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Panda und Professoren

Die Debatte über die aktuelle fvw: Ihre Meinungen zu den Themen im Heft – von Air Berlin über die Auswirkungen von Google Panda bis hin zum Hilferuf der Tourismusforscher.

von Klaus Hildebrandt, 26.08.2011, 08:34 Uhr

Im Editorial der neue Augabe (hier geht es zum E-Paper für Profi-Abonnenten) kündige ich es an: Künftig möchte ich gerne an dieser Stelle mit Ihnen über die Themen der fvw diskutieren. Das Wesen eines Blog ist es ja schließlich, Feedback und Anregungen von Lesern zu bekommen. Viele Themen, über die wir im Magazin oder auf fvw.de berichten, basieren auf Gesprächen und Kontakten unserer Redaktion mit unseren Leserinnen und Lesern.

1. Über Air Berlin haben wir im fvw-Blog schon reichlich diskutiert. In der aktuellen Magazin-Geschichte vertiefen wir auf Basis von umfangreichen Recherchen das Thema noch mal weiter: Wir blicken hinter die Kulissen des Wachwechsels an der Spitze und führten ein Kurzinterview mit dem scheidenden CEO Joachim Hunold. Und die fvw-Exklusivmeldung (am Donnerstag auf fvw.de) über das neue Charterprodukt Air Berlin Turkey findet sich natürlich auch im Blatt.

2. Ein heftiger Schlagabtausch war unser Streitgespräch zwischen Holidaycheck-CEO Jörg Trouvain und Oliver Winter von A&O Hotels ("Sollten Hotelbewertungen verboten werden?") Die beiden verkehrten bislang nur über Ihre Anwälte und trafen sich erstmals bei uns in Hamburg persönlich. Mehr zum Thema Hotelbewertung finden Sie im aktuellen E-Blog der fvw von meinem Kollegen Arndt Aschenbeck. Ob Trouvain und Winter ihre Gerichtsverfahren ruhen lassen, ist unklar. Nach dem Streitgespräch gingen wir zusammen Essen. Dabei stellte sich heraus, dass sich die beiden Kontrahenten persönlich durchaus sympathisch sind. Nur in der Sache kommen sie nicht zusammen.

3. Unsere Rubrik "Job & Karriere" widmet sich verstärkt auch Themen rund um das Studium. Schließlich lesen viele Studenten oder Reiseverkehrskaufleute, die mit einem Studium liebäugeln, die fvw. Meine Kollegen Evelyn Sander und Timo Teggatz berichten über eine Resolution der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT), die sich über das Ausbluten der Tourismusforschung an den Unis beklagt. Die Forschung habe gemessen an der Branchenbedeutung zuwenig Rückhalt in der Politik. Dieses Thema kann man durchaus kontrovers sehen: Hinter vorgehaltener Hand beklagen Manager aus der Branche nicht selten, dass die Professoren an den Tourismusfakultäten häufig nur sehr regionalbezogen über deutsche Tourismusprojekte forschten, zu den großen Themen unserer Branche – vom Strukturwandel durch Low Coster, Portale und Metasearcher bis hin zum Verdrängungswettbewerb unter Veranstaltern oder der Entwicklung der großen Flugdestinationen – aber von der Wissenschaft so gut wie nichts zu hören sei. Stimmt das wirklich, sitzen die Professoren im Elfenbeinturm?

4. Google Panda ist kein possierlicher Bär, sondern das jüngste Update des Such-Algorithmus. Internet-Experte Uwe Frers berichtet in der "Frage der Woche", dass die Umstellung erhebliche Auswirkung auf das Finden von Inhalten von Reiseportalen und Reise-Communities habe (Seite 15). Merken Sie den Panda auf Ihren Websites auch schon?

5. Zuletzt eine Anmerkung in eigener Sache: Mit dem Relaunch der fvw zum Jahresbeginn haben wir neu die Party-Seite am Ende des Hefts eingeführt. Trotz aller Mühsal des Alltags wird in unserer Branche nun mal gerne und oft gefeiert. Wenn auch Sie etwas zu feiern haben oder Firmenevents anstehen, senden Sie uns doch bitte Infos und Fotos an leserbriefe@fvw.de. Die Schnappschüsse von Info-Reisen und Fam-Trips (Sie wissen schon, diese Bilder, auf denen 30 Leute hinter der Fahne von Veranstalter oder Fremdenverkehrsamt X stehen) gibt es übrigens seit Jahresbeginn nicht mehr im Heft, aber dafür bei uns im Expi-Center. Wenn Sie also sehen wollen, wo Ihre Kollegen die leichte Bräune erworben haben, clicken Sie mal vorbei!

Das war's für diese Ausgabe. Alle Themen kann ich hier natürlich nicht ansprechen. Aber, wie gesagt, für Ihre Anregungen und Kommentare bin ich dankbar. Und wenn es etwas spezieller oder persönlicher ist, gerne auch per Mail an k.hildebrandt@fvw-mediengruppe.de.

Kommentare

von Wolfgang K., 26.08.11, 10:40
Manager aller Art, wehrt Euch gegen Ehrungen zum "Manager des Jahres" - egal aus welcher Branche und/oder von wem er verliehen wird: Es könnte der Anfang vom Ende sein! Middelhoff, Wiedeking, aus unserer Branche Pichler, jetzt Hunold - und dann? Am 12.09.2012 ist die nächste Manager-des-Jahres-am-Fließband-Verleihung - vom Travel Industry Club. Ein böses Omen für die Geehrten? Ob wohl eine(r) von Ihnen mal die Ehrung deshalb besser ausschlägt? Man darf gespannt sein. Vielleicht sollte man besser mal einen "Ikarus des Jahres" zu küren.

von barthel.eu, 26.08.11, 11:07
Im Blog zu diskuttieren ist gut. Schlecht ist es, als Moderator dieser Diskussion, fünf verschiedene Themen in den Raum zu stellen. Auf welches soll ich antworten, oder gar auf alle fünf? Also bitte lieber mehr Blogartikel, diese aber immer zu EINEM Thema. Auch mal wieder alte Blogartikel aufnehmen, nur weil die eine Weile in Vergessenheit gerieten, gilt das ja nicht für die angesprochenen Themen...? Dann bekommt die Themenwolke auch mehr Sinn...

von Prof. Dr. Felix Kolbeck, 26.08.11, 16:42
Bei der Bemerkung "dass die Professoren an den Tourismusfakultäten häufig nur sehr regionalbezogen über deutsche Tourismusprojekte forschten, zu den großen Themen unserer Branche – (...) aber von der Wissenschaft so gut wie nichts zu hören sei." muss ich schmunzeln, wenn ich an die Forschungsprojekte an unserer Münchner Tourismusfakultät denke, siehe http://www.tourismus.hm.edu/die_fakultaet/forschung_projekte/index.de.html Wenn das nicht die großen Themen der Zeit sind, welche dann? Tourismusforschung lebt von der Verknüpfung regionaler, überregionaler und internationaler Themen. Regionen sind dabei insbes. Anwendungsfälle, und die diesbezügliche Forschung lässt sich - mehr schlecht als recht, aber immerhin - aus EU-oder anderen staatlichen Mitteln co-finanzieren. Mal sehen, wie lange noch. Wenn sich "Manager aus der Branche" über mangelnde Forschung zu ihnen attraktiv scheinenden Themen oder Teilbranchen mokieren, sollten sie sich in erster Linie mal fragen, wie sie entsprechende Forschungen unterstützen könnten. In der Industrie sind Forschungskooperationen Gang und Gäbe, aber im Tourismus? Daher kommen diese Einwürfe vornehmlich hinter vorgehaltener Hand - äußerte man sich laut, könnte man ja in die Pflicht genommen werden. Dann schon lieber nach dem Staat rufen...

von Prof. Dr. Edgar Kreilkamp, 26.08.11, 17:57
Zur Frage, ob die Professoren an den Tourismusfakultäten häufig nur sehr regionalbezogen über deutsche Tourismusprojekte forschen und wenig zu den großen Themen der Branche. zwei Anmerkungen: 1. Es gibt auch sehr viel Forschung zu den Themen der Branche, einen Überblick gibt beispielsweise die Website der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (www.dgt.de) unter den Rubriken Forschung und Ausbildung (Abschlussarbeiten und Dissertationen). 2. Universitäten müssen die Forschung in der Regel über Drittmittel finanzieren, häufig EU oder Bundesmittel. Die gängigen Ausschreibungen befassen sich aber fast nie mit der Tourismusbranche, sondern sind beispielsweise auf das Thema Klimawandel konzentriert, daher forsche ich schon Jahre zum Einfluss des Klimawandels auf deutsche Destinationen. Ich würde mich auch gerne mit den aktuellen Themen des Tourismusmarktes beschäftigen, hierfür gibt es jedoch keine Forschungsgelder, weder von der Industrie, noch von den Verbänden oder Ministerien. Von der Seite der DGT hat es einen Vorschlag gegegen, jährlich ein Sachverständigengutachten zu den aktuellen Themen der Branche zu schreiben, es gibt jedoch keine Finanzierung. Aufgabe der Tourismusbranche wäre es, sich dafür einzusetzen, dass entsprechende Forschung beispielsweise durch Verbände, das BMBF oder BMWI angeschoben und finanziert wird. Das funktioniert in anderen Branchen deutlich besser.

von barthel.eu, 26.08.11, 21:54
Zur aktuellen FVW... S. 82 ff. ist das gleiche Thema, was hier wiederholt diskuttiert wird: Ausbildung und Verbandsarbeit. Wenn man hier die Tourismusindustrie mit der Agrarlobby vergleicht, sollte mal nachsehen, wie viele Ansprechpartner die Agrarlobby hat und wie viel hick-hack-laber-blabla in der Tourismusindustrie meint, wichtig zu sein... Da gehen wichtige Themen im Wust unter. Und der Ruf der Tourismusindustrie (nicht nur Reisebüro, auch Hotellerie und anderer Anbieter): Miserabel bezahlt, überarbeitet, schlechte Benefits (dank Versteuerung lohnt sich PEPpen ja oft gar nicht). Redet doch mal mit Studenten und Schülern! Geht in die Schulen und stellt unseren Beruf vor. Warum macht IHR ihn den? Was macht Euch zum Vollbluttouristiker? Wobei der Ruf sicherlich auch Gründe hat. Als Mitarbeiter "meiner" Branche werde ich oft noch schlecht behandelt (bspw. Standby, schlechtes Zimmer, ...). Das "Wiederverkaufen" vergeht mir manchmal... Selbst mit normalem "Billigticket" werden mir meine Ansprüche gewährt, dank Know-How kann ich die ggf.aber auch ganz anders einfordern. Und wenn dann sogar "intern" in der Branche und im Bekanntenkreis überwiegend nur 'gemault' wird... Mundpropaganda geht von jedem von uns selbst aus! JA, es gibt die Ausnahmen... Vielleicht ja mal anders rum: Ich bin seit 24 Jahren in dieser Branche, ich liebe sie. "Mein Blutkreislauf besteht zu 50% aus Kerosin, der Rest ist Koffein". Once airline, always airline... Aber das liegt nicht nur an der "guten alten Zeit"... Oder doch? Egal. Es gibt keinen besseren Arbeitgeber als "Airline"!

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