fvw Travel Networking

Reden hilft

Wohin fliegen die Airlines dieses Jahr? Auf dem fvw Travel Networking in Frankfurt ging es ebenso realistisch wie kommunikativ zu.

von Klaus Hildebrandt, 03.02.2009, 07:41 Uhr

Die Zeit des Schönredens wie auf der DRV-Tagung ("Die Deutschen sparen am Urlaub zuletzt", "Die Reisebranche kann sich von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abkoppeln", etc) ist vorbei. In einer Podiumsdiskussion, die ich gestern abend in Frankfurt zusammen mit Gunther Träger, Chef der Frankfurter PR-Agentur C&C moderierte, machten die Teilnehmer keinen Hehl aus der aktuellen Lage (fvw.de berichtet heute). Aber: Nach jeder Krise kommt auch ein Aufschwung. Und die gesunkenen Kerosinpreise und die Preiszugeständnisse der Hoteliers können den Preisschock vieler Konsumenten ein Stück weit lindern. Hinterher meinte ein Airline-Lobbyist zu mir: Eigentlich müssten wir öffentlich viel mehr jammern. Dass das hilft, habe man ja an der massiven staatlichen Unterstützung für Banken und Autoindustrie gesehen. Aber Schwarzmalerei passt nun mal nicht zum Geschäft mit Sonne und Erholung. Und ehrlich gesagt, hätte ich auch wenig Lust, in einer Branche zu arbeiten, in der alle Manager in Sack und Asche gehen und den Staat anbetteln müssen. Und so war beim anschließenden Get-together im Frankfurter Marriott-Hotel die Stimmung zwar nicht euphorisch, aber auch nicht schlecht. Irgendwie erinnert mich die Stimmung in der Branche derzeit an die Zeit nach dem 11. September und während des Irak-Kriegs 2003. Überall standen gestern Leute zusammen, redeten auch über neue Ideen und Aktionen und tauschten geschäftig Visitenkarten aus. Irgendwas geht immer, und nicht überall sind die Buchungen zweistellig im Minus. Außerdem waren die Eingänge der letzten Woche bei vielen Unternehmen wieder richtig gut. Eins zeigt die Resonanz von gestern abend aber auch: Gerade in Krisenzeiten ist der Kommunikationsbedarf in der Branche extrem hoch. Deshalb hat mir der Abend viel Spaß gemacht. Also, das könnte ja eine richtig spannende ITB werden.

Kommentare

von Dieter, 03.02.09, 10:26
Interessant fand ich auch die Diskussion um die Regionalflughäfen: Ungeachtet der Insidern längst bekannten, aber auch von Fraport bis vor kurzem noch öffentlich ignorierten Krise um den Flughafen Frankfurt-Hahn (nur mit Ryanair und ihrem bekannten Erpressungspotenzial konnte und kann der ja niemals schwarze Zahlen schreiben) setzten sich im hessischen Landtagswahlkampf mit Ausnahme der Grünen alle Parteien "wahlopportunistisch" für das nächstge Millionengrab ein: den Flughafen Kassel-Calden. Im Falle Hahn wird jedoch von der rheinland-pfälzischen Landesregierung klar gesagt, dass es sich um eine rein arbeitspolitische Maßnahme handelt. Im Falle Calden wird noch immer mit Kunstrechnungen hantiert, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Dieser Flugplatz ist überflüssig wie ein Kropf! Und die IHK-Nordhessen, die eigentlich auf Wirtschaftlichkeit achten sollte, unterstützt das auch noch!

von barthel.eu, 03.02.09, 16:16
@Dieter: Viel erstaunlicher finde ich, dass in Deutschland gegen Luftverkehr gearbeitet wird. Vergleichen Sie WELTWEIT die Größe der Orte mit der Nähe zu einem Flughafen und Sie werden erstaunt sein. Zwar ist Kassel (wie auch Andernorts) mit einem ICE-Anschluss gesegnet, aber ich mag da an Dortmund, Paderborn oder Nürnberg erinnern, die sich durch die Vorgänger von Eurowings (RFG, NFD) und LGW positioniert haben und damit auf der Landkarte des internationalen Luftverkehrs auftauchten. Köln war totgesagt, hat es aber mit einer eigenen Strategie geschafft, sich in die Top-Flughäfen hochzuarbeiten. Daher nenne ich sowas "destruktives Denken". Ich habe ein Beispiel, wie ein kleiner Flugplatz in einer Baden-Württemberger Industrieregion platt gemacht wurde und einer der großen Arbeitgeber der Region deshalb nach Stuttgart umgesiedelt ist. Memmingen oder Friedrichshafen sind nicht nur Urlaubsreisende die den Service nutzen. Kassel wiederum hat ein strukturelles Problem für das der abgelegene und schwierig erreichbare Flugplatz (ein -hafen möchte ich das nicht wirklich nennen) sicher ein Beispiel darstellt. Man muss doch gar nicht in der "oberen Liga" mitspielen, aber wir machen lieber Flugplätze dicht als den Luftverkehr zu fördern... Von dringend notwendigem und überfälligen Flughafenausbau mal gar nicht reden wollend! Globalisierung? Nicht mit uns! Oh heiliger St. Florian...

von Dieter, 03.02.09, 17:04
Aber lieber Herr Barthel: ich bin doch FÜR den Luftverkehr. Ich bin aber dagegen, dass man - in der Regel "die Politik" so tut, als könnte man so einen Flughafen wirtschaftlich betreiben, anstatt klipp und klar zu sagen, dass es sich um eine Infrastruktur-Maßnahme handelt, die sich selbst nicht wiertschaftlich trägt, aber (vielleicht) anderen Wirtschaftszweigen hilft. So hat gestern bei der fvw-Lounge Frau Muller vom Flughafen Rostock-Lage bezogen auf die Ferienregion MeckPomm unumwunden argumentiert. Ähnliches trifft auch auf Memmingen zu.

von barthel.eu, 06.02.09, 18:08
Einverstanden ;-) Mir fehlt wirklich auch die offene, konstruktive Diskussion! Womit wir doch wieder beim Thread-Thema sind: Reden hilft :-D

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