Facebook

Wilder Westen Facebook

Das Soziale Netzwerk wächst und wächst – nicht nur bei den privaten Profilen. Immer mehr Unternehmen launchen Fanpages in der hippen Community. Das „offizielle“ Engagement der Firmen bei Facebook wirft allerdings zunehmend rechtliche Fragen auf.

von Arndt Aschenbeck, 19.11.2010, 09:42 Uhr

Es ist schon ein Phänomen, „dieses Internet“, wie der österreichische Touristiker und Lammertaler Reinhard Lanner es immer so schön nennt. Je erfolgreicher es wird, desto mehr gesellschaftliche, kulturelle und rechtliche Fragen wirft es auf. In der vergangenen Zeit verschieben sich die Brennpunkte im Netz zunehmend von den „normalen“ Webseiten in Facebook – von der Google-Werbung einmal abgesehen.

Das überrascht nicht weiter, denn Facebook nimmt immer mehr die Rolle eines Parallel-Internets ein. Man kann dort mittlerweile fast alles machen. Wenn demnächst noch die „Super-Mail“-Funktion hinzu kommt, braucht man das Netzwerk eigentlich nur noch zu verlassen, wenn man dort Links anklickt, die auf Seiten außerhalb von Facebook verweisen.

Kein Wunder also, dass Facebook auch für Unternehmen immer wichtiger wird. Kaum eine größere Firma kann es sich noch leisten, dort nicht vertreten zu sein. Ein wenig erinnert das, was gerade in Facebook abläuft, an die Eroberung des Wilden Westens. Gut, Mark Zuckerberg ist kein Indianer-Häuptling. Eher könnte man sein Netzwerk mit der rauen, noch unerschlossenen Wildnis des amerikanischen Westens vergleichen.

Und so sind derzeit unzählige Siedlertrecks von Unternehmen unterwegs, um Facebook zu erobern. Sie treffen in dem Netzwerk zwar nicht auf komplettes Brachland ohne Regeln, aber es gibt durchaus noch genügend Spielraum, um seine Claims abzustecken und als erster bestimmte Gebiete zu besetzen.

Zunehmend stoßen die Planwagen dabei aber an Grenzen, und es erweist sich mehr und mehr als Problem, dass es für bestimmte Dinge noch keine festen Regeln auf Facebook gibt. Zum Beispiel dafür, was passiert, wenn jemand eine Marken-Fanpage anlegt und sich dann eine URL wie Facebook.com/marke sichert – obwohl er nicht der Markeninhaber ist. Über diesen Fall hat ja bereits mein Kollege Dirk Rogl an dieser Stelle philosophiert.

Auch die Frage, ob eine Unternehmens-Fanpage genau wie normale Webseiten ein formal korrektes Impressum braucht, ist knifflig und wohl nicht ohne juristischen Präzendenzfall zu beantworten. Schon unken die Ewig-Pessimistischen, dass wohl auch die ersten Abmahnungen wegen Facebook-Fanpages nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Im Grunde geht es bei all diesen Aspekten immer wieder um die gleiche Frage: Wer ist für die Inhalte auf Facebook verantwortlich? Derjenige, der sie erstellt? Oder Facebook selbst? Und mit welchen Internet-Kategorien ist Facebook zu vergleichen? Mit Foren? Mit anderen Netzwerken? Mit einem Domainprovider?

Meiner Meinung nach ist das komplette Konstrukt Facebook äußerst schwierig. Auf der einen Seite gibt es Regeln, die Facebook vorgibt und an die man sich halten muss. Auf der anderen Seite soll man dann wieder für die Inhalte seiner Fanpage verantwortlich sein, obwohl sie eine Unter-Domain von Facebook ist und man dort gar nicht frei schalten und walten kann. Wie sieht es bei Ihnen aus: Haben Sie schon ein korrektes Impressum auf Ihrer Fanpage? Und haben Sie mal einen Anwalt hinsichtlich Facebook konsultiert? Oder halten Sie das für übertrieben?

Kommentare

von Heinrich Meisner, 19.11.10, 11:58
Das Ganze wird wie bei onlineweg.de kommen, wo jedes Reisebüro fast 10000,- Euro Strafe bezahlen muss - für eine Seite die das Reisebüro weder selbst programmiert oder in sonst irgendeiner Weise Einfluss auf den Inhalt der Seite gehabt hätte. Also Finger weg von solchen Dingen die nur Geld kosten aber keins einbringen !

von Georg Ziegler, 19.11.10, 15:28
Facebook wird immer mehr zur Internet Infrastruktur, als zu einem sozialen Netz im klassischen Sinn. Dann steht es nach Browser und vor Webinhalt, da es über seinen Social Graph die Logik der sozialen Relevanz auch über seine eigenen Seiten hinaus auf das Internet ausgebreitet hat. Die Fragen der Markenrechte ist in diesem Zusammenhang sicherlich eine interessante, wir sehen dies aber bei sämtlichen Netzwerken wie auch twitter etc., wo sich "firstmover" Markennamen gesichert haben und damit mehr oder weniger böswillige Inhalte verbreiten (vgl. dieser Blog zu @die_Bahn). Es bleibt spannend zu sehen, bis zu welchem Vertiefungsgrad sich facebook in das Surfverhalten (Suche, Browsing, Research) der Internetnutzer verankert und inweifern diese neue Infrastruktur die nötige Flexibilität aufweist, um sie auch nutzwertig einsetzen zu können.

von Roman Brauner, 19.11.10, 16:55
Nun die Impressumspflicht wird in bei uns in Österreich über das E-Commerce-Gesetz (ECG) geregelt. Ich denke, dass dies dem Telemediengesetz (TMG) in Deutschland entspricht. Die Impressumspflicht ist gemäßt dem ECG davon abhängig, ob das ECG auf eine Website anwendbar ist, d.h. ob es sich bei der Website um einen im weitesten Sinn kommerziellen Dienst handelt. Da steht also zu lesen: Die Begriffe des Diensteanbieters und des Dienstes der Informationsgesellschaft sind in § 3 ECG geregelt: 1) Dienst der Informationsgesellschaft: ein in der Regel gegen Entgelt elektronisch im Fernabsatz auf individuellen Abruf des Empfängers bereitgestellter Dienst (§ 1 Abs. 1 Z 2 Notifikationsgesetz 1999), insbesondere der Online-Vertrieb von Waren und Dienstleistungen, Online-Informationsangebote, die Online-Werbung, elektronische Suchmaschinen und Datenabfragemöglichkeiten sowie Dienste, die Informationen über ein elektronisches Netz übermitteln, die den Zugang zu einem solchen vermitteln oder die Informationen eines Nutzers speichern; 2) Diensteanbieter: eine natürliche oder juristische Person oder sonstige rechtsfähige Einrichtung, die einen Dienst der Informationsgesellschaft bereitstellt; Jetzt könnte man argumentieren, dass eine Facebook Fanseite kein eigenständiges und abgeschlossenes Gesamtangebot eines Diensteanbieters ist. Somit hätte zwar facebook.com eine Impressumspflicht, aber eine Fanpage wäre dann somit eine Unterseite des Gesamtangebots facebook.com. Dass es aber auch Seiten gibt, auf welchen selbst auf Unterseiten eine Impressumspflicht besteht, sieht man z.B. bei ebay.at / de / com: Bei ebay sind solche Anbieter, die geschäftsmäßige Teledienste anbieten, für ihre Unterseite impressumspflichtig und dies ausdrücklich „obwohl sie den „übergeordneten“ Teledienst unter „ebay.at / de / com“ nicht (mit-) betreiben Schwindt Pr schreibt in ihrem Blog dazu: "Jedenfalls dann, wenn eine Unterseite eines Social-Media-Kanals… aa) einen eigenständigen, abgrenzbaren Bereich innerhalb der Webseite als Ganzer darstellt, bb) als solche und in ihrer Gesamtheit eindeutig einer Person bzw. einem Unternehmen zugeordnet werden kann, cc) geschäftlich genutzt und öffentlich zugänglich gemacht wird ist eine Impressumspflicht nach deutschem Recht meines Erachtens gegeben. "

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