fvw Kongress

fvw Kongress: Ab durch die Mitte

Direkt oder indirekt? Google oder Reisebüro? Blog oder E-Blog? Die Besucher des fvw Kongress, der in diesen Minuten zu Ende geht, wissen es bereits. Es gibt keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen. Aber es lohnt sich drüber zu reden. Eine erste Zusammenfassung von zwei Tagen fvw Kongress.

von Dirk Rogl, 14.09.2011, 16:57 Uhr

Direkt oder indirekt? Diese Frage eint Veranstalter und Airlines. Direct Connect ist in aller Munde. Während die deutsche Reiseindustrie den Einzug des DRV-Datenstandards und der damit verbundenen dezentralen Abfragelogik wahlweise freudig feiert oder ängstlich beobachtet, geht es im US-amerikanischen Flugmarkt um das Eingemachte. Öffnen die Airlines ihre Vertriebssysteme für Key Accounts oder bleibt es beim "Full Content" für die GDS? American Airlines ist der Vorreiter für die direkte Anbindung. Doch - und das ist eine echte Neuheit - auch Lufthansa testet nach Auskunft von Vertriebsvorstand Jens Bischof die Umgehung der etablierten GDS über den Herausforderer Farelogix.

Was das mit dem DRV Datenstandard zu tun hat? In der Touristik geht es im Prinzip um die gleiche Frage. Geben die Veranstalter ihre Angebote auch in Zukunft in ein für sie in schwer steuerbare weil naturgemäß neutrale Preis-Vergleichssysteme, oder muss sich der Vertrieb die dann gewiss bestens aufbereiteten Daten künftig direkt beim Veranstalter abholen? Für Ralf Usbeck, einst Traveltainment-Gründer und heute einer der Treiber des DRV-Datenstandards, ist auch das eine Form des Direct Connects. Sein Counter-Part aus Nordamerika heißt übrigens Jim Davidson. Er war einst Nordamerika-Chef von Amadeus und heute als CEO von Farelogix dessen vielleicht wichtigster Herausforderer. Für beide IT-Innovatoren gilt: Die Zeit muss zeigen, ob ihre neue Technik die zentralen GDS langfristig ins Abseits stellen kann.

Google oder Reisebüro? Es mag Zufall sein, dass Google während des fvw Kongress seine neue Flight Search frei geschaltet hat. Doch viele Referenten waren heute auf der Bühne bestens vorbereitet. Ihr Fazit: Die Suchtechnik setzt Maßstäbe. Aber die klare Aussage von Google, über die neue Suche ausschließlich die Tarife der Airlines direkt anzuzeigen, wird gravierende Folgen für den Markt haben. Eine intelligente und gewiss zeitnah folgende Einbindung von Google Flights in die Systemwelt des IT-Giganten (Universal Search, Profile, Places) vorausgesetzt, muss Google nicht erst Mittler werden, um seine Position als zentraler Reiseplatz weiter auszubauen. Ob dieser Weg für die Airlines günstiger ist als über etablierte Vertriebspartner ist die entscheidende Frage. Und niemand kennt die Antwort.

Wer hat also die Macht im Reisegeschäft? Seit dem fvw Kongress liegen viele Karten auf den Tisch. Neue Vertriebssysteme mit direkter Verbindung zu Leistungsträgern und Veranstaltern sind auf dem Vormarsch. Aber die etablierte Vertriebswelt lässt sich nicht so leicht aus den Angeln heben. Sicher gegen Gebühr und an noch nicht bekannter Stelle wird auch Google Expedia, Travelocity & Co in seine neue Travel-Sektion einbinden. Aber eben wohl nicht in den zentralen Preisvergleich. Und von den großen deutschen Veranstaltern haben wir nun das klare Versprechen, dass sie auch die etablierten Vertriebssysteme vorerst mit "full content" versorgen wird. Dieses Versprechen gilt jeweils so lange, wie die bestehenden Systeme für den Mittler einen Vorteil bringen.

Wetten, dass wir diese Fragen auch beim fvw-Kongress 2012 behandeln? Die Reiseindustrie erlebt gerade eine der größten technologischen Umbrüche in Ihrer Geschichte. Aber ihre Umsetzung ist gewiss mehr Evolution denn Evolution. Sie dauert Zeit. Und auch die etablierten Systeme arbeiten an neuen Schnittstellen und besseren Funktionen.

Zumindest eine Frage lässt sich klar beantworten. Dieser Post gehört exakt in diesen E-Blog und nicht in unseren fvw-Blog. Technologie verändert nicht nur die Reiseindustrie, sie ist zum dominierenden Thema einer gesamten Branche geworden. Alle Argumente und Eindrücke vom fvw Kongress lesen Sie in fvw 19/11. Es ist bei uns halt so wie derzeit auch im Reisevertrieb: Den "Full Content" gibt es bis auf weiteres im etablierten fvw-Magazin. Er passt schlichtweg nicht in diesen Blog.

Kommentare

von Barthel.eu, 15.09.11, 21:00
Ich musste leider anderweitig einen Termin wahrnehmen, wo das Thema "Direct Connect" vs. GDS aber ebenfalls thematisiert wurde. Ergänzend zu meinen früheren Kommentaren möchte ich einen wichtigen Punkt weitergeben: Die direkte Anbindung, also die Übertragung von Cloud Computing (gegenüber 'dem' Server) in den Reisevertrieb öffnet potentiell Möglichkeiten für kleine Anbieter (Pensionen, Fluggesellschaften, Autovermieter, ...) ihre Daten standardisiert vorzuhalten, so dass diese über Internetlink "on Demand" abgerufen werden, ohne teure Hostingkosten zu verursachen. Aber... Warum erinnert mich das an die Einführung des ursprünglichen 'Direct Access' für die Airlines? Ja, anders. Aber doch auch gleich... Und das Problem: Es muss einfach (zu implementieren) sein, offen (ohne Lizenzgebühren). Dann ist da noch die Frage des Look-to-Book-Verhältnisses. Und die Frage, wer davon profitiert, also dafür bezahlt... Sind diese lösbaren Probleme erledigt, steht nix mehr dagegen, dass jedes Hotel und jede Airline einen Link anbietet und Direct Access über unzählige Vertriebskanäle funktioniert. Fand ich einen sehr interessanten Ansatz...

von Timothy O'Neil-Dunn, 17.09.11, 08:41
My apologies for writing in English. On the issue of Direct Connect the world of a single based supply chain source is over. Anyone who still believes that all travel products can come from a single place must still be stuck somewhere in the 1990s or even earlier. Travel is a very complex product set and it requires strong and evolved technology to support the increasing sophistication of the user. I firmly believe that the value of direct connect (a bad name in my opinion) is in the ability to deliver better functionality, more direct personalization between the customer and the supplier and of course newer technology at a lower price point. The intermediary - let's call them agents - are vital to this process. The legacy GDS infrastructure holds back and creates increased costs because of the older technology platforms. I do agree that there is a very large elephant in the room with search. This is a core problem that technology alone cannot solve. The business processes have to change to allow quality and trustworthy results to be pushed out to the consumer. Otherwise there is no technology in the world that can deliver search at a low enough cost. As we can see from Google's delivery - their solution is faster - but the quality and reliability is not there.

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