Eisenbahn

Ein Porsche auf Schienen

Konkurrenz für den ICE funktioniert nicht? Die Bosse von Ferrari und Air France sehen das offenbar anders.

von Dirk Rogl, 18.07.2008, 11:19 Uhr

Mehr als sechs Jahre ist es her, als mit dem Interconnex der erste ernstzunehmende Mitbewerber für den Fernverkehr der Deutschen Bahn an den Start ging. Damals waren mehr Medienvertreter im Zug als zahlende Fahrgäste. Und am Bahnsteig kämpfte ein jung-dynamischer fvw-Redakteur mit dem Ellenbogen gegen die Kamerateams an, um ein halbwegs passables Foto von dem Zug in unser Magazin zu bekommen. Die Zahl der Kunden im Interconnex dürfte seitdem weitaus stabiler gewesen sein als die der Medienvertreter. Es blieb bis heute bei einer einzigen Linie und maximal zwei Zugpaaren am Tag. Es gebe eben keinen Platz für ein privates Fernverkehrsnetz, so das Credo. In Italien will Luca Cordero di Montezemolo nun das Gegenteil beweisen. Der Mann ist Multi-Millionär, oberstes Organ bei Fiat und Ferrari und bis vor kurzem auch des italienischen BDI-Pendants Confindustria. Nun ist er Aufsichtsratschef der privaten Bahngesellschaft NTV, die ab 2011 mit 25 fabrikneuen Hochgeschwindigkeitszügen im chicen Ferrari-Rot der italienischen Staatsbahn Beine machen will. Dem Konsortium gehören namhafte Industrielle und Banken an. Sie alle werden gut gerechnet haben, ob sich das Investment lohnt. Gleiches gilt für Air France, die laut Medienberichten in Frankreich gerade über ein Bahn-Joint-Venture mit dem Energie- und Verkehrskonzern Veolia verhandelt. Wer bitte? Genau: Veolia betreibt auch den Interconnex und ist in Deutschland der größte Mitbewerber der DB im Regionalverkehr. Keine Frage: Die ICE der DB sind - abgesehen von Besorgnis erregenden Einzelfällen am Kölner Hauptbahnhof - in weitaus besserer Kondition als die Züge der italienischen Staatsbahn. Und ein zentraler Sternverkehr nach Paris ist weitaus lukrativer als das dezentral gestrickte ICE-Netz in Deutschland. Eine Alternative zum Flugverkehr sind Schnellzüge aber allemal. Wie hoch muss der Ölpreis klettern, damit die dafür nötige Millionen-Investition in Deutschland jemand ernsthaft durchrechnet? Mein Tipp an die Familien Porsche, Piech und Scheffler: Sollten sich diverse DAX-Konzerne weiter gegen die von Ihnen angestrebten Übernahmen sträuben, denken Sie doch mal über die italienische Form der Kapitalanlage nach.

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