Facebook

Shoppen auf Facebook

Das Soziale Netzwerk will seine Plattform offenbar zu einem digitalen Einkaufscenter ausbauen. Die Touristik nutzt die Community allerdings schon längst, um Buchungen zu generieren.

von Arndt Aschenbeck, 23.12.2010, 11:33 Uhr

Bisher war das Verkaufen auf Facebook eine eher sperrige Angelegenheit. Von allen Marketing-Zielen war der direkte Abverkauf (oder die Buchung) bisher sicherlich am schwersten zu erreichen.

Das soll sich jetzt ändern. Nach einem Bericht der Businessweek will Facebook das Angebot um eine Plattform für Online-Einkäufe ergänzen. Dafür hat das Unternehmen eigens eine neue Abteilung für Commerce Partnerships aus dem Boden gestampft. Deren Leiter David Fisch erzählte, er habe sich in den vergangenen Wochen schon mit einigen namhaften Firmen getroffen, um deren Interessen auszuloten. "Letztendlich ist mein Team dafür zuständig, zu beweisen, dass wir einen Mehrwert für unsere User herstellen können", zitiert Businessweek Fisch.

Ziel der neuen Abteilung ist es offenbar, Onlineshops innerhalb von Facebook aufzubauen. Als Partner ist Alvenda mit von der Partie, das schon den Facebook-Shops von Delta Air Lines umgesetzt hat.

Zusätzlich soll es neue Tools geben, mit denen Facebook-Mitglieder sich beim Shoppen austauschen können, erzählt Fisch. Geplant sind etwa Empfehlungs- und Bewertungsfunktionen. Das funktioniert dann nicht nur auf Facebook, sondern auch auf anderen Seiten. Last but not least arbeitet Facebook wohl auch an Analyse-Werkzeugen, um Händlern Aufschluss darüber zu geben, wer sich für ihre Produkte interessiert.

Mit der neuen Offensive will Facebook nicht selbst zum Online-Händler werden, sondern die Mitglieder länger auf der Seite halten, um mehr Werbung zu verkaufen. Der Verkauf "physischer Produkte" sei allerdings nicht geplant, so Fisch.

Mir ist nicht ganz klar, was das bahnbrechend Neue dieser Shopping-Offensive von Facebook ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind Herr Fisch und sein Team als Animateure (in Hamburg würde man sagen „Koberer“) unterwegs. Sie sollen möglichst viele namhafte Unternehmen dazu bringen, einen Shop auf ihrer Facebook-Fanpage einzurichten. Gut, und dann sind da natürlich noch die Empfehlungs- und Bewertungsfunktionen, die neu hinzukommen und das Ganze noch interessanter machen.

Bei der Touristik müssen Fisch und Co keine große Überzeugungsarbeit leisten. Denn die ist dieses Mal ganz vorn dabei. So haben zum Beispiel Mietwagen-Unternehmen wie Holiday Autos oder Sunny Cars, Airlines wie Lufthansa oder eben Delta und Hotelgruppen wie Accor, Travelcharme oder Relexa schon längst eine Buchungsfunktion auf ihrer Fanpage integriert. Die meisten verlinken allerdings auf ihre Webseite, lediglich Holiday Autos hat eine „echte“ Facebook-interne Applikation gebaut.

Genau von diesen Apps will Facebook offenbar mehr Unternehmen überzeugen. Denn nur so lassen sich die Mitglieder auf der Seite halten. Wer bei einem Klick auf ein Shopping-Angebot auf eine andere Seite geschickt wird, ist erst mal aus dem Facebook-Universum verschwunden. Und ist kein potenzieller Klicker für die Facebook-Anzeigen mehr.

Was Zuckerberg und Co antreibt, scheint klar. Bleibt noch die Frage, wie erfolgreich der Verkaufskanal Facebook für Touristik-Unternehmen ist. Leider spricht kein Touristiker offen darüber, wie viele Buchungen seine Firma denn nun schon in Facebook generiert hat. Holiday Autos gibt zumindest zu, dass über Facebook „noch keine signifikanten Umsätze“ erzielt worden seien. Dafür sei Facebook in Deutschland noch nicht weit genug, so eine Sprecherin von Holiday Autos.

Und wie sehen Sie es, wird sich Facebook in Zukunft noch zur Umsatzschleuder entwickeln? Oder wird das ein Nebeneffekt bleiben?

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