fvw

Die Ex-Freundin des Herrn S.

Wie stark kann/soll/darf die fvw über das Privatleben von Touristikern berichten?

von Klaus Hildebrandt, 06.06.2008, 10:06 Uhr

Heute morgen ist zweite fvw im neuen Look erschienen. Wir haben vor allem den Hefteinstieg neu gestaltet. Viele Leserinnen und Leser finden das gut. Das neue Layout sei "zeitgemäßer", sagte mir etwa gestern Jens-Joachim Brösel von Dertour. RTK-Chef Thomas Bösl findet die neue fvw "kompakter und knackiger". Aber ich will nicht verschweigen, dass es, wie bei jedem Relaunch, auch kritische Stimmen gibt. Eine Leserin schrieb mir zu unserem neuen Format "Person der Woche". In der vergangenen Ausgabe hatten wir dort TUI-Aufsichtsrat Manfred Schneider vorgestellt. Darin war auch zu lesen, dass Schneider "kurzzeitig mit Sabine Christiansen liiert war." Eine derart private Anmerkung passe nicht zu einem "seriösen Fachmagazin", meint die Leserin und fragt, ob dies "der neue Stil" der fvw sei. Ich habe der Abonnentin ausführlich geanwortet – nicht nur, weil ich den Artikel selbst geschrieben habe. Denn das Thema ist wirklich diffizil. Wirtschaft wird von Menschen gemacht, das gilt in der Touristik um so mehr. Deshalb stellen wir in der fvw nicht nur "Fakten, Fakten, Fakten" dar (um einen Werbespruch eines anderen Magazins zu zitieren), sondern auch die Menschen, die die Branche bewegen. So ist etwa unsere Porträt-Serie "Tischgespräch" eine der meistgelesenen fvw-Seiten. Hier kann jeder Gesprächspartner selbst entscheiden, wieviel Privates er preisgibt. Bei Schneider und Christiansen ist das anders. Die TV-Talkerin ist, wie es presserechtlich heißt, eine "öffentliche Person." Promis oder Politiker, die sich bewusst in der Öffentlichkeit zeigen, müssen damit rechnen, dass darüber berichtet wird. Schneider und Christiansen schafften es sogar auf die Titelseite der "Bild", auch die "Bunte" und andere People-Magazine berichten ausführlich und durchaus mit dem Einverständnis der beiden. Deshalb halte ich es auch in einem Fachmagazin für richtig, dann darüber zu berichten, es ist eine Facette des Lebens. Als wir über die "Person der Woche" in der Redaktionskonferenz redeten, sagte eine Layouterin spontan: "Ist das nicht der, der mal mit der Christiansen zusammen war?". So ist das nun mal mit "öffentlichen Personen". Ein anderes Beispiel: Gestern berichtete das "Handelsblatt" über den Investmentbanker Arpad Busson und lichtete ihn mit seiner Verlobten Uma Thurman ab. Der US-Filmstar ist sicher eine öffentliche Person, und das "Handelsblatt" eine der besten Wirtschaftszeitungen Deutschland. Das Handelsblatt hat sich ebenso wie die fvw gewandelt: Natürlich geht es um Wirtschaft, aber es geht immer auch um Menschen, deren persönliche Ziele, Eitelkeiten und Emotionen. Keine Angst: Wir werden in der fvw nicht gnadenlos das Privatleben der Touristiker an die Öffentlichkeit zerren (auch wenn uns da wie im wirklichen Leben eine Menge Klatsch zugetragen wird). Aber Ausnahmen, wie im Falle Schneider/Christiansen, sollte es immer geben – oder was meinen Sie?

Kommentare

von Jürgen Barthel, 09.06.08, 17:06
> Natürlich geht es um Wirtschaft, aber es geht immer auch um Menschen, deren persönliche Ziele, Eitelkeiten und Emotionen. Genau darum geht es, nicht nur bei "Reisebüro zum Kunden", sondern in der gesamten Branche. Und die FVW hat meiner langjährigen Erfahrung nach immer diese "Gratwanderung" geschafft. Seriös, kompetent, aber auch kritisch wenn's mal notwendig war/ist. Dazu verschwiegen, wenn's um Vertrauliches ging/geht. Oft genug, dass die FVW auch angefeindet wurde, wenn die Berichterstattung mal nicht opportun (positiv) war. Das gehört dazu. Genauso wie die Entscheidungsfreiheit, ob man etwas persönliches meldet oder auch nicht.

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