EUGH

19 Prozent weniger Spielraum

Rückvergütungen drücken massiv auf die Margen im Vertrieb. Der selbst angeheizte Wettbewerb wird nun gelindert. Weitere Einschränkungen sind kaum in Sicht. Oder vielleicht doch?

von Dirk Rogl, 22.01.2014, 09:16 Uhr

Es kommt selten vor, dass der Europäische Gerichtshof den Wettbewerb einschränkt. Jetzt ist es so weit. Reisebüros dürfen ihre an den Kunden gewährten Rückvergütungen nicht mehr als Vorsteuer abziehen. Das ist die Kernaussage eines aktuellen Urteils aus Straßburg, das der fvw vorliegt und im O-Ton deutlich komplexer ist.

Das gilt auch für die gesamte Materie der Rückvergütungen. Seit knapp zehn Jahre streiten Gerichte, Verbände und nicht zuletzt die Mittler selbst um die juristische und moralische Statthaftigkeit von nachträglichen Gutschriften auf den Reisepreis. Juristisch ist die Sache sonnenklar: Sie sind statthaft. Ob das Reisebüro sie mit seinen in aller Regel ohnehin knappen Provisionseinnahmen vereinbaren kann, steht in der eigenen kaufmännischen Verantwortung.

Das eigentliche Dilemma an dem großflächig gewachsenen Thema aus Sicht vieler Reisebüros ist, dass eine Reihe von Anbietern mit dem Geschäftsmodell Rückvergütungen offenbar seit Jahren recht gut leben. In Partnerschaft mit Banken und Einzelhändlern werden neue Kundenströme generiert. Vermutlich ergeben sich hier sogar zusätzliche Einnahmen für den Vertrieb. Denkbar auch, dass hier neue Kunden für die Veranstalter erschlossen werden. Das ist positiv.

Dass die Reisepreise, für die der Veranstalter als Handelsherr die Hoheit hat, durch die Rückvergütungen unter Druck geraten, ist ein Branchenproblem. Und die Geschäftspraxis kratzt an den Margen jener Mittler, die ganz klassisch durch aufwändige Beratung und guten Service glänzen wollen. Das klappt am besten bei tatsächlich auskömmlichen Provisionseinnahmen. Eine teilweise Weitergabe dieser Einnahmen ist im Prinzip nicht vorgesehen. Trotz vieler gegenteiliger Bekundungen: Eine Lösung, dies flächendeckend einzudämmen oder gar zu beenden, ist kaum in Sicht. Auch die Veranstalter haben das nicht in der Hand. Denn ohne weiteres dürfen sie keine Agenturverträge entziehen, wie das aktuelle Beispiel von Urlaubsplus (siehe fvw 3/13) zeigt.

Immerhin: die Margen für Rückvergüter werden durch das aktuelle Urteil des EUGH knapper, weil die Umsatzsteuerlast steigt. Das ist ein eher zufälliger Erfolg, basierend auf einer Klage der Gegenseite, die den in Deutschland üblichen Vorsteuerabzug für Reise-Discounts europaweit festschreiben wollte. Nun ist das Gegenteil der Fall. Wird allein das die Geschäftspraxis der Rückvergütungen eindämmen? Gibt es aus Ihrer Sicht vielleicht doch einen Schlüssel, der den Preiskrieg im Pauschalreisevertrieb eindämmt? Ich freue mich auf Ihre Meinung.

Kommentare

von Rainer Nuyken, 22.01.14, 11:19
In der letzten FVW-Ausgabe ließ sich zum Thema „Rückvergütungen“ ein DRV-Vorstand zitieren, der dann aber doch lieber nicht genannt werden wollte: "Wir sollten uns lieber auf unsere eigenen Stärken konzentrieren, statt gegen solche Anbieter anzukämpfen." Der DRV, zumindest dieses Vorstandsmitglied, scheint den Kampf gegen Rückvergütungen offensichtlich aufgegeben zu haben. Dass es auf dieser Baustelle doch vorwärts geht, zeigt das aktuelle EuGH-Urteil. Wenn der DRV dieses Thema aufgibt und die Reisebüros in solch zentralen Problemfeldern allein lässt, wird er sich fragen lassen müssen, wozu die Reisebüros den DRV dann brauchen. Man hört immer, dass es sich nicht lohne, Energie und Zeit aufzuwenden, um solche „dicken Bretter zu bohren“. Heute wissen wir, dass es sich lohnt, auch wenn wir erst ein ganz, ganz kleines Loch geschafft haben. Die Maxime beim DRV darf also nicht heißten "entweder oder", sondern "sowohl als auch".

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