fvw Kongress

Keine Frage des Formats mehr

Zentral oder dezentral? OTDS oder EDF? Einheitliche Attribute oder intelligente Suche? Mein Fehler oder dein Fehler? Nie zuvor hat die Touristik so engagiert über Technologie diskutiert wie beim DRV-Datenstandard und ihren Alternativen. Zum fvw Kongress 2013 rollen die Lösungen an. Einsetzbar und offenbar ausgereift. Mögen sie den Markt nach vorn bringen. Und zwar alle.

von Dirk Rogl, 18.09.2013, 11:59 Uhr

Vier Jahre ist es her, dass am Rande des fvw-Kongresses führende Touristiker den Anstoß zum DRV-Datentandard gaben. Noch nie hat ein Technologie-Thema die Branche so emotionalisiert wie dieses. Denn es geht nicht nur um Schnittstellen und Spezifikationen, sondern auch um die äußerst strategische Frage, wer im Veranstalter-Vertrieb künftig die Hoheit über Produktdaten und damit auch über den Zugang zum Kunden hat. Mittler oder Produzenten?

Direkt vor dem fvw Kongress 2013 können wir feststellen: Dass Rennen bleibt offen. Und vermutlich wird das auf unabsehbare Zeit so bleiben. Halt so lange, wie der externe Vertrieb für die erdrückende Mehrheit der Veranstalterumsätze sorgt. Und ähnlich wie in der steten Balance zwischen dem Eigen- und Fremdvertrieb der Pauchaltouristik sind auch in der Travel Technology keine klaren Gewinner und Verlierer in Sicht. Traveltainment, der Marktführer unter den touristischen Vertriebssystemen, investiert kräftig in seine bekannte Bistro-Technologie. Auf der Travel-Expo gibt es die neue Version. In naher Zukunft werden dort Veranstalter direkt angebunden. Sprich, sie können ihre Angebote über die neue Smart-Connect-Technologie in Echtzeit in die Preislisten einstellen und nicht über den vielfach kritisierten, aber immer noch unverzichtbaren Datenpool von bis zu 34 Mrd. Angeboten, den die Amadeus-Tochter aufgebaut hat und mit enormem Aufwand pflegt.

Auf der anderen Seite steht Peakwork. Das Unternehmen des einstigen Traveltainment-Gründers Ralf Usbeck ist der geistige Vater des DRV-Datenstandards und des Datenformats EDF. Und es expandiert kräftig. Von Nordeuropa bis in den Nahen Osten ist seine Player-Hub-Technologie im Einsatz. Auch in Deutschland kommt sie in Schwung: auf den Portalen zahlreicher Veranstalter (siehe Titelgeschichte der aktuellen fvw 19/13) und mit dem kostenfreien Travelviewer, einem Vertriebssystem für Reisebüros, das nun die volle Schönheit der neuen Technik auch am Reisebüro verfügbar machen soll: genaue Preise und Vakanzen, blitzschnell errechnet nach den individuellen Präferenzen des Kunden.

Das wiederum ist kein Alleinstellungsmerkmal von Peakwork, sondern das mehr oder weniger offizielle Ziel aller Traveltech-Anbieter im Land. Auch Traveltainment, Trafffics und Bewotec, die Initiatoren des alternativen Datenformats OTDS, kombinieren inzwischen nach Belieben die Vorteile zentraler Anbindungen an Veranstalterdatenbanken mit ihrer bewährten Technologie. Und Travel-IT mixt ohne Vorbehalte die neuen Datenformate EDF und OTDS. Was bislang die Ausnahme war, dürfte langsam Alltag werden. Auch der Traveltech-Gigant Sabre öffnet sich mit seinem neuen Tourisitk-GDS Shop Holidays bewusst für alle Datenformate. Andere werden nachziehen, wenn der Bedarf dafür da ist. Und das könnte schnell gehen.

Die Branche ist durstig nach neuen, innovativen Technologien für den Vertrieb. Zur Travel Expo am 24. und 25. September in Köln erreichen sie endlich Serienreife. An den Ständen unserer mit gut 90 Ausstellern ausverkauften Fachmesse zum fvw Kongress wird es um Funktionalitäten und technische Details gehen. Die große Politik hat erstmal Atempause im Traveltech-Lager. Statt Grundsatzdiskussionen steht harte Arbeit an. Und die Konzentration auf den Kunden.Der will nicht mehr oder weniger als das für ihn perfekte Angebot. Die neue Technik macht es möglicher denn je. Willkommen auf der Travel Expo 2013.

Kommentare

von Robert, 18.09.13, 14:41
Den absoluten Vogel hat heute Traffics abgeschossen. Die verbreiten ein automatisches Updade welches die Zugangsdaten löscht und ein speichern dieser Daten nicht mehr möglich macht. Die wollen tatsächlich das niemand mehr über Traffics bucht - unglaublich !

von Susann Seyfried, 18.09.13, 15:40
Einheitliche Attribute und intelligente Suche schließen sich keineswegs aus. Vielmehr ergänzt sich beides mit der richtigen Technik. Semantische Suchtechnologie ist in der Lage, frei formulierte Kundenwünsche zu verstehen und mit tausenden von hinterlegten Reiseattributen abzugleichen – vorausgesetzt, die Suche kann mit allen Datenformaten umgehen und ist mit jeder IBE einsetzbar. Ein gutes Beispiel hierfür findet sich auf www.gulet.at: Im Feld „Spezielle Wünsche“ hat das Reiseportal FACT-Finder Travel (www.fact-finder.de/fact-finder-fuer-Reiseportale) integriert und macht damit sämtliche Attribute für den Kunden transparent.

von Kerstin Peter, 19.09.13, 17:38
Natürlich kann Traffics in den Keller gehen und die Kellertür von innen aus Sicherheitsgründen verschliesen. Nur Reisen verkaufen kann dann niemand mehr über dieses System.

von Stefan Schneider, 24.09.13, 15:13
Nun probieren Sie den Fact finder mal aus. Dieser funktioniert leider eher schlecht als recht. Die Idee ist gut aber leider nicht die Suchfunktion an sich. Nehmen wir als beispiel mal ein Haustier welches mit soll. Die Suchsemantik findet vielleicht den Begriff Haustier, aber das Problem ist die Unterscheidung von "Haustier erlaubt" oder "Haustier nicht erlaubt". Solange ein Computer zu dumm ist dies zu bewerten wird immer noch der Mensch gebraucht werden bei all der ach so schönen neuen Technikwunderwelt! Es stellt sich mir immer wieder die Frage ob neue Technik hilfreich ist oder eher Arbeit generiert. Bei der momentanen Technik wird leider nur Arbeit produziert anstatt welche abzunehen. Viele verbessurungen sind manchmal auch ein Rückschrit, wie man momentan am aktullen Google Maps erkennen kann.

von Sebastian Theurer, 27.09.13, 15:06
Für unsere neue Fact Finder Travel Schnittstelle ist es ohne Probleme möglich eine gewünschte Grammatik wie "Haustier erlaubt" bzw. "Haustier nicht erlaubt" in einem z.B. Boolean Attribut (Haustier true/false) abzubilden, ein matchbares Attribut muss lediglich in der jeweils von unseren Kunden genutzten DB existieren. D.h. Daten, welche auf Kundenseite nicht existieren bzw. ohne Verknüpfung zu einer Ontologie stehen, welche wiederum beim Kunden existieren müsste, können auch wir nicht zum Suchen nutzen. Uns ist Kommunikation sehr wichtig und wir freuen uns über jedes Feedback. Um ein genaues Verständnis für unsere Suchtechnologie zu erhalten stehen wir gerne für Fragen bereit.

von Stefan Schneider, 27.09.13, 17:12
Sehen Sie Frau Theurer, die ganze Suchlogik bringt nichts wenn das System nicht versteht oder wie von Ihnen berichtet die Daten der Veranstalter total mieß sind. Solange sich daran nichts ändert, und daran wird sich wohl in den nächsten Jahren nichts ändern, bringen die hochgelobetsten Suchmaschienen nichts, wenn Sie die Realität nur zu einem Bruchteil abbilden können. Also bringt mir als Endkunde oder Mitarbeiter die neue Welt nichts. Solange das Ergebnis nicht vollständig ist kann ich darauf verzichten. Vielleicht sollten Sie mal eine Befragung an der Basis durchführen welche Suchbegriffe wichtig sind und welche nicht, erst dann wir Ihr Produkt funktionieren. Ich wünsche Ihnen weiterhin eine Erfolgreiche Entwicklungsarbeit und wünsche uns und Ihnen Erfolg bei der Optimierung, damit die Countermitarbeiter irgendwann nicht mehr alles fünfmal nachrecherieren müssen.

von Sebastian Theurer, 08.10.13, 08:08
...Also ich sehe das nicht so Schwarz bzw. hoffe für die Reise-Industrie, dass sich die Daten, was sie ja auch schon getan haben, in den nächsten Jahren noch weiter verbessern werden! Dass es ein Prozess ist, der nicht von heute auf Morgen passieren kann ist uns ja sicher allen klar, aber die Weichen sind, wie man im initialen Report lesen kann, schon mal gestellt. Welche Suchbegriffe für unsere Kunden wichtig sind, stimmen wir natürlich mit unseren Kunden ab :-) , der Dialog und ständige Austausch ist gerade im Semantischen Suchbereich sehr wichtig und unverzichtbar. Mit freundlichen Grüßen Sebastian Theurer

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