E-Commerce

Zaghafter Weg zur Selbstverstümmelung

Nun beraubt sich auch Opodo.de seiner wichtigsten Einnahmequelle im Fluggeschäft. Wieso? Gegenfrage: Wieso jetzt erst?

von Dirk Rogl, 26.06.2009, 11:07 Uhr

Um es gleich klarzustellen: Es ist kaufmännisch betrachtet in etwa so sinnvoll für ein Reisebüro auf seine Service-Entgelte für Flüge zu verzichten wie eine etablierte touristische Fachzeitschrift tausendfach per Hubschrauber über dem Ballermann abwerfen zu lassen. Expedia.de tut genau das seit April, Opodo.de seit gestern. Wir sprechen hier nicht von lebensmüden Internet-Start-Ups, sondern von solide geführten Marktführern, die weltweit (Expedia) bzw. in Europa (Opodo) den Ton in ihrem Segment angeben. Beide wissen, was sie tun. Und niemand hat im touristischen E-Commerce in Deutschland mehr Flugvolumen. In Amerika läuft die Null-Euro-Aktion mit beachtlichem Erfolg. Die dort bestens vernetzten Online-Forscher von Phocuswright bescheinigen Expedia bereits steigende Marktanteile. Die Verfolger von Travelocity und Orbitz (dem amerikanischen Opodo) strichen ihre Vermittlungs-Fee binnen weniger Tage, sind nun aber unter Druck. Sie alle hoffen auf Margen aus anderen Produktsegmenten. In Deutschland hingegen war es geradezu verdächtig ruhig. Mit demonstrativer Gelassenheit hielten die Mitbewerber ihre Service-Entgelte hoch - bislang. Niemand klagte ernsthaft über schwindende Marktanteile - bislang. Dauerhaft freilich gibt stets der Marktführer den Ton an. Und so liegt es nun in den Händen von Expedia, ob die Service-Entgelte für Flüge kurzfristig wiederkommen oder vermutlich langfristig im E-Commerce, Corporate Travel einmal ausgeklammert, auf den Index kommen. Diese Entscheidung dürfte bereits in den kommenden Wochen fallen. Und die Antwort ist tatsächlich offen. Denn es ist schon beachtlich, dass der deutsche Markt bislang ganz anders auf die Null-Euro-Offerten des Marktführers reagiert hat als in den USA. Wieso also zieht Opodo, anders als Orbitz in USA, erst jetzt nach? Wer folgt als nächstes? Die Fragen sind alles andere als trivial und bedürfen der tieferen Analyse. Weitere News zum Thema gibt es hier auf fvw.de, umfassende Hintergründe spätestens in fvw 14/09 - die aus gutem Grund nach wie vor nicht kostenfrei erhältlich ist. Qualität hat eben seinen Preis. Eine schöne Anregung für die Online-Reisebüros, oder?

Kommentare

von Andreas Schulte, 26.06.09, 12:14
Der Wahnsinn in dieser Branche - besonders im Flugbereich - treibt schon interessante Blüten. Der Umsatz steigt und damit die Stückzahlen. Proportional dazu dürften die Kosten steigen, die durch keine Einnahmen kompensiert werden. Warten wir mal ab, wann die Kassen leer sind.

von Bernd Schray betravel, 26.06.09, 12:37
Qualität hat eben seinen Preis. Richtig. Und Service zeigt sich nicht nur am Entgelt. - Wir werden die Herausforderung annehmen. # Wie kämpft man dagegen an? Mein persönliches Vorbild ist Apple. Gegen niedrige Preise mit Ideen, Design, Schnelligkeit, Qualität den Marktführern trotzen - und das mit Erfolg!

von Bernd Schray betravel, 26.06.09, 12:40
Für alle die jetzt Apple für ein Touristikunternehmen halten: Es ist keins. Die Lehren kann man trotzdem ziehen.

von Nicolas Götz, 26.06.09, 15:15
Wenn man natürlich kein anderes Verkaufsargument hat als den Preis bleibt nicht viel anderes übrig, als umsonst zu arbeiten (womöglich legt 'Expodo' ja demnächst noch Geld drauf für eine Buchung...).

von Ole Potinius, 26.06.09, 16:22
Es wird doch schon Geld draufgelegt. Expedia und Opodo kassieren keine Buchungsgebühren, verkaufen aber Tickets über Metasuchmaschinen (Swoodoo & Co.) und Affiliate Netzwerke. Dort wird jeder Flug gut vergütet! Würde gerne wissen, wie das refinanziert wird. Über Incentives und Bonuszahlungen? Über Servicegebühren bei Umbuchungen, Stornierungen etc.? Oder laufen die touristischen leistungen so gut, das reine Flugtickets subventioniert werden?

von Ekkehardt Kaifel, 26.06.09, 20:03
Das "Erkaufen" von Marktanteilen hat noch selten funktioniert (Siehe alte FTI mit Dom.Rep) Nur liebe FVW +Co,bitte schreiben sie doch offen, dass Expedia, Opodo etc. Kanalgebuehren die sie als Margen im Einkauf und Volumenincentives bezeichnen bekommen. Das sind doch nur andere Worte fuer PROVISION!

von Ekkehardt Kaifel, 26.06.09, 20:12
Ich empfehle folgende Seite: http://www.travelweekly.com/article3_ektid192998.aspx Dort stehen die Zukunftsvisionen "Illisionen" des AA CEO Gerard Arpey. Viel Spass bei den Kommentaren

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