Fußball-WM

Sind Touristiker WM-Spaßbremsen?

Das WM-Fieber steigt. Für die Reisebranche gilt das Fußball-Ereignis gemeinhin als Umsatzkiller. Auch bei der touristischen Vermarktung gibt es Fragezeichen. Oder sind wir Spaßbremsen?

von Klaus Hildebrandt, 05.06.2014, 12:48 Uhr

Erstmal möchte ich alle PR-Agenturen um Verständnis bitten, dass wir auf fvw.de nicht die unzähligen WM-Hinweise bringen können. Alleine heute habe ich gelernt, dass der Flughafen München Fans in das MAC-Forum zwischen den Terminals einlädt, in vielen Ferienhotels von Alltours die WM gefeiert wird, Ameropa Reisepakte für das Public Viewing in deutschen Städten auflegt und in Abu Dhabi ein (alkoholfreies) Fußballfest steigt.

Reisebüros und Veranstalter reagieren trotz aller Fußball-Begeisterung mit Blick auf ihre Buchungen oft säuerlich. Wenn die Deutschen zu Hause mit Bier und Grillwurst oder beim Public Viewing vier Wochen Fußball gucken, fahren sie eben nicht in Urlaub. Doch offenbar gibt es diese WM-Delle dieses Jahr nicht, hat Traveltainment für die fvw ermittelt, wie Sie in der aktuellen Ausgabe lesen können. Bei früheren Welt- und Europameisterschaften galt die Regel, dass die Kombination aus einem Ausscheiden der deutschen Mannschaft mit schlechtem Wetter das Last-Minute-Geschäft kräftig anheizt.

Das Reisegeschäft nach Brasilien ist aber offenbar gut gelaufen, die Kombination aus Fußball und einem attraktiven Reiseland zieht. Dertour-Produktleiter Tom Rosteck berichtete diese Woche in der Hamburger Touristik Lounge, dass der Veranstalter all seine WM-Pakete abgesetzt habe. Und das angesichts der teuren Hotels und aufwändigen Transfers zu den Stadien zu horrenden Reisepreisen. Kunden waren allerdings, trotz des gesamten Compliance-Irrsinns, überwiegend Firmen.

Auch das ist eine touristische Kehrseite der WM: Die Eintrittskarten, die die Fifa komplett an den Reiseveranstaltern vorbei vermarktet, sind so teuer, dass in Brasilien 80 Prozent aller Tickets an Sponsoren und Firmen gingen. Selbst NDR-Sportchef und WM-Kommentator Gerd Gottlob merkte bei aller Liebe zum Fußball auf der Veranstaltung an, dass der Kommerz Grenzen habe und WM-Tickets für jeden Fan erschwinglich sein sollten. Da bin ich dann doch mal gespannt, wie die nächsten Weltmeisterschaften in Russland und Katar touristisch laufen. Vielleicht werden da Veranstalter und Reisebüros wieder dringend als Vermarkter gebraucht.

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