FTI

FTI-Gerüchte und die Hintergünde

FTI und üble Gerüchte: Was ein merkwürdiger Zeitungsbericht auslöst, wie es dazu kam und was die Folgen sind.

von Klaus Hildebrandt, 15.11.2013, 10:10 Uhr

Die mittlerweile über 30-jährige Unternehmergeschichte von FTI-Günder Dietmar Gunz ist eine von Legenden und auch Gerüchten. Wechselweise waren es die Mafia aus Kalabria, Geldwäscher aus Malta oder finstere Geldgeber aus Arabien, die den mittlweile viertgößten deutschen Veranstalter finanzierten - so die Unterstellungen. Und natürlich, Gunz drehe ein viel zu großes Rad, das könne nicht ewig gut gehen, wird auch schon seit Jahren geraunt.

In jüngster Zeit hatten sich die Gewitterwolken wieder mal verdichtet. Von der TUI würden angeblich Gerüchte über die Solvenz von FTI gestreut, wird seit Wochen in der Branche gemunkelt. Dies wird von dem Marktführer vehement zurückgewiesen. Richtig sei nur, so Vertriebschef Ralf Horter, dass man den Eigenvertrieb angewiesen habe, FTI wie auch andere Veranstalter zurückzufahren, um stärker das eigene Produkt zu verkaufen. FTI dokumentiert nach eigenen Angaben alle dem Veranstalter zugetragenen Aussagen und Hinweise und behält sich rechtliche Schritte vor.

Mehrere Journalisten wissen von diesen Gerüchten, die auch von anderen FTI-Konkurrenten bereitwillig weitererzählt wurden. Aber es gibt keine Belege für irgendwelche Probleme, keine ungewöhnlichen Außenstände oder unbeglichene Forderungen von Hotels, Vertrieb oder Airlines. Die hat auch das "Handelsblatt" in einem Artikel nicht, in dem über "Gerüchte um Schieflage" berichtet wird (um diese Schlagzeile im nachfolgenden Bericht dann wieder zu entkräften). Die für das Geschäftsfjahr 2011/12 im Bundesanzeiger veröffentlichte FTI-Bilanz zeigt das Bild eines Unternehmens, das bei einem Umsatz von 1,8 Mrd. Euro einen operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (auf dieser Basis berichten auch TUI und Thomas Cook) von 32 Mill. Euro ausweist. Dies entspricht einer Rendite von 1,8 Prozent. Wegen Währungsverlusten und Abschreibungen vor allem auf die Firmenwerte von Zukäufen blieben als Gewinn vor Steuern nur magere 2,6 Mill. Euro hängen. Auch die Eigenkapitalquote von 12,2 Prozent ist ausbaufähig.

Im abgelaufenen Jahr 2012/13 hat FTI, wie Gunz am Mittwoch vor der Presse erklärte, den operativen Gewinn trotz einer hohen Umsatzsteigerung nur stabil gehalten (fvw.de berichtete). Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. FTI wächst stark, investiert hohe Summen vor allem in das Destination Management, hat eine ausreichende Liquidität und ist insgesamt solide finanziert. Seit 2010/11 hält zudem die VR Meine Raiffeisenbank Altötting eine stille Beteiligung über acht Milllionen Euro, die, wie Gunz am Mittwoch der fvw sagte, gerade verlängert wurde. Diese Einlage stärkt das Eigenkapital, ist aber im Grunde wie ein Kredit, der verzinst wird.

Wir Fachjournalisten sind in einer besonders diffizilen Lage. Wenn wir finanzielle Probleme eines Veranstalters nur andeuten, kann dies schon dazu führen, dass der Vertrieb umsteuert. Denn er hat eine gerichtlich bestätigte Sorgfaltspflicht für den Kunden. Wie solche Gerüchte wirken, konnte man im Frühjahr 2012 sehen, als ein (übrigens vom selben Handelsblatt-Autor verfasster) Bericht über finanzielle Probleme bei Thomas Cook erschien. Irgendetwas bleibt immer hängen, das wissen nicht nur prominente Opfer der Yellow Press.

Auch wenn Gunz mit seiner aggressiven Expansion vielen anderen Veranstaltern auf die Füße tritt und auf der DRV-Tagung in Salzburg nochmal von DRV-Präsident Jürgen Büchy und DER-Touristiker Norbert Fiebig für sein Festhalten an Ägypten-Flügen während der Zeit der verschärften Reisehinweise von der Kanzel gescholten wurde, so gibt es doch keine Schadenfreude der Konkurrenz. Nach drei Veranstalter-Pleiten (wobei sich GTI für den Kunden eh ähnlich wie FTI anhört) braucht die Branche nicht solche Nachrichten. Aber, wie ich schon in der aktuellen fvw mit Blick auf FTI (ohne diese wohlweislich zu nennen) im Kommentar schrieb, wird das Klima untereinander rauer, die Veranstalter ziehen regelrecht übereinander her. Mit dem Kuschelkurs ist es vorbei.

Kommentare

von Peter Hinze, 15.11.13, 12:51
Lieber Klaus Hildbrandt, da drücke ich Ihnen jetzt aber mal ganz, ganz fest die Daumen, dass Ihre Einschätzungen und Treuebekundungen zur FTI Group sich auch in nächster Zukunft als richtig erweisen. . . . Toi Toi Toi. . .

von Skeptiker, 15.11.13, 13:30
Der zentrale Satz hier ist wohl: <em>Wir Fachjournalisten sind in einer besonders diffizilen Lage. Wenn wir finanzielle Probleme eines Veranstalters nur andeuten, kann dies schon dazu führen, dass der Vertrieb umsteuert. Denn er hat eine gerichtlich bestätigte Sorgfaltspflicht für den Kunden.</em> Es ist wichtig, dass das beides allgemein bekannt ist und verstanden wird.

von Bernd Brümmer, 15.11.13, 17:04
Sind wir doch mal ehrlich ! Was wäre FTI ohne die intensive Beteiligung von VR Meine Raiffeisenbank Altötting ? Hinter diesen Vorhang möchte ich gerne mal schauen. Bernd Brümmer

von Johannes, 15.11.13, 19:23
Die Kalabrien-Geschichte ist in der Tat interessant. Sollten Sie mal recherchieren - da werden Ihnen Augen, Ohren und weitere Körperteile offen bleiben - Sie Vollblutjournalist.

von Buller, 16.11.13, 12:56
Eigentlich sprechen die Fakten ein klares Bild....wieso so ein Gerücht in die Branche kommt ist dann schon erstaunlich. Die Bilanzen (wer sie lesen kann) der großen Veranstalter schauen auch nicht besser aus....also kommen wir jetzt hoffentlich zum Tagesgeschäft zurück und sind froh das die Branche (Gott sei Dank) eine solche Vielfalt von Veranstaltern hat (die wir hoffentlich nich noch tot reden).

von Tanja Kaun, 18.11.13, 09:13
Es sollte erst die Ursache und Beweise für ein Gerücht dieser Art gesucht werden, bevor diese an die Öffentlichkeit getragen werden und immer weiter kursieren. Vor allem darf unbegründet niemand zu Schaden kommen – dieses Gerücht schadet nicht nur der FTI Gruppe (ist ja das Ziel), sondern auch dem Vertrieb und der ganzen Touristik. Schade, dass zwischenzeitlich mit so harten, unfairen Bandagen gekämpft wird!!! Ich kenne meinen fairen Veranstalter und werde diesen auch weiterhin unterstützen.

von kuno rotschuh, 18.11.13, 13:55
Über ein Gerücht ausführlich als Gerücht zu berichten ist natürlich die beste Methode, ihm weiteres Gewicht zu verleihen. Das Dementi als Bestätigung. das hat schon Egon Erwin Kisch in der Oberst-Redl-Affäre erfolgreich vorgeführt. Im Übrigen sollten sich alle Gerüchteverbreiter einmal die Rückstellungen anschauen, welche die Deutsche Bank für die Schadensersatzforderungen in der Kirch-Angelegenheit aufgrund des vom damaligen Vorstandsmitglied gestreuten Gerichts über die Zahlungsschwierigkeiten der Kirch-Gruppe bilden musste und schon einmal selbst entsprechende Rückstellungen bilden.

von max motz, 18.11.13, 19:18
Tri Tra Trulala.... Da treffen sich die einflussreichen Vertreter des DRV in der malerischen Heimatstadt von Wolfgang Amadeus Mozart und "Jedermann" und heraus kommt nur ein mediales Kasperle-Theater mit Provinzqualität. Sehr geehrte Damen und Herren, dass kann doch wohl nicht ihr Ernst sein, dass Statements und Fragen aus der westfälischen Provinz ein deutsches Reiseunternehmen mit Milliardenumsatz zum Straucheln bringt. Sie beleidigen die Intelligenz ihrer Leser, denn mit derartigen Theorien wäre auch die Zukunft unserer Dax-Unternehmen massiv gefãhrdet. Was wird wohl passieren, wenn ein kleiner Autoverkäufer im Sauerland!!!!! einen der drei großen deutschen Automobilhersteller kritisiert? Richtig, .... nichts, rein gar nichts, denn die Realität ist auch bei nachweislich guten Kontakten zur Presse deutlich komplexer. Die Branche sollte sich endlich um die wirklichen Probleme der Branche kümmern, die immer noch unter Rückvergütung, intransparenten Vertriebsstrukturen und unzureichenden Kundenabsicherungen massiv leidet. Gelingt es nicht endlich die großen Themen zu bewegen, dann ... wird das böse Krokodil den Kasper wohl doch noch fressen.

von Wolfgang Hoffmann, 19.11.13, 10:18
...jetzt stellt Euch doch mal vor, liebe FVW Redaktion, sowas würde hier gepostet werden: <<< FVW und wohlfeile Dementis Die mittlerweile über 45-jährige Unternehmergeschichte von FVW ist eine von Berichten über Fakten und auch eine über Gerüchte. Wechselweise waren es die finsteren Veranstalter und deren noch finsteren Geldgeber, die mit ihren Annoncen das Blatt finanzierten - so die Unterstellungen. Und natürlich, die FVW dreht ein viel zu großes Rad, das könne nicht ewig gut gehen, wird auch schon seit Jahren geraunt. In jüngster Zeit hatten sich die Gewitterwolken wieder mal verdichtet. Von anderen Fachzeitschriften der Touristik würden angeblich Gerüchte über die Kompetenz von FVW gestreut, wird seit Wochen in der Branche gemunkelt. Dies wird von dem Marktführer vehement zurückgewiesen. Richtig sei nur, dass man seitens wem auch immer den Lesern geraten habe, die FVW nicht mehr zu lesen, um stärker die Produkt der Konkurrenz zu studieren oder gleich Fernsehen zu gucken. FVW dokumentiert nach eigenen Angaben alle ihr bekannt gewordenen Aussagen und Hinweise und behält sich rechtliche Schritte vor. Mehrere Journalisten wissen von diesen Gerüchten, die auch von Lesern anderer Fachzeitschriften bereitwillig weitererzählt wurden. Aber es gibt keine Belege für irgendwelche Probleme, keine ungewöhnlichen Wortwahlen oder ausbleibende Annoncierungen von Hotels, Vertrieb oder Airlines. Die Bilanz zeigt das Bild einer Fachzeitschrift, die bei einer Auflage von IVW geprüften 30.000 durchschnittlich 118 Seiten regelmäßig vollschreibt und/oder mit Bildern füllt. Fachjournalisten sind in einer besonders diffizilen Lage. Wenn diese mangelnde Inhalte in einer der Ausgaben nur andeuten, kann dies schon dazu führen, dass der Leser sich umorientiert. Denn er hat eine gerichtlich verbriefte Sorgfaltspflicht sich gegenüber. Wie es einer führenden Fachzeitschrift gehen kann, konnte man im Frühjahr 2008 sehen, als die Touristik Report ihr Erscheinen einstellen musste. Irgendetwas bleibt immer hängen, das wissen nicht nur prominente Opfer der Yellow Press. Auch wenn die FVW mit ihrer umfassenden Berichterstattung und journalistischen Meinung vielen anderen Fachpublikationen auf die Füße tritt und auf der DRV-Tagung in Salzburg Gelegenheit hatte, sich über alles mögliche zu informieren, so gibt es doch keine Schadenfreude der Konkurrenz. Nach zahlreichen Pleiten von Printmedien (wobei sich FVW für den Kunden eh wie ein Kürzel für Frankfurter Rundschau anhört) braucht die Branche nicht alle Artikel. Aber, wie schon in der aktuellen FVW mit Blick auf FTI (ohne diese wohlweislich zu nennen) berichtet, wird das Klima untereinander rauer, die Veranstalter ziehen sich regelrecht mit Anzeigenaufträgen zurück. Mit dem Kuschelkurs ist es vorbei. >>> ...dann würdet Ihr doch mit recht fragen, was das soll, oder? Kann man nicht einfach mal Scheißhausparolen Scheißhausparolen sein lassen und ignorieren? Muss man denn alles an die Öffentlichkeit zerren und Schlagzeilen daraus bauen? Es betrifft doch nicht nur die Veranstalterlandschaft. Es betrifft doch auch den Vertrieb, also uns. Wisst Ihr eigentlich, wieviel zusätzliche Prozesszeiten pro Kundenberatung drauf gehen, wenn wir uns darüber mit Kuinden unterhalten müssen, welchen veranstalter man noch buchen kann, und wen nicht? Ein Dementie ist ein Dementie, ist ein Dementie...! Aber es ist für den Leser, Zuhörer und Zuschauer interessanter, was hinter dem Dementie steckt. Und hier steckt doch wohl lediglich der Übereifer irgendeiner Handelsblattverlag Redaktion hinter.

von Klaus Hildebrandt, 19.11.13, 10:29
Lieber Herr Hoffmann, habe mich sehr amüsiert beim Lesen! Aber wenn ein Gerücht durch besagten Artikel eines großen Tageszeitung nun mal an die Öffentlichkeit gelangt (und neben den Teilnehmern der DRV-Tagung auch viele Reisebüros den fleißig weitergemailten Zeitungsartikel gelesen haben), ist es unsere Aufgabe als Fachmagazin, das Thema einzuordnen. Und dies wurde, so lautete zumindest das Feedback der Teilnehmer in Salzburg, gerade auch von den Lesern aus dem Vertrieb geschätzt. Beste Grüße nach Krefeld, Klaus Hildebrandt

von Gerold Estl, 20.11.13, 23:56
Also man kann nur sagen da ist FTI wirklich sehr schlecht eingefahren aber letztlich ist es unbedeutend denn es sind eben nur Gerüchte, wichtig ist, dass man sich auch als Kunder der eine Reise bucht da jetzt nicht anstecken lässt und in Panik verfällt sondern gezielt weiter bucht und halt sich Informationen direkt beim Veranstalter holt um dem entgegen zu wirken, keine Verunsicherung!

von Entschuldigung, 09.12.13, 21:49
Jürgen Büchy hat es getan! Er hat auf der DRV Tagung in Salzburg zunächst scharfe Kritik an FTI geübt, die trotz des verschärften Reisehinweises weiter nach Ägypten geflogen sind, und sich später dafür entschuldigt! Es ist an der Zeit, dass die TLT selbiges tut. Ich lasse hier ausreichend Platz für Spekulationen und Interpretation meiner Aussage.........................!

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten