fvw Kongress

Schluss mit Krise – in den Köpfen

Der Winter läuft schlecht an, 2010 wird ein hartes Jahr. Trotzdem: Auf dem fvw Kongress gibt es mehr als nur Zweckoptimismus.

von Klaus Hildebrandt, 15.09.2009, 18:58 Uhr

Vor einem Jahr begann mit der Lehman-Pleite die Finanzkrise, die auch Touristik und Geschäftsreise voll getroffen hat. Heute auf dem fvw Kongress zogen Top-Shots wie Peter Long (TUI Travel), Norbert Fiebig (Rewe) und Peter Fankhauser (Thomas Cook) ein realistisches Fazit. Eine Glaskugel für 2010 haben auch die Konzerne nicht, aber dass es nach den mies angelaufenen Winterbuchungen trotz der ersten Anzeichen einer Konjunkturbelebung nächstes Jahr eher noch schwieriger wird als dieses Jahr, schwang überall mit. Trotzdem ist die Stimmung auf dem Kongress gut. Und das nicht nur, weil Touristiker immer gut drauf sind, wenn sie rudelweise auftreten. Ich glaube, nach einem Jahr Krise ist die Branche ein Stück weit abgehärtet gegen schlechte Nachrichten. Schönwettergerede wie auf der DRV-Tagung im November, als die Top-Touristiker trotz düsterer Wolken am Himmel nur Sonnenschein sehen wollten, ist passé. Dieser neue Realismus wurde heute aufgepeppt durch Erfolgsgeschichten. So präsentierten sich Boris Raoul (FTI), Gerald Kassner (Schauinsland) und Jörg Eichler (Aida Cruises) heute sehr glaubwürdig mit ihrem Optimismus für das nächste Jahr. Man dürfe negative Gedanken keinen so breiten Raum geben, dass sie das Handeln dann wirklich beeinflussen, sagte Vertriebsmann Eichler. Getoppt wurde das positive Denken dann von den lockeren Internet-Guys Hugo Burge, Glenn Fogel und Jürgen Böhm. Klar, so ticken nun mal die Web-Leute. Aber wie war das noch mit der Psychologie und der Wirtschaft ... Ich selbst werde jetzt erst recht positiv denken: Denn nun geht's zur Bahn-Party in den Alten Wartesaal. Wer da schlecht drauf ist, dem kann man auch nicht mehr helfen. Aber zuvor noch eine Bitte an Sie: Für Feedback und Anregungen zum Kongress und zur Travel Expo hier per Blog-Kommentar bin ich sehr dankbar. Denn schließlich wollen wir unser Herbst-Event jedes Jahr besser machen. Und vielleicht reden wir im September 2010 ja schon wieder über flächendeckendes Wachstum, schön wär's.

Kommentare

von Berthold, 16.09.09, 15:58
Insgesamt ein in guter, auch gut moderierter Kongress. Zu einigen Referaten würde ich - - soweit dabei gewesen und NACHHALTIG in Erinnerung geblieben - folgende Noten vergeben: Peter Long: 5 (offensichtlich nicht auf diesen Kongress zugeschnitten und ziemlich "britisch" vorgetragen); Norbert Fiebig: 1 (praxisnah durch den realistischen Vergleich mit dem Handel); Peter Fankhauser: 1 für Vortrag, 3 für den Inhalt (nichts wirklich Neues); Boris Raoul: 2; Jürgen Böhm: viel Glück mit seinen Deutschland-Ambitionen; Jaan Albrecht: 1; Runde Ferienflug: 3 (Altmann 2); Dirk Notheis: 1 - relativierte so manche zuvor geäußerten Wunsch-Hoffnungen, ohne sie zu zerschlagen ("Auf - ohne Schwung" traf den Nagel auf den Kopf). Und natürlich die Bahnparty: 1

von Wolfgang Hoffmann, 17.09.09, 13:08
Oh-nein, voriges Jahr wusste doch niemadn, was die drohenden Wolken überhaupt bringen würden, umso kumulierter wurde dieses Jahr Kassandra beschworen. Dass jeder sein Zwangsoptimusjäckchen umgeschnallt hatte, macht den Erwartungs-GAU nicht kleiner. Die Branchenmacher waren ziemlich unter sich, Resiebüros selten gesehen. Und ob die gutbezahlten Verwalter unserer Touristik Optimuskekse verteilen oder in Hongkong fliegt ein Schluppen aus dem Fenster, meine-Güte, bei einer Reisbürorendite von unter 1,5% ist so eine Krise eh das Aus - besonders, wenn der Mlus nicht bedingungslos ausgesetzt wird!

von anna, 17.09.09, 17:35
Der Kongress war wieder gut und in einigen Vorträgen auch richtig informativ. Besonders spannend war das Schaulaufen der IBEs. Schade, dass der zweite Tag sehr schlecht besucht war. Der völlig in die Hose gegangene Schlussakt -die ausgesprochen peinliche Selbstbeweihräucherungsaktion von Herrn Dillon - ob das dazu beitragen kann, den zweiten Tag wieder zu beleben? Mein klares Votum: Nein! Wir wünschen uns mehr Gehalt und Informationen (Jaan Albrecht/Dirk Notheis) und weniger Luftblasen und Markschreier (Fogel/Drefs/Dillon). Alles in Allem: Weiter So!

von berthold, 18.09.09, 11:11
Schade, das die fvw-blogs zwar meist viel gelesen, aber meist nur wenig - und wenn, fast immer von den Gleichen - kommentiert wird. In diesem Falle hatte ich eigentlich gehofft, mit meiner Noten-Bewertung eine kontroverse Diskussion darüber auszulösen. Vergeblich. Vielleicht sollte die fvw noch etwas mehr "trommeln", um deutlich mehr Mitblogger zu gewinnen?!

von Oliver, 18.09.09, 13:13
Der Kongress war insgesamt wieder gut, wobei mir folgende Redner sehr postiv in Erinnerung bleiben werden: 1. Herr Fiebig, 2. Herr Fankhauser und 3. Herr Notheis. Bei der Diskussion Ferienflug habe ich einen entscheidenden Mitspieler im Markt vermisst - DEN KUNDEN, denn dieser wird auch über die Entwicklungschancen der Zielgebietscarrier entscheiden und wurde aus meiner Sicht in der Diskussion nicht ausreichend von den Teilnehmern berücksichtigt. Konkurrenz belebt das Geschäft und daher sehe ich, sofern die Qualität und vor allem die Sicherheit stimmt, durchaus interessante Chancen für Herrn Kröger und seine neuen Partner. Das z.B. Herrn Altmann dies aufgrund des Preisdrucks nicht passen wird kann ich nachvollziehen, aber verhindern wird er den Einstieg neuer Player im Markt nicht können.

von Klaus, 18.09.09, 13:49
Meine Kollegin Dagmar Willgeroth, die mit ihrem Team den Kongress organisiert, hat mir gerade die Besucherzahlen 2009 gegeben: Wir hatten in diesem Jahr gut 1000 Kongressbesucher und zusätzlich 1300 Touristiker, die nur die Travel Expo und den Reisebüro-Marketing-Tag besucht haben. Wir liegen damit leicht unter dem Rekordjahr 2008, aber immerhin genau auf dem Niveau von 2007. @anna: Es wirkte am 2. Tag im Hauptsaal teilweise wirklich leerer - da lag aber vor allem daran, dass mit dem Forum Travel Technology und dem Reisebüro-Marketing-Tag gleich zwei Veranstaltungen parallel liefen und offenbar viele Kongressteilnehmer auch Termine auf der Travel Expo vereinbart hatten. Die Zahl der Kongressbesucher am zweiten Tag liegt nur marginal unter Vorjahr.

von lene, 18.09.09, 16:28
Nachdem ich in den Vorjahren (2007,2008) die Qualität der Vorträge jeweils zum Vorjahr abnehmend fand, war ich dieses Jahr positiv überrascht! Es gab mehr Lichtblicke als erwartet, um es einzeln zu sagen: Long: Na ja, Fiebig:1, Fankhauser 2, Eichler-Kassner-Raoul: Diese Art der Interviews bringt wenig Neues m.E., Burge: 2, Fogel: Wenig überzeugend, Böhm: interessant, Notheis 2, Heller: Langweilig und nix Neues (ähm...kann mich ehrlich nicht mehr an 1 Aussage erinnern). Ich fände mehr branchenfremde Vorträge interessant (mit Parallelen), denn aus unserer Branche wird wohl keiner sein Geheimrezept auf dem fvw-Kongress vorstellen, daher kann da eigentlich nie was besonders Spannendes erscheinen.

von michael Buller, 20.09.09, 20:35
Ein wirkliches Muss! Gut organisiert und der Branchentreff Gruß Buller

von Thorsten Lehmann, Sunny Cars GmbH, 22.09.09, 15:17
Der fvw Kongress ist DER Branchentreff und er ist sehr gut organisiert. Kompliment an Frau Wilgeroth und Frau Soltau, sowie an alle direkt Beteiligten. Interessant, neben manchen Vorträgen, ist das aktuelle Branchenbild: Auf dem fvw Kongress konnte man deutlich sehen, wer erfolgreiche Rezepte hat, um die Krise zu überstehen. Unternehmen mit Visionen und dem Willen, diese Krise wirtschaftlich gesund überstehen zu wollen, stehen heute eher im Rampenlicht, während manch andere Unternehmen (vor allem große Konzerne und deren angeschlossene Unternehmen) ihre langjährigen Partnerschaften über Bord geworfen haben und mit Sparprogrammen, Kurzarbeit und Ideenlosigkeit eher zu den Verlierern zählen. Klar: 1. Einsparung = Marketing, 2. Einsparung = Mitarbeiter. Aber genau von diesen beiden Dingen lebt die Branche. Beides entscheidet maßgeblich über Erfolg und Misserfolg. Leider sind Marketing & Mitarbeiter immer der scheinbar schnellste und einfachste Weg der Einsparung. Man setzt dann eher auf Technik und schlanke Prozesse. Aber die sind kein alleiniger Heilsbringer, sondern lediglich Hilfsmittel. Differenzierung findet anders statt. Es ist die Art wie wir miteinder arbeiten (It's a People-Business). Deshalb sind viele Mittelständler aus meiner Sicht bislang die besten Krisenbewältiger. Wer mutig ist, Partnerschaften ehrlich pflegt und mit cleveren Ideen begeistert (und sich nicht fremd steuern lässt), der wird die Krise nicht nur überstehen, sondern langfristig als Gewinner in dieser Branche hervorgehen. Schauinsland, FTI und andere sind dafür ein sehr gutes Beispiel.

von Wolfgang Hoffmann, 22.09.09, 15:30
@Thorsten Lehmann, genug der Lobhudelei an den fvw Kongress, er ist und bleibt die Eucharistiefeier der Branche, das Konzert der Stones, die Geburt der 72 Jungfrauen, das Theravada unter dem Bodhibaum... Aber warum Schauinsland im Vertrieb so erfolgreich ist? Weil SLR einen schnörkellosen Vertrieb unter nahezu ausschließlicher Einbeziehung von uns Reisebüros betreibt, sich dabei so ehrlich, bis zur ultimativen Nackigkeit, eine auskömmliche Provision erlauben, die alle anderen, hauptsächlich die TUI, dastehen lässt und sich fragen lässt: Wie, zur Hölle, machen die das nur?

von deLeser, 22.09.09, 16:40
@Wolfgang Hoffmann. Bis Sie zur Essenz der Aussage kommen, muss sich der Leser durch viele Worte quälen. Kennen Sie den Satz: Weniger ist manchmal mehr?

von Ekkehardt Kaifel, 22.09.09, 19:48
KISS heist das Prinzip = keep it simpel and stupid oder auf gut Deutsch ein Betriebsmodel ohne Haken und Ösen, für jeden verständlich und sofort anwendbar, ohne Zahlenakrobatik der Controller und Yieldmanager. Keine selbstaufdieschulterklopf Partys derer, die die noch größere Vertriebsverwirrung gestiftet haben und Eingehen auf die wirklichen Probleme des Veriebs wäre wünschenswert gewesen. Doch bei Nettorenditen von unter 1% und horrenden Preisen für die Teilnahme auf dem Kongress lässt die Teilnehmerzahl der wirklich an der Front mit dem Tagesgeschäft Beschäftigten auf einen niedrigen Promillewert einpendeln und der Kontakt zur Bsis geht noch mehr verloren. Ekkehardt Kaifel

von Wolfgang Hoffmann, 23.09.09, 14:55
Hallo @deLeser, klar sagt mir der Satz "weniger ist manchmal mehr" was. Davon möchten mich die Veranstalter ständig überzeugen, wnen es um Provisionen geht ;-)

von Klaus, 23.09.09, 15:08
@Wolgang Hoffmann: Lieber Herr Hoffmann, nun gönnen Sie uns doch auch mal ein bisschen "Lobhudelei" - schließlich ist der Kongress für unser mittelständisches Unternehmen ein Riesenkraftakt. Von den Azubis am Empfang über unser Messeteam bis zur Redaktion sind wir da in der Vorbereitung und in Köln ganz schön am Rödeln. @Ekkehard Kaifel: Natürlich sind die Eintrittspreise immer ein Thema. Aber gemessen an Kongressen anderer Branchen, die gut und gerne das doppelte und dreifache nehmen, sind wir noch moderat. Und die Messe Köln, die Technikfirma, der Caterer etc geben uns leider auch keine Sonderpreise, nur weil wir so nette Touristiker sind. Im Übrigen kostet speziell für Reisebüros der Reisebüro-Marketing-Tag nur 48 Euro Eintritt. Und das haben in diesem Jahr viele Reisebüro-Chefs auch genutzt.

von Wolfgang Hoffmann, 23.09.09, 17:11
@Klaus Hildebrandt, lieber Herr Hildebrandt, habe ich Ihnen und Ihren Kolleginnen & Kollegen eigentlich schon gesagt, dass ich mich dieses jahr wirklich, richtig wohl gefühlt habe bei Ihnen in Köln, dass das mit Abstand der überschaubarste und auch atmosphärisch wärmste Kongress gewesen ist, seit vielen, vielen Jahren? @deLeser, sorry, kürzer ging es nicht. Eher länger.

von Klaus, 23.09.09, 17:24
Lieber Herr Hoffmann, danke, geht doch! Wird unser Team freuen, das wirklich hinter den Kulissen einen tollen Job macht.

von Ekkehardt Kaifel, 24.09.09, 18:53
@Klaus Hildebrandt Nun Euro48,-- nur für den Marketingtag ist für uns kleinen RB's auch schon heftig, zumal es mehrheitlich darum geht uns neue Technik anzubieten. Dazu noch Kosten für An- und Abreise + Hotel. Zu den eigentlichen Diskussionen und Gesprächen sind wir aber doch wieder nicht zugelassen. Der Kontatkt zur Basis bleibt leider außen vor, was wir an vielen "Entscheidungen" merken. Vorschlag: Bezahlbare Eintrittspreise für RB's, sowie günstige Anreisemöglichkeiten und vor allem eine Plattform in den Diskussionen gegenüber den "Leitungsrägern"

von Klaus, 25.09.09, 09:07
@Ekkehardt Kaifel: Also wenn 48 Euro (inkl. MwwSt) und eine Bahnanreise in der 1. Klasse ab ganz Deutschland für nur 49 Euro keine "bezahlbaren Preise" sind, dann kann ich Ihnen leider auch nicht helfen - zumal es im Reisebüro-Marketing-Tag nicht darum ging, Ihnen "neue Technik anzubieten". Das Programm reichte vom Motivationscoaching bis zu Tipps für die Einrichtung eines Blogs. Auf der Travel Expo bieten die Aussteller in der Tat neue Technik an - aber so funktioniert nun mal eine Messe. Und ich fand es bemerkenswert, dass in diesem Krisenjahr dort mehr Besucher, gerade auch aus Reisebüros waren, die sich über die neuesten Angebote informierten. Ein Kongress auf einem Messegelände ist nun mal für uns mit hohen Kosten verbunden - und wie zuvor schon gesagt, in anderen Branchen kosten derartige Veranstaltungen das doppelt und dreifache.

von Ekkehardt Kaifel, 25.09.09, 18:33
@Klaus Hildebrandt. OK die DB Fahrkarte ist absolut gut, aber den Hinweis mit den weit höheren Preisen bei anderen Branchen kann ich so nicht stehen lassen, denn diese haben auch weit höhere Margen und Gehälter. Uns werden dagegen die Provisionen allerorten gekürzt, wenn nicht gar ganz gestrichen. Und genau darum benötigen wir in den Diskussionen der "Entscheidungsträger" eine Plattform um uns Gehör zu vershaffen, doch genau die bekommen wir nicht. Das is etwa so wie mit dem Malus, den wir vom nicht verdienten Geld bezahlen sollen, da die VA's die Kapazitäten gekürzt haben.

von Wolfgang Hoffmann, 28.09.09, 14:50
@Ekkehardt Kaifel, natürlich greift der Wolf sich immer das schwächste Tier. So ist die Tourismusindustrie schon lange. Der Teufel sch**** auch hier immer auf den dicksten Haufen. Wer Buchungen durchknüppelt, kriegt Infos, kriegt mehr Provi, kriegt dieses, kriegt jenes, und selbstverständlich kann man sich dann auch den fvw-Kongress eher leisten. Sowas nennt man Ausleseprozess. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Die kleinen inhabergeführten Reisebüros, die erprobten Fachleute, der engagierte Urlaubsprofi, der wg. eines Mehrs an Service, wg. guter persönlicher Beziehungen mit den einzelnen Kunden höhere Prozesszeiten hat und dadurch sein Veranstalterfähnlein nur mehr schlecht als recht, aber auch in prekären Lagen noch hochhält, der wird bestraft, bis sich die Reisebürodichte marktbereinigt hat und sich diejenigen ausgemendelt haben, die eigentlich nur naoch überflüssig sind am stationären Markt. (Bemerkung in eigener Sache: Ich hatte keinen *ironiemodus* an)

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