Firmenblogs

Firmenblogs: Wer hat Angst vor PR?

Sind Unternehmensblogs rein PR-getriebene Blogs ohne Aussicht, Ernst genommen zu werden? Das Beispiel Avis könnte deutsche Firmen ermutigen.

von Klaus Hildebrandt, 21.05.2008, 11:53 Uhr

Blogs, so lautet die reine Lehre, sind unabhängige, private Sites. Bloß keine Firmenveranstaltungen, bloß nicht in den Geruch einer Plattform zur Verbreitung von Pressemitteilungen oder kommen – da waren sich auf dem Phocuswright Blogger Summit auf der ITB in Berlin alle einig. Und auch unser Trio Touristico ist keine Werbeveranstaltung (obwohl wir Ihnen natürlich jederzeit gerne ein fvw-Abo, ein Abo von UrlaubPerfekt oder den neuen TID verkaufen), sondern unser persönlicher Blick auf die Branche. Doch auf heutigen Eye-for-Travel-Konferenz in London zog Xavier Vallée, Marketingchef von Avis UK, ein sehr positives Fazit des eigenen Blogs

. Zweimal in der Woche wird der Blog aktualisiert, schon über 1000 Kommentare von Kunden des Autovermieters sind eingegangen. Natürlich gebe es auch kritische Kommentare von unzufriedenen Kunden. Aber man dürfe keine Angst haben, dass zu viele notorische Nörgler sich im Blog tummeln. Und es sei besser, man können im Blog antworten und zeigen, dass man Reklamationen ernstnehme, als dass die unzufriedenen Kunden bei allen ihren Bekannten ihre Horrorgeschichten verbreiten, meint Vallée. Wenn man es richtig anstellt, so der Franzose in London, könne man aus den Blogs viele gute Anregungen gewinnen: „Da gibt es Antworten auf Fragen, die man in einer Marktforschungsstudie nie stellen würde." So lässt Avis UK die Meinungen der Kunden zu den Automodellen konkret in die Flottenplanung einfließen. Heraus kam etwa, dass die Kunden in der Mittelklasse lieber Opel Astra als Ford Focus fahren. Besteht in Deutschland eine übertriebene Furcht der Firmen vor der Blogosphere? Oder fehlt den Deutschen die Lässigkeit, um auch mal eine Handvoll von Meckerern - die es immer und überall gibt - zu ertragen? Oder würden die deutschen Veranstalter, Autovermieter, Airlines etc. bei der PR gleich zu dick auftragen? Ihre Meinung interessiert mich.

Kommentare

von Jens, 22.05.08, 11:44
Es gehört anfänglich sicherlich etwas Mut dazu einen Blog einzurichten und hier offen mit seinen Kunden und Lesern zu kommunizieren. Aber Jonathan Schwarz, CEO von Sun Microsystems, hat es in einem Interview schön dargestellt: Seine Aufgabe ist es zu kommunizieren und der Blog erleichtert genau das. So kann er neben seinen Angestellten auch mit seinen Kunden kommunizieren. Ich wünsch allen beim Schreiben viel Spass

von Klaus, 22.05.08, 12:06
Stimme voll zu. Das wurde bei der Debatte in London übrigens auch klar: Blogs sind Chefsache! Denn wenn nicht die Führungsebene wissen sollte, was die Kunden denken, wer dann?

von Marleen, 19.06.08, 18:05
Ich kann nicht verstehen, warum es im Tourismusbereich immer noch derartig wenige Corporate Blogs gibt. Meiner Meinung nach sind diese vor allem für KMU´s ein tolles Instrument, Kunden durch Einblicke in den Firmenalltag (Beispiel Hotel: Einblicke in die Hotelküche - Gespräch mit dem Küchenchef,Lieferanten,... Vorstellen der neuen Kinderbetreuerin in einem Videocast etc.) an sich zu binden und durch Kundenanregungen neue Produktideen zu bekommen! Da gibt es doch so vieles, worüber man im Blog schreiben kann, was Leser wirklich interessiert! Und die reine Kopie von Speisekarten oder Reiseabläufen gehört meiner Meinung nach nicht dazu... Ich schreibe momentan meine Bachelorarbeit zum Thema "Die Gestaltung von Corporate Blogs im Tourismus". Für jeden Touristiker, der Zeit und Lust hat an meiner kurzen Befragung zu dem Thema teilzunehmen, freue ich mich! Die Befragung ist zu finden unter: http://www.befrager.de/befragung.aspx?projekt=7563 Danke!

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