus und duften auch etwas streng. Lasst uns einfach warten, bis es wieder kühler geworden ist, dann macht es auch mehr Spaß, sich ins Flugzeug zu quetschen.

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