Facebook

Gefällt mir nicht mehr so doll

In Zeiten von Google Streetview und Facebook-Like-Buttons schlagen die Wellen der Empörung bei den Datenschützern hoch. Jetzt hat das erste touristische Portal reagiert und den Gefällt mir-Knopf von seiner Seite entfernt.

von Arndt Aschenbeck, 23.06.2010, 16:13 Uhr

Man mag über Ilse Aigner schmunzeln, sie als hysterisch brandmarken oder ihre Reaktion einfach nur überzogen finden. Eines jedoch muss man der CSU-Politikerin lassen: Sie ist konsequent und zieht ihre Linie eisenhart durch: „Als Verbraucherschutzministerin kann und will ich es nicht akzeptieren, dass ein Unternehmen wie Facebook gegen das Datenschutzrecht verstößt und die Privatsphäre seiner Mitglieder in weiten Teilen ignoriert“, begründete Aigner die Löschung ihres Profils bei dem amerikanischen Platzhirschen Anfang Juni. Und fügte hinzu, dass sie auf jeden Fall dran bleibe.

Gestern bekam Aigners Argumentationslinie überraschend Unterstützung. Das Stadtportal Hamburg.de entfernte den Facebook Like-Button von seiner Seite. Auf ihrem Blog outen sich die Hansestädter als glühende Facebook-Fans: „ Diese Funktion von Facebook passte ideal in die Strategie von Hamburg.de. Wir möchten einerseits den Dialog mit unseren Besucherinnen und Besuchern gerne möglichst intensiv und überall wo sinnvoll führen, aber auch die Vernetzung der User untereinander fördern“, schreibt Georg Konjovic. Das schien auch zahlenmmäßig zu funktionieren. So hat die Seite zum Public Viewing zur WM auf Hamburg.de binnen kürzester Zeit über 1.000 “Likes” bekommen.

Man kann sich leicht vorstellen, wie schwer es den Verantwortlichen gefallen sein muss, Facebooks Lilalaune-Knopf abzuklemmen. Aber letztendlich sahen Konjovic und Co. keinen anderen Weg, da der Button auch Daten von Usern sammle, die ihn nicht anklickten. Dadurch entstehe bei Facebook ein zweites Webanalyse-Zentrum. Und Hamburg.de hat weder Einblick noch Einfluss in die Verwendung oder Verarbeitung der Daten. „Von Facebook gibt es dazu leider keine definitive, juristisch belastbare Aussage“, bedauert Georg Konjovic.

Momentan ist nicht abzusehen, ob aus den vereinzelten Schwelbränden ein Flächenbrand für Facebook werden könnte. Der erste globale Versuch, dem mittlerweile sehr mächtigen Netzwerk einen Dämpfer zu verpassen, ist jedenfalls grandios gescheitert. Zwei Kanadier hatten den 31. Mai zum „Quit Facebook“-Tag erklärt. Es fanden sich jedoch nur 35.000 Facebooker, die auch mit dem Umgang mit ihren Daten und den Sicherheitsrichtlinien nicht mehr einverstanden waren und das Netzwerk verließen. Ein Tropfen auf den heißen Stein bei 500 Mill. Mitgliedern weltweit.

Dass es aber eine schweigende Masse geben könnte (Frau Noelle-Neumanns Schweigespirale lässt grüßen), deutet eine Analyse von Search Engine Land an. Die Phrase "how do I delete my Facebook account" tauchte im Mai unter den Top-Vorschlägen in der Google-Suche auf. Außerdem stellten die Netz-Profis fest, dass der Löschwunsch von Facebook-Nutzern offenbar schon länger im Raum steht und sich über die vergangenen Monate bereits zu einem Trending Topic entwickelt hat. Wer bei der US-Google-Suche nur "dele" eingibt, bekommt als ersten Vorschlag "delete Facebook account".

Was meinen Sie, muss sich Facebook ernsthaft Gedanken machen? Werden sich die Amerikaner noch mehr als bisher dem Thema Datenschutz widmen? Oder ist das Ganze mehr ein Sturm im Wasserglas, ausgelöst durch hysterische Datenschutzfanatiker?

Kommentare

von Roland Delion, 23.06.10, 17:00
Vielen Dank für diesen Artikel. Er gibt einen Denkanstoß in die richtige Richtung. Ich gehe davon aus, dass Facebook sich sehr wohl Gedanken zu dem Thema Datenschutz macht - allerdings mehr in seinem eigenen Interesse möglichst detailliert Informationen über die Nutzer zu erhalten. Die Nutzer können ihre Interessen nur in der offenen Auseinandersetzung oder durch das Ignorieren, wie es hamburg.de vormacht, vertreten. Alternative soziale Netzwerke gibt es viele. Leider vereint keines so viele Menschen und Funktionen unter einem Dach. Kein Netzwerk hat bisher eine solche Dynamik hingelegt (Siehe auch http://aktiv-reise.net/news/webpraesenz/firmenprofil-bei-facebook-3-grunde-warum-das-wichtig-ist/). So lange für die Masse die passende Alternative fehlt, kann es bei einem Sturm im Wasserglas bleiben. Ggf. geht Facebook auf die Problematik ein und vielleicht bezieht Herr Woods dazu Stellung auf dem fvw-Kongress.

von Georg Konjovic, 23.06.10, 17:14
Also Frau Aigners Aktionen unterstützen wir ausdrücklich nicht. Unsere Maßnahme begründet sich nicht in einem generellen Misstrauen ggü. Facebook, sondern bezieht sich alleine auf die Ausgestaltung des Like-Buttons. Frau Aigners "Kritik" ist ja viel weitergehender und teilweise unrealistisch.

von Arndt Aschenbeck, 23.06.10, 17:58
@ Georg Konjovic: Sorry Herr Konjovic, wenn das missverständlich rübergekommen sein sollte. Und vielen Dank, dass Sie das richtig gestellt haben. Ich meinte das auch eher auf einer Meta-Ebene: Nämlich, dass jemand ähnlich wie Frau Aigner Konsequenzen zieht aus dem nicht transparenten Umgang von Facebook mit Nutzerdaten. Dass die Kritik unserer Verbraucherministerin noch weiter geht, ist mir natürlich klar. Ob sie zu weit geht oder unrealistisch ist, muss jeder selbst beurteilen.

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