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Braucht die Touristik die Fachpresse?

Welche Bedeutung hat die Fachpresse für die Touristik? Darüber diskutierte ich gestern beim Travel Industry Club in Hamburg.

von Klaus Hildebrandt, 04.11.2008, 06:18 Uhr

Eigentlich sitzen wir Journalisten ja im Saal, hören zu und stellen Fragen. Aber gestern abend im Atlantic Hotel in Hamburg war es anders herum. Der Travel Industry Club hatte mich gebeten, über die Presse und die Touristik zu reden. Die Diskussion mit den rund 100 Zuhörern (glücklicherweise fast alle fvw-Leser) hat wirklich Spaß gemacht. Nun, dass ich ernsthaft die Bedeutung der Fachpresse anzweifeln würde, damit war wohl auch nicht zu rechnen. Sicher, die allgemeine Wirtschaftspresse nimmt sich Themen der Branche stärker an. Aber, dort geht es allein um die börsennotierten Unternehmen, und berichtet wird vor allem aus Sicht des Kapitalmarkts. Ich habe einfach mal bei Google News die Namen bekannter Unternehmen eingegeben. Mit folgendem Ergebnis (in Klammern die Zahl der Nachrichten zu dem Unternehmen): TUI ( 5409), Thomas Cook (1241), Rewe Touristik (48), Alltours ( 79) und Gebeco (19). Gebeco steht stellvertretend für mittelständische Unternehmen - und die hatten am Vortag sogar noch ihre große Pressekonferenz, in der sie ihre Sommerkataloge vorstellten. Ganze Themenbereiche, von der Provisionspolitik über die LH-Vorzugspreise bis hin zu Business Travel würde es in der öffentlichen Diskussion gar nicht geben. So sagte mir gestern abend auch BCD-Deutschland-Chef Stefan Vorndran, dass das Thema Geschäftsreisen in der allgemeinen Presse fast überhaupt nicht vorkomme, obwohl der Sektor milliardenschwer ist. Gefragt wurde ich übrigens auch, wo die Leute eigentlich die Zeit hernehmen, Blogs und all die anderen Dinge des Web 2.0 zu lesen. Studien zeigen, dass die Internet-Nutzung vor allem vom TV-Konsum abgezweigt wird. Also, solange die Wirtschaftsthemen der Reisebranche das Fernsheen nicht erobern, ist noch viel Zeit für das Trio Touristico!

Kommentare

von Dieter, 04.11.08, 10:06
Selbstverständlich braucht die Touristik, vor allem aber brauchen die Touristiker, eine qualifizierte Fachpresse, die durchaus unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sollte. Die fvw ist dabei zweifellos die "Mutter der touristischen Fachpresse", sozusagen die "FAZ der Touristik", die spätestens ab der untersten Leitungsebene Pflichtlektüre sein sollte. Traveltalk hat sich zum idealen, schnell informierenden Blatt für den Counter etabliert. Travel One und Touristik Aktuell halte ich für nette, aber eigentlich überflüssige Ergänzungen. Ich vermisse allerdings sehr den Touristik-Report, der mit seinen meist gut recherchierten Hintergrundgeschichten - vor allem zu Heiner Berninger's Zeiten - in manchen Führungsetagen öfters mal für Unruhe sorgte und damit nicht selten auch Personalpolitik in einigen Unternehmen beeinflusst hat. Nicht zuletzt deshalb wünsche ich mir von der fvw mehr kritische Meinungskommentare und echte Hintergrundrecherchen (z.B. statt "abgesegneter" Interviews), um diese Lücke zu füllen.

von barthel.eu, 04.11.08, 13:19
Die Fragen, die sich mir stellen sind doch eher: » Wie viel Touristikpresse benötigen wir? Und da muss ich Dieter widersprechen, Travel Talk kommt aus dem Haus FVW. Insofern bin ich froh, dass es die beiden anderen genannten Magazine noch gibt! Bei aller Freundschaft mit der FVW: Monopole sind nie gut. » Wo nehmen Leute die Zeit her, Blogs, etc. zu lesen? Ich lese gezielt einige wenige - mehr lässt die Zeit nicht zu. Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Die Meinung der Meinungsmacher der FVW steht aber sicherlich ganz weit oben auf der Agenda. Blog oder tägliche News-Übersicht, Beides Pflichtlektüre. Erstaunt bin ich aber selbst ob des Feedbacks zu meinem eigenen Blog. Da melden sich ganz neue Leute. Die eigentlich Angesprochenen nehmen zu Kenntnis, bringen sich aber nicht ein. Aber gerade der Feedback motiviert doch. Sicher nicht nur mich, oder? Aber einbringen kostet halt Zeit und die haben wir alle zu wenig. » Was ist "Touristikpresse"? Top finde ich die Integration von e-Commerce bei der FVW. Gelegentliche Kritik ist hoffentlich immer konstruktiv. Aber ich überlese doch einiges online, was ich dann in der Printausgabe finde - die ich wesesentlich gemütlicher (und ausführlicher) an Stellen lese, wo der Laptop keinen Zugang hat... Im Bett bspw. ;-)

von Wolfgang Hoffmann, 04.11.08, 18:43
Printmedien werden immer ihre Berechtigung haben. Einen PC kann man schließlich nicht mit aufs Klo nehmen. In Zeiten der elektronischen Medien wird es sicherlich nicht mehr solche Vielfalt geben. Auch Tageszeitungen sind unaktueller, als diese Bangshot-Medien. Trotzdem gibt es immer Lücken, die es bei dem heer von Rezipienten zu füllen gilt. Nicht umsonst gibt es auch Urlaub Perfekt und den Urlaub Tipp. Einen Laptop gibt man nicht sienem Arbeitskollegen mit. Aber eine Reisezeitschrift gibt man gerne weiter. Was die Fachmedien betrifft, so vermisse ich auch die Touristik Report. Die fvw ist schon wegen der periferen Aktivität ein Muss. Die Touristik Aktuell halte ich persönlich für sehr wichtig, nicht nur als wettbewerbliches gegengewicht zur starken fvw, sie ta ist auch wesentlich Reisebüroorientierer. Die fvw lehnt sich sehr an die VA-Interessen an. Für die ta eine riskante Nummer, denn die Reisebüros fiannzieren diese Fachzeitschrift nicht mit Inseraten, das machen die VAs und Leistungsträger. Vielleicht sollte man allgemein über eine andere Finanzierungsformalität nachdenken, die die Unabhängigkeit gewährleistet, aber auch Geld ins Heft spült. Eine Art Zwangsabgabe! Was die Bundesregierung mit den Banken kann, das sollten wir auch können ;-) Dann könnte man auch einmal darüber nachdenken, was solche Anzeigen im Heft sollen, die uns Fachleute darauf aufmerksam machen sollen, in welcher Branche wir tätig sind. Oder glauben die VAs wirklich, wir wüssten nicht, dass es sie gibt?

von Enrico Heß, 05.11.08, 10:23
Die Fachpresse ist, so meine ich, ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Touristik. Zeigt sie doch Trends und Entwicklungen auf und hilft den Entscheidern der Branche bei der täglichen Arbeit und den strategischen Entscheidungen. ABER: Ein kritischer, hinterfragender Journalismus bedingt eine möglichst hohe Unabhängigkeit der Redaktion von den wirtschaftlichen Interessen eines Verlages, der - wie etwa auch im Falle der FVW - auf die Einnahmen aus Anzeigenschaltungen angewiesen ist. Und hier - ich war selbst vor meiner Touristikzeit viele Jahre im privaten Rundfunk tätig - liegt das Problem. Wer schlägt schon gern die Hand, die einen nährt? Eine Lösung hierfür gibt es, will man nicht einen Heftpreis um die Euro 100,-/Ausgabe, nicht wirklich. Was bleibt ist die Hoffnung auf durchsetzungsfähige- und willige Redakteure und Entscheider in den Redaktionen. Eine Bewertung, welches der (noch) im Markt befindlichen Fachblätter dies heute am besten leistet, sollte jeder für sich selbst treffen....

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