fvw Kongress

XML ist wichtiger als Social Media

DRV-Datenstandard, Direct Connect, Semantik und Social Media – der fvw Kongress hatte seinen Fokus schon auf Technologie-Trends, als es diese Wörter noch gar nicht gab. Worauf wir uns in diesem Jahr in Köln einstellen sollten.

von Dirk Rogl, 07.09.2011, 14:37 Uhr

Morgen kommt fvw 18/11 und am Dienstag kommender Worche geht es richtig los. Der DRV-Datenstandard ist keine bloße Theorie mehr. Die dezentrale Abfragelogik und ihre Technik feiert auf dem fvw Kongress Premiere.

Das Ziel ist klar: Möglichst viele Reiseangebote sollen blitzschnell und in einer bislang nicht da gewesenen Datentiefe im Markt verfügbar sein. Hundertprozentige Produktabdeckung ist gefordert. Dazu soll es Frontends mit völlig neuen Suchfunktionen und Features geben.

Auf dem fvw Kongress in Köln wollen wir Antworten suchen nach einigen zentralen Fragen, die tatsächlich noch offen sind.

1. Ist die dezentrale Abfragelogik nach dem DRV-Datenstandard tatsächlich besser als die heutigen Vertriebssysteme?

In fvw 18/11, die am Freitag erscheint, beschreiben wir ausführlich, wie das neue Datenformat EDF und die dezentralen Player- und Hub-Server von Peakwork funktionieren. So viel vorab: Im Test performen sie prächtig und sie greifen schon heute auf fast alle Großveranstalter zu. Aber noch ist all das nur ein Probebetrieb. Was passiert, wenn die von den Veranstalter gepflegten neuen Angebotsdatenbanken unter Vollast bis zu 700 Abfragen pro Sekunde bearbeiten? Bleibt alles stabil oder schwächeln einzelne Server in der dezentralen Abfragelogik und damit potenziell auch das komplette dezentrale Netzwerk?

2. Wie müssen neutrale Vertriebssysteme konfiguriert sein, die die volle Datentiefe abbilden wollen. Und wie integrieren sie die Daten jener Veranstalter, deren Systeme noch für die etablierten Vertriebssysteme optimiert haben?

Es sind primär die Großveranstalter, die den DRV-Datenstandard auch tatkräftig unterstützen. Viele Veranstalter fühlen sich wohl in ihrer etablierten IT-Umgebung. Es wird also bis auf weiteres zwei Systemwelten geben. Travel-IT gehört mit seinem brandneuen LM-Plus sicher zu den Vorreitern im Vertriebsmarkt. Es kombiniert den DRV-Datenstandard mit dem alternativen OTDS-Format von Traveltainment & Co. Was Travel-IT-Chef Michael Kalt konkret vorhat, steht ebenfalls in der neuen fvw. Weshalb er die Kombi-Rolle nicht dauerhaft exklusiv innehaben wird, erklären wir ebenso. Denn auch Ralf Usbeck, der wohl einflussreichste Vater des DRV-Datenstandards, will mit seinem Start-Up Peakwork nun das alternative OTDS-Format unterstützen.

3. Welche Features sind künftig die Killerapplikationen?

Die klassische Suche nach Reiseziel und -dauer kennt heute jeder Kunde. Sehr zeitnah werden völlig neue Präsentationsformen dazukommen. Und das wird höchste Zeit. Ein paar Beispiele: 1. Die optische Suche etwa über Google Maps und Google Streetview oder künftig via Traffics Heliview. 2. Die semantische Suche über die Eingabe von Freitext, wie sie Fact-Finder oder Holidayinsider vorleben. 3. Die personalisierte Suche über Nutzerprofile und Links zu sozialen Netzwerken wie etwa Facebook. Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Thema dieses Blogs:

4. Welche Rolle spielt hier Social Media?

Persönliche Empfehlungen und Schnittstellen zu sozialen Netzwerken werden auch im Reisevertrieb weiter an Bedeutung gewinnen. Ich bin gespannt auf neue Buchungssysteme, die zum Beispiel auf Empfehlungen von Facebook-Freunden basieren. Für die Zukunft des Reisevertriebs sind derartige Features aber nur ein kleiner Baustein. Technisch betrachtet ist der Social Graph zu Facebook eine von unzähligen XML-Schnittstellen, die künftig in modernen Vertriebssystemen zusammenlaufen können.

Die neuen Datenformate, die fast ausnahmslos auf der Extended Markup Language (XML) basieren, verbinden Vertriebssysteme mit Veranstalter-Systemen, Bettenbanken, klassischen GDS und Preisvergleichssystemen, Content-Anbietern jeglicher Art und eben sozialen Netzwerken. Das ist die wahre Faszination der Travel Technology. Nicht Facebook und Google sondern die Technik mit ihren neuen extrem schnellen Netzwerken, Schnittstellen und Servern wird den Reisevertrieb nachhaltig verändern. Wie das funktioniert, lernen wir in der kommenden Woche in Köln. Willkommen in der Zukunft. Ich freue mich auf spannende Diskussionen. Gern auch schon hier im E-Blog.

Kommentare

von Uwe, 07.09.11, 15:05
100% Zustimmung. Aus meiner Sicht ebenfalls diskussionswert (2012 ist ja nicht mehr weit weg): Wie können sich Portale und Veranstalter differenzieren, wenn die Daten zwar besser werden, aber alle die identischen Daten einsetzen? Und: Wie schaffen wir es, Kunden zu binden, anstatt sie ständig über Google neu einzukaufen? In diesem Sinne freue ich mich auf zwei tolle Tage und ein Glas Kölsch zwei drei.

von Sascha Nau, 07.09.11, 16:35
@Uwe: Warum identische Daten? Die Formate sind doch "lediglich" standardisiert - die Inhalte können und sollten doch weiterhin unterschiedlich sein. Es sei denn, wir legen die Daten in unseren Sozialen Netzwerken und Kreisen ab, so dass jeder daruaf zugreifen kann... ;-) @Dirk: Es wird sicherlich sehr spannend, ob all das gehalten wird, was so geschrieben wurde...

von Sven Maletzki, 07.09.11, 16:55
zu 1.) Sollten Server der Veranstalter unter der Last von vielen Anfragen zusammen brechen, dann wird ein dezentrales System eben NICHT zusammen brechen. Ein zentralisiertes System ist tatsächlich davon abhängig, dass eben der oder die Server immer laufen und der Last stand halten. Fällt dagegen bei einem Veranstalter ein Server im dezentralen System aus, fehlen eben die Suchergebnisse dieses Veranstalters in der Ergebnisliste.

von Skeptiker, 07.09.11, 16:56
Lieber Herr Rogl, Sie wiederholen es oft, doch XML heißt immer noch nicht "Extended" Markup Language :-))

von Dirk Rogl, 07.09.11, 17:28
Mein lieber Skeptiker, besten Dank für die Info. Und ja, Sie haben Wikipedia auf Ihrer Seite und wohl auch die aktuelle Mehrheit der Interpretationen. Teile der Wissenschaft nutzen immer noch gern "Extended". Und was mich ungemein beruhigt: Selbst Microsoft tut es: http://bit.ly/mUt1Uo Hier liegt wohl auch der Ursprung des Kürzels. Und bevor Sie es sagen: Die Abfragelogik wird seit geraumer Zeit als Anfragelogik vermarktet. Denn das ist es aus Sicht der Veranstalter, die dafür zahlen sollen. Der Open Travel Data Standard (OTDS) ist bei genauerer Betrachtung eher ein Format denn ein Standard. Ich gebe zu, von manchen gut eingeprägten Begriffen trenne ich mich ungern. Anonymen Gruß!

von Barthel.eu, 07.09.11, 19:31
XML ist der "Container"' der die Daten übermittelt. Diese sollten in einer ordentlichen Qualität vorliegen. Sollten... Was bringt mir der Datenstandard in Deutschland, das muss (schnellstens) international funktionieren. Denn wenn jeder seine eigene Suppe kocht, verwässert sich nur das Ergebnis. Die GDS haben seit jeher Daten konsolidiert, aufbereitet, sich dabei aber auch auf die wichtigsten Airlines, Hotels, etc. beschränkt. Der Datenstandard steht vor dem gleichen Problem. Um dynamisch zu paketieren, braucht es die möglichst kompletten Angebote, nicht nur die wenigen wichtigsten. Sonst wird das zur Steilvorlage für GDS und (vor allem) Reisebüro, die eine größere Auswahl haben ... Wenn diese so schlau sind, sich im Bedarfsfall nicht nur auf die 08/15-Systeme zu verlassen ;-)

von Skeptiker, 09.09.11, 10:24
Hallo Herr Rogl Danke für die Ergänzung. Indes, Wikipedia hin oder die eigentliche Spezifikation her (ist auf WP verlinkt): Es ist ja wirklich nicht die Eigenschaft "extended", die den Se... pardon die Attraktivität von XML ausmacht, sondern die in der Norm angelegte Erweiterbarkeit. Egal. Durch aufmerksame Lektüre der fvw auf Papier und online und etwas Interpolation weiß man doch ganz gut, um was es geht. Und XML ist schließlich nur eine von mehreren Technologien, die in EDF und Hub/Player und OTDS etc. zum Einsatz kommen. Ein guter Hinweis von Ihnen übrigens, dass der Begriffsunterschied zwischen An- und Abfragelogik größer ist als auf den ersten Blick deutlich wird. Ist es nicht überhaupt auffällig, dass die diversen Teilnehmer im Gespräch über das Gemenge aus Formaten, Standards, Technologien, Systemen, Produkten und Kosten/Gebühren ganz unterschiedliche Aspekte für wichtig halten? Ohne dass sie das immer offen sagen? Es wird nach so langer Zeit immer noch diskutiert, was was ist: EDF ein Standard? OTDS nur ein Format? Der Player ein Beitrag der Konzerne zur Markttransparenz? Drohen Monopole? Drohen neue Inkompatibilitäten? Mein Eindruck aus der Distanz ist, dass da gleichviel fehlendes technisches Tiefenwissen wie bewusst geworfene Nebelkerzen im Spiel sind und die Debattanten auch weiterhin fleißig aneinander vorbeireden werden, wenn sie auf Einzelaspekte abheben. Nein, keine Verschwörungstheorie hier: Die Konzerne haben gewiss absolut egoistische Motive, hier so zu kooperieren, wie sie es tun. Meine These ist, von Usbecks Hinweisen gestützt, dass es ihnen vor allem um den Player geht und was er für sie intern tun kann. Meine Grüße müssen im übrigen weiterhin anonym bleiben, lieber Herr Rogl. Immerhin haben Sie meinen Namen aus der E-Mailadresse, die ich im Kommentarformular mitgebe :-)

von Jahns, 13.09.11, 01:28
alleine die Überschrift tut schon gut zu lesen: XML ist wichtiger als Social Media. Es gibt wirklich sehr viel wichtigeres momentan, und da gehört das Thema Datenstandard auf jeden Fall dazu. Toller Beitrag.

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