Fans

Facebook: Travelzoo schlägt Lufthansa. Na und?

Wer hat die meisten Facebook-Fans? Im Web wird munter hochgerüstet. Die bislang als deutsche Spitzenreiter genannten Fanpages von Unister und Aida sind es schon mal nicht. Aber das ist auch ziemlich egal. Was wirklich wichtig ist.

von Dirk Rogl, 24.02.2014, 10:29 Uhr

Wer ist nicht gern Spitzenreiter? Keine Frage, der Cruise-Gigant Aida und das Online-Reisebüro Ab-In-den-Urlaub.de machen in Facebook eine hervorragende Arbeit. Ihre Facebook-Fanpages sind ganz vorn. Vergangene Woche geisterten Meldungen durch das Internet, die beiden Unternehmen wären führend was die Anzahl der virtuellen Fans anbelangt. Angestoßen wurde das durch ein Ranking einer Agentur, die sich auf eine Steigerung der Fanzahlen spezialisiert hat. All das macht wenig Sinn. Und dafür gibt es gute Gründe:

1. So genau weiß niemand, welche touristische Fanpage in Deutschland ganz vorn ist. Eine Analyse der fvw auf Basis des Analysedienstes Socialbakers, brachte folgendes Ergebnis:


Recht bald kommen dann wohl tatsächlich auch Aida (698.185 LIkes) und Ab-In-Den-Urlaub.de (539.870 Likes). Dass wir, wie offenbar auch die Agentur-Profis, einige Anbieter im deutschsprachigen Raum übersehen haben, lässt sich freilich nicht ganz ausschließen. Analyse-Tools versuchen zwar nach Branchen zu unterscheiden. Doch es gibt hier gewisse Unschärfen. Auch im Ranking von Socialbakers sind die wahren Spitzenreiter schwer zu finden.

2. Die Zahl der Facebook-Fans ist zweitrangig. Wer bei Facebook nicht in Banner-Werbung investiert, erreicht mit seinen Posts in der Regel nur einen Bruchteil seiner virtuellen Fanbasis. Wie häufig eine Meldung ausgespielt ist, hängt auch noch von der Reaktionen der Fans ab. Wichtig ist das so genannte Engagement. Wie häufig werden Posts kommentiert, weitergeleitet oder „geliked“? Und gelingt es, die Fans tatsächlich auf die eigenen Web-Seiten und damit potenziell zur Buchung zu bringen?

3. Facebook-Fans sind käuflich. Es bedarf nicht zwingend der Dienste von Agenturen, um seine Fanbasis zu steigern. Beliebte Zahlungsmittel für einen „Like“ der Fanpage sind die Teilnahme an (pseudo-)exklusiven Gewinnspielen oder an Schnäppchen-Angeboten. Das funktioniert tatsächlich. Nur eben lockt es es zumeist keine loyalen Fans und Kunden, sondern Schnäppchen-Profis mit extrem geringer Wiederholer-Rate. Letztendlich können solch passive Anhänger unter dem Strich eher zu einem Rückgang der Reichweite in Facebook führen statt zu einer Steigerung.

Was wirklich effizient ist im Online-Marketing, erklären wir auf dem fvw Online Marketing Day am 7. Mai in Köln. Dort geht es um zielgruppengenaues Marketing etwa durch Retargeting-Kampagnen und eine Personalisierung der Inhalte durch Big-Data-Analysen. Es geht um das Anwenden der richtigen Erfolgs-Kennziffern durch effiziente Web-Analyse. Und wir präsentieren die Gewinner unseres fvw Online Marketing Awards. Die unabhängige Jury hat eine Reihe von Kriterien abzuarbeiten. Die Steigerung der virtuellen Fanzahlen gehört nicht dazu.

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 24.02.14, 13:12
Und Facebook-User haben für bestimmte Branchen eine enorm begrenzte "Halbwertzeit". Es geht nicht nur um das Engagement der bestehenden Fanbase sondern auch darum die Fanbase ständig auszubauen bzw. die Zahl der Abgewanderten auszugleichen. Viele Fans sind nur zeitlich begrenzt an einem Unternehmen interessiert, das gilt vor allem für Vermittler und Spezialisten vor Ort. Und dieser Abwanderung muss man ständig entgegenwirken. Das macht Facebook sehr arbeitsintensiv.

von Steffen Butzko, 24.02.14, 19:03
Viele Faktoren fließen mittlerweile ins google Ranking ein. So auch Social Media Aktivitäten eines Unternehmens. Dazu gehören in der Tat nicht so sehr die absolute Anzahl der Fans sondern die Interaktion zwischen ihnen. Es liegt auf der Hand, daß das aus Sicht von google eben lieber auf google+ als auf FB stattfinden sollte. Nichtsdestotrotz kommt auch google in diesem Fall nicht an FB vorbei. Jedes Unternehmen, welches erfolgreich SEO betreiben und in der organischen Suchanzeige bei google möglichst weit oben landen möchte, kommt um Social Media Aktivitäten und Interaktion seiner Fans nicht umhin.

von Mario H., 25.02.14, 17:46
Es stellt sich nicht nur die Frage nach der Interaktion/Kommentaren/Likes an sich, sondern die der loyalen "Freunde", d.h. denjenigen, die häufiger kommen und Dinge tun. Vor einiger Zeit gab es via Twitter eine sehr schöne Aktion von KLM, die von meinen Followees auch gern verbreitet wurde. Mich würde schon interessieren, wie viele von diesen dann später KLM auch gefolgt sind. Denn wenn ich lese, dass @xyz einen Account ein Mal unterstützt hat, sehe ich in erster Linie ein Interesse an der Aktion. Für mich zeigt das nicht, dass das Unternehmen an sich interessant ist. Wenn ich allerdings sehe, dass @xyz viel von diesem unterstützt, dann könnte auch dieser Account/das Unternehmen interessant sein. Aber kann man das messen? Möchte man das überhaupt?

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