Ferienfabrik

Bodenmais, Memmingen, Dubai - und dann?

Es klingt immer wieder merkwürdig, wenn Destinationen in die touristische Wertschöpfungskette eingreifen und selbst zum Reisebüro oder gar Veranstalter werdem. Vieles spricht dafür, dass wir uns genau darauf weiter einstellen sollten. Wieso auch nicht?

von Dirk Rogl, 02.01.2012, 14:33 Uhr

Andreas Lambeck, umtriebiger Fremdenverkehrsamtschef aus Bodenmais, ist immer wieder für eine Schlagzeile gut. Seine Letzte hatte ziemlich viel Substanz. 220 Geschäftsleute aus der Marktgemeinde im Bayrischen Wald (3400 Einwohner) haben kurz vor Weihnachten kurzerhand das Online-Reisebüro Ferienfabrik.de übernommen. Die Idee ist ziemlich simpel: Über die Ferienfabrik kann sich der Urlaubsort künftig eigenständig vermarkten. Vor allem aber kann er sich vergleichbar machen mit den Flugreise-Angeboten der großen Reise-Veranstalter, bei denen Bodenmais naturgemäß eher ein Randthema ist.

Es wäre vielleicht keine große Story gewesen, würden sich derartige Meldungen nicht häufen. Nur einen Tag später meldeten die Investoren des Allgäu-Airports in Memmingen ihren Einstieg bei Touropa. Der dynamisch gestartete Veranstalter von Ex-FTI-Chef Georg Eisenreich hatte von der Bahn bis zur TUI schon viele prominente Investoren. Nun ist es den Memmingern (knapp 41.000 Einwohner) vorbehalten, a. die Traditions-Marke und b. den eigenen Flughafen zu neuen Erfolgen zu führen. Beide können es gut gebrauchen.


Eine ganz andere Dimension hat die heutige Nachricht aus Dubai (knapp 1,8 Mill, Einwohner). Die Emirates-Tochter Dnata soll laut Agenturmeldungen das britische Online-Reisebüro Travel Republic übernommen haben. Details zu diesem Deal sind noch nicht bekannt. Doch die Sache passt perfekt. Dnata und Travel Republic sind nicht irgendwer. Dnata ist ein Teil der Emirates Group. Und obwohl das Unternehmen offiziell als Dienstleister für die Luftfahrt auftritt, ist das Unternehmen bereits jetzt in der Touristik stark engagiert. Denn zu Dnata gehört bereits ein eigener Reiseverantalter. Und das Unternehmen ist auch bereits erheblich an der globalen Geschäftsreisekette HRG beteiligt.


Künftig spielt Emirates also auch im touristischen E-Commerce eine wichtige Rolle, zumindest wohl in Großbritannien. Dort gehört Travel Republic zu den ganz großen Portalen, spielt in einer Liga mit Expedia und Lastminute.com und machte sich in früheren Jjahren schnell einen Namen durch innovative Preis- und Marketingkonzepte. So verkaufte das Unternehmen viele dynamisch gebündelte Baustein-Angebote eben nicht als Pauschalreise mit Insolvenzschutz gemäß des britischen ATOL-Standards, dem Pendant zum deutschen Sicherungsschein und sicherte sich als Reisemittler gegenüber etablierten Veranstaltern einen kleinen aber feinen Preisvorteil. Wohlbemerkt: All das war laut britischer Rechtsprechung rechtens.
Künftig gibt also Emirates bei Travel Rebublic den Ton an. Es wäre schon merkwürdig, wenn der Airline-Konzern zwar in der britischen Online-Touristik eine wichtige Rolle spielt, nicht aber in anderen Quellmärkten. Und es wäre bemerkenswert, wenn nicht immer mehr Investoren aus den Zielgebieten Geschmack auf Investments bei etablierten Reisemarken bekommen. Im Aktionärskreis der TUI etwa spielen Hoteliers vom Mittelmeer eine wichtige Rolle.


Streng genommen ist es sogar ziemlich normal, wenn sich Zielgebiete auch mit der Produktion und dem Vertrieb von Pauschalreisen befassen. Veranstalter wie GTI Travel, hinter der die türkische Kayi-Group steht, oder die zu den Redsea-Hotels gehörende Ägypten-Spezialist ETI zeigen, dass sich diese Investoren bisweilen gar prächtig in den hiesigen Markt integrieren. Für kurze Zeit gehörte den Redsea-Investoren übrigens auch das Online-Reisebüro Billigweg.de mit seinem damaligen Geschäftsführer Andreas Lambeck. Der ging daraufhin nach Bodenmais. Einige seiner Weggefährten gründeten die Ferienfabrik. Man sieht sich halt immer mindestens zweimal im deutschen Tourismus-Markt.
Ich bin gespannt, wo die Investoren aus den Zielgebieten demnächst zuschlagen. Haben Sie einen guten Investment-Tipp?

Kommentare

von Jürgen Barthel, 02.01.12, 16:31
Wer übernimmt das Risiko? Egal, ob Veranstalter, Fluggesellschaft, Zielgebiet... Es gibt ja - auch hier - immer wieder Diskussionen, die "Investitionen" und "Subventionen" verwechseln... Das Beispiel Memmingen zeigt, wie eine Region sich strategisch positionieren und einen "eigenen Flughafen" nicht nur nutzen, sondern aktiv voranbringen kann. Eine Strategie, die hier offenbar konsequent auch mit weiteren Ideen vorangetrieben wird. Und das trotz der Nähe anderer Airports... Wer braucht denn Memmingen, München liegt doch vor der Tür... Zu kurz gesprungen... Denn wer in München ankommt, den zieht es nicht unbedingt in die Region Oberallgäu, Memmingen liegt hier besser. Friedrichshafen ist ebenfalls nicht wirklich optimal als Flughafen für's Oberallgäu. Nein, Memmingen wird sicherlich kein Weltflughafen. Bedarf gibt's allemal. Ob das Sport, Urlaub oder Wirtschaft ist. Die Araber haben das längst begriffen, was bei unseren eigenen Touristikern (von Politikern mal gar nicht reden wollend), noch in die Köpfe muss. Ich will möglichst von zu Hause aus fliegen! Aber für die Region, oft ja Betreiber (Bezahler) des Flughafens sind Wirtschafts- und Tourismusströme nur dann interessant, wenn diese Geld in die Region bringen! Nur damit die Anwohner in Urlaub fliegen (und ihr Geld woanders lassen), "rechnet" sich keine Flughafensubvention... Und alles was dem Kunden es erleichtert, mein Produkt zu finden (bspw. ein Reiseveranstalter), ist eine Investition... Die muss sich rechnen. Leider haben "Subventionen" (zugegeben, leider oft begründet) den Ruf der "Geldverbrennung". Richtig eingesetzt sind es (strategische) Investitionen, die - nicht immer, aber als primäre Idee - Ihr Geld Wert sind! Sich "rechnen". Subvention in Solarindustrie, damit man hier Marktanteile gewinnt und hält, diese Steuereinnahmen bringen, die sonst in China erwirtschaftet werden. Oder eben Flughäfen, die ja Menschen in die Region bringen sollen, die Geld da lassen. Nicht in Frankfurt oder München, sondern eben auch Memmingen (oder anderen "Regionalflughäfen"). Oder eben in Veranstalter oder andere "Ideen".

von Müller, 20.01.12, 18:15
Ich stimme Jürgen Barthel zu. Alle Ideen, die dazu geeignet sind, mehr zahlende Gäste in die Region zu bringen, verdienen Hochachtung. Dabei können es auch durchaus verrückte und ausgefallene Ideen sein, wie sie z.B. Bodenmais seit ein paar Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem jungen Musiker und Geschäftsmann Daniel Küblböck praktiziert. Ich finde das von beiden Seiten großartig und anerkennenswert. Warum Sie allerdings meinen, solche Ideen durch Verunglimpfung des Künstlers klein schreiben zu müssen, ist mir rätselhaft: "Bodenmais Wandern mit Daniel Küblböck Es hat fast was von Dschungel-Camp: Im bayerischen Wald können Kunden mit C-Promi Daniel Küblböck wandern während ein TV-Team filmt. ..." C-Promi? Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? Kennen Sie die Anzahl seiner immer ausverkauften Konzerte, seine eigenen Talk Shows und Benefiz-Veranstaltungen, Gala-Auftritten bei vielfältigen Events? Sicher nicht. Vielleicht sollten Sie einfach mit wandern oder ein Konzert besuchen und Herrn Küblböck persönlich kennen lernen. So lassen sich Vorurteile ganz einfach beseitigen.

von Dirk Rogl, 20.01.12, 18:54
Hallo Herr/Frau Müller, wir hätten uns natürlich gefreut, wenn Sie diese Frage an der richtigen Stelle (zum Text auf fvw.de) gestellt hätten und hier bitte keine fremden Texte eingestelt werden (siehe unsere Kommentarrichtlinien). Aber obwohl ich nicht der Autor der von Ihnen erwähnten Zeilen bin und mit der Kollegin bislang keine Rücksprache halten konnte, versuche ich die Antwort herzuleiten. Und zwar über die 181.000 Treffer in Google zum Thema "C-Promi Küblböck". http://www.google.de/search?sourceid=chrome&ie=UTF-8&q=k%C3%BCblb%C3%B6ck+c-Promi Ich räume ein, die akademische Standhaftigkeit dieser Klassifizierung ist durchaus zu hinterfragen. Hier bitte ich schlichtweg um Nachsicht.

von Herr Müller, 20.01.12, 20:06
Stimmt, es ist nicht der richtige Ort für die Antwort auf den angesprochenen Beitrag. Der Bezug sollte meinen Kommentar nur unterstreichen. Sorry! Danke trotzdem für den sehr interessanten Einblick in Ihre Arbeitsweise bzw. die Art der Recherche in Ihrem Hause. Da hat Herr Küblböck doch noch einmal Glück gehabt, dass Ihre Mitarbeiterin nur nach "C-Promi Küblböck" und nicht nach "C-Promi Daniel Küblböck" gegoogelt hat. Dann wären es nämlich 1.140.000 Treffer gewesen. Allerdings hätte sie auch einfach nach "Daniel Küblböck" suchen können, das wären dann auch noch 640.000 Treffer gewesen. Ganz oben auf der Liste hätte sie dann ganz leicht den Link zur offiziellen Webseite des Künstlers entdeckt. Vielleicht hätte sie hier ganz interessante und aktuelle Infos entdeckt? Aber das lässt sich ja noch nachholen. Nun bin ich doch noch einmal in das andere Thema abgedriftet und bitte höflichst um Entschuldigung.

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