GDS

Endlich wieder Raum für Phantasie

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Amadeus und Travelport fusionieren. Aber es ist herrlich, dass über solche Dinge wieder spekuliert wird.

von Dirk Rogl, 21.10.2009, 08:56 Uhr

Als die Börsen noch so vor Kraft strotzten (genauer: vor elf Monaten) waren solche Dinge an der Tagesordnung. Bevorzugt am Wochenende schleppen gut informierte PR-Kreise ein gut klingendes Gerücht in die Redaktion einer etablierten Wirtschaftszeitung. Sonntags läuft die ach so exklusive News über den Ticker der Nachrichtenagenturen. Und montags steht die Sache, mangels wochenendlicher Nachrichtenarmut in der Finanzwelt, in so ziemlich jedem Wirtschaftsteil. Spätestens dann nimmt der pflichtbewusste fvw-Redakteur seine Arbeit auf. Er holt sich in den Pressestellen die zu erwartenden "no comments" ab, fragt ein paar Insider und erklärt auf

, weshalb die besagte Nachricht zwar hübsch zu lesen aber doch eher unrealistisch ist. So war das vor dem November 2008. Und so war es wieder in dieser Woche. Amadeus und Travelport reden über eine Fusion, titelte die Sunday Times. Dementieren lässt sich so etwas kaum. Beide GDS gehören mehrheitlich Private-Equity-Unternehmen. Und die haben "laut gut unterrichteten Kreisen" (heißt so viel wie: "wir wissen es nicht, nehmen es aber einfach mal an") die anvisierten Exit-Zeitpunkte ihrer Milliarden-Investments längst verpasst. Cinven, BC Partners, Blackstone & Co haben primär eine Chance, um ihr Engagement im Reisevertrieb noch zu vergolden: zügige Börsengänge ihrer GDS. Nicht einmal die sind bestätigt. Doch die Spatzen pfeiffen die Vorbereitungen hierzu längst von den Dächern. Als Beleg für ein anvisiertes Listing an den Finanzmärkten mag gelten, dass sowohl Amadeus als auch Travelport seit geraumer Zeit wieder Geschäftsberichte veröffentlichen. So kam Travelport im jüngsten Quartal auf eine traumhafte Umsatzrendite (auf Ebitda-Basis) von über 30 Prozent. Und Amadeus gelang trotz des Dramas um die Vorzugspreise 2008 ein nur geringfügig rückläufiger Nachsteuergewinn von 176 Mill. Euro. Die Frage ist, wie lange solche Traumrenditen noch möglich sind. Keine Frage, eine Fusion von Travelport und Amadeus beflügelt die Phantasie der Analysten. Es ist gut für diese Industrie, dass sich die Finanzmärkte überhaupt wieder für den Reisevertrieb interessieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fusion der beiden GDS-Giganten gelingt, erhöht das aber nicht. In vielen europäischen Ländern käme das Duo auf einen allzu dominierenden Marktanteil, als das die Kartellbehörden hier untätig bleiben könnten. Mit Wonne erinnern wir uns an alte Zeiten, als sich Apollo, Datas-2, Pars, System-One und all die Buchungssysteme der US-Airlines unter lauten Gerüchten zur heutigen GDS-Landschaft fügten. Fusionsspekulationen sind fast so alt wie das GDS-Business. Vor gerade einmal vier Jahren flirteten die Ex-Investoren von Worldspan intensiv mit Amadeus. Und in grauer Vorzeit sollen sogar schon einmal Amadeus und Sabre miteinander geschmust haben. Im kartellrechtlichen Sinne würde das übrigens weitaus besser passen als ein Merger von Amadeus und Sabre. Dennoch: gerade einmal drei globale Buchungssysteme haben die Fusionitis überlebt. So lange neue Mitbewerber keine hohe Relevanz haben, wird es eng für eine weitere Konzentration. Und ein rascher Siegeszug all jener GNE- und GDS-By-Pass-Systeme, die Amadeus & Co das Leben schwer machen wollen, wäre nun wohl auch nicht im Sinne jener gut informierter Kreise, von denen wir einfach mal annehmen, dass sie am vergangenen Wochenende in der Redaktion der Sunday Times angerufen haben. Gut unterrichtete Kreise flüstern nämlich, der Anrufer käme aus dem Umfeld der Private-Equity-Unternehmen selbst.

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