E-Mails

Wird offline sexy?

Lange nichts mehr gelesen von mir in diesem Blog? War doch eine schöne Zeit, oder?

von Dirk Rogl, 07.04.2008, 13:26 Uhr

Wer fasst drei Wochen lang nichts in seinen eigenen Blog schreibt, der muss gute Gründe dafür haben. Zu viel Arbeit? Zwischendurch Urlaub gehabt? Unter uns: Stimmt alles, klingt aber ziemlich gequält. Versuchen wir es lieber mal mit der Argumentation des Hamburger Autoleasing-Anbieters Maske. Zwei Tage im Monat dürfen die Mitarbeiter dort keine E-Mails mehr schreiben. Das soll Raum schaffen für persönliche Gespräche und jede Menge Kreativität. Klingt doch prima! Maske ist von dem unkonventionellen Selbstversuch derartig begeistert, dass laut

nun die Einführung eines festen E-Mail-freien Wochentags geprüft wird. Auch das habe ich am Wochenende versucht: Auf der TSS-Tagung in Dresden versagten gleichzeitig UMTS-Karte und Smartphone. Sie glauben gar nicht, wie viele kreative Gespräche ich habe führen können. Auch Lufthansa hat den Offline-Trend erkannt. Nein: Es wird keine GDS-Fee für Vorzugspreise auf Lufthansa.com geben. Aber das Telefonieren im Flieger wird die Kranichlinie ihren Gästen auch künftig verbieten, obwohl die EU-Kommission heute die Weichen für eine Öffnung der Mobilfunknetze über den Wolken gestellt hat. Andere Fluggäste sollen durch den Lärm nicht belästigt werden. Ich selbst habe meinen Offline-Selbstversuch rigoros abgebrochen. Die neue UMTS-Karte ist bestellt, dieser Blog frisch gefüllt und meine Mailbox lasse ich eh nicht aus den Augen. Respekt, liebe Maske-Autovermieter: Es ist wirklich mutig, dem Kunden zwei Tage im Monat konsequent nicht zu antworten.

Kommentare

von DerOnliner, 08.04.08, 12:20
Den Mitarbeitern die Arbeitsmittel verbieten zu müssen ist nicht sehr sexy... Schon traurig, wenn die Arbeit sonst wohl keinen Raum für Gespräche und Kreatives lässt. Merke: Auch heute noch hat jedes Gerät einen Schalter zum Abschalten. Wir sind alle unseres Offline-Glückes Schmied... Wenn wir es wollen.

von michael buller, 10.04.08, 19:03
nun manchmnal kann das offline ziemlich interesant sein: im wirtschaftteil der sz vom 27.08.07 der artikel beruht auf einer studie von gloria mark (eine computerwissenschaftlerin von der universtiät of california). gloria mark hat sich die mühe gemacht die arbeitstage von managern, programmierern und analysten zu dokumentieren. dabei kam sie auf folgendes ergebniss * der postmoderne wissensarbeiter konnte sich im durchschnitt elf minuten mit einer aufgabe beschäftigen (bevor er die aufmerksamkeit durch telefon, mail oder eines kollegen gestört wurde) * dann dauerte es ca. 25 minuten bevor er sich seiner alten aufgaben wieder widment konnte * er braucht um in die alte aufgabe sich wieder hinein zu finden ca. 8 minunten. dh. er hatte 3 minuten bevor er wieder gestört wurde. generell wundert man sich wie eine wertschöpfung überhaupt noch möglich ist bei einer solchen kommunikationsflut und charlie chaplin in seinem film "moderne zeiten" war dagegen ein spaziergänger.

von Dirk, 11.04.08, 14:25
...wie wahr, wie wahr, lieber Herr Buller. Wir in der Redaktion wundern uns auch manchmal, dass nebenbei alle 14 Tage eine gedruckte fvw erscheint ;-)

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten