E-Commerce

Wie hoch ist der Umsatz der Online-Reisebüros?

Seien wir mal ehrlich: Wer die Umsätze im E-Commerce beziffern will, der stößt auf teilweise unüberwindbare Hürden. Wir versuchen es trotzdem, jährlich, immer wieder. Und das Ergebnis kann sich meines Erachtens sehen lassen. Ein offener Appell zu noch mehr Transparenz.

von Dirk Rogl, 17.04.2012, 14:14 Uhr

Ehrlich gesagt, wir lieben diese Leser-Anfrage nicht, aber sie kommt immer wieder. Wie hoch sind die Umsätze im deutschen E-Commerce? Um das zu beantworten, haben wir just in diesen Tagen unsere jährlichen Fragebögen an die Chefs der großen Online-Reisebüros verschickt. Traditionell ist der Rücklauf optimierungswürdig. Unter Hinweis auf selbst auferlegte Beschränkungen fallen die offiziellen Antworten bisweilen arg kompakt aus.

Während die stationären Reisebüros seit 30 Jahren ihre Umsatzzahlen offen legen, beruft sich die nächstmalig am 8. Juni als Beilage der fvw 12/12 erscheinde Marktstatistik "fvw-Dossier Deutscher Reisevertrieb 2011" ausgerechnet im boomenden Online-Markt viel zu häufig auf Schätzungen. Diese wiederum sind aus vielerlei Gründen durchaus valide, so dass sich unter dem Strich vermutlich ein stimmiges Bild ergibt. Für einen standhaften Beweis der Durchschlagskraft der deutschen Online-Reisebüros taugt unsere Marktstudie allerdings nur bedingt, was freilich auch für die preislich zumeist in einer anderen Liga spielenden Papiere aus anderen Häusern gilt, die sich unsere Marktdaten bisweilen gern "ausleihen".

Tatsächlich gibt es eine ganze Menge offener Fragen, deren offenen Antworten dazu verleiten, auf die exakte Nennung einer konkreten Umsatzzahl für den deutschen E-Commerce zu verzichten. Ich nenne mal die wichtigsten:

Alles in allem ist es also kaum möglich, den touristischen Umsatz im Internet genau zu beziffern. Wir tun es trotzdem. Die wichtigsten Online-Reisebüros im Land kamen nach unseren Berechnungen 2010 auf einen Umsatz von 6,3785 Mrd. Euro. Und sie werden in 2011 in Summe deutlich zugelegt haben, was wir belegen werden. Ich würde mir wünschen, wenn die E-Commerce-Platzhirschen hier keine falsche Bescheidenheit üben.

Liebe Online-Reisebüros, bitte nennt uns auch in diesem jahr Eure Umsatzzahlen. Ein verlässlicher Marktspiegel für die Bedeutung des touristischen E-Commerce im Land dürfte gewiss auch in Eurem Sinne sein, oder?

Kommentare

von Dieter K.Eichmann, 17.04.12, 16:16
Was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich "Mediengeschäft"?

von Csaba Ranks, 17.04.12, 17:23
Wimdu hat es ja bereits gemacht http://www.gruenderszene.de/news/wimdu-umsatz

von Roland, 17.04.12, 18:39
Wenn die größte Mitfahrbörse Europas in der Nennung "Mobilitätsportale" fehlt kann ich mir schon vorstellen wie die Qualität des Reports sonst so ist.....

von Jürgen Barthel, 17.04.12, 21:17
Beim WTO gab es mal eine Definition, nach der Tourismus private, wie geschäftliche Reisen beinhaltet, zumindest, wenn jemand über Nacht nicht zu Hause verweilt. Wie definiert man eigentlich sinnvoll eine Reise? Dazu kommen die Massen an Reisen, die "privat" organisiert werden, obwohl die "praktisch" als Veranstalter agieren. Und Internetspezialisten, die "privat" Reisen in spezielle Ziele oder für spezielle Zielgruppen anbieten. Seit Internet wird das undurchsichtig und man kann sich bei FVW und ihren Redakteuren nur bedanken, dass die diese Sisyphusarbeit auf sich nehmen. Kritiker mögen es besser machen, oder der FVW Redaktion Hilfe anbieten, die Zahlen zu verbessern ;-) Übrigens auch für Airlines, Airports, etc. zunehmend ein Thema, teilweise gibt es da Spezialisten, die teilweise über Opodo, Expedia und Co. buchen, die recht interessante Umsätze realisieren, die man dann eher zufällig "findet".

von Dietmar Pedersen, 17.04.12, 21:31
Stimmen die Angaben der Veranstalter denn auch immer? Bei manchen Veranstaltern passen die angegebenen Umsatzzahlen einfach nicht zu den veröffentlichten Bilanzzahlen. Bei anderen Veranstaltern werden Umsätze teilweise doppelt gerechnet, einmal beim Veranstalter, dann bei der eigenen Airline und nochmals bei der Incomingagentur usw.

von Claudia Brözel, 18.04.12, 09:19
Soweit ich das sehe, gehen die meisten Studien von "online generierten" Buchungen aus, da ist es dann nicht mehr relevant, ob der Kunde die Transaktion dann tatsächlich am Telefon abgeschlossen hat oder im Netz, sondern, dass die Buchung "online" generiert wurde. Ich finde diese Diskussion wichtig und richtig und schlage vor, sich in Zukunft darauf zu einigen, was tatsächlich am POS passiert - also wo genau war die Transaktion abgeschlossen (?) - Das ergibt möglicherweise ein besseres Bild. Eine andere Möglichkeit der Kategorisierung wäre nach Produkt zu trennen (Hotel, Flug, ..) Aber diese Umsätze sind vermutlich nicht zu bekommen. Interessant finde ich auch die Frage, wie wir geographisch einen "Markt" beschreiben - ist alles, was in Deutschland buchbar ist hier auf dem "Markt? Da die Wertschöpfungskette heute - aus meiner Sicht eher einer Matrix gleicht, sollten wir uns bei der Größenbeschreibung des Marktes und der Teilnehmer ebenfalls neuer Kategorien bedienen. Ich denke man sollte dann auch nicht mehr zwischen Veranstalter und Vertrieb unterscheiden in den Dossiers - denn wenn man es genau betrachtet gibt es diese UNterscheidung nicht mehr. Ich schätze ebenfalls das fvw-Dossier und bedanke mich für die Arbeit, die hier geleistet wird.

von Klaus Hildebrandt, 19.04.12, 11:13
@Dietmar Pedersen: Die Veranstalter-Zahlen erheben wir in einem eigenen Dossier, das immer zum Jahresende erscheint. Da wir das Dossier seit 40 Jahren machen, haben wir da schon einen guten Einblick. Natürlich gleichen wir die Angaben auch mit den veröffentlichten Bilanzzahlen ab (z.B. bei den börsennotierten TUI D und Thomas Cook), und das stimmt schon überein. Es gibt manchmal bilanztechnisch andere Abgrenzungen, wir gehen auf die touristisch relevanten Zahlen. Und auch Doppelzählungen werden rausgerechnet, wir gehen auf konsolidierte Zahlen. Das betrifft ja im Grunde auch nur die Konzerne, die eigene Airlines und Incoming-Agenturen haben. Ich lege meine Hand nicht für jede Zahl ins Feuer, aber das kommt schon hin. Und wer lügt, hat ein Problem: er muss das über Jahre durchhalten. Deshalb hat auch schon so mancher Veranstalter mal seine Zahlen bereinigt.

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