E-Commerce

Online-Reisebüros im Vorteil?

Eine neue Studie von Phocuswright prophezeit dem Online-Vertrieb in Europa eine gute Zukunft. Die Portale werden auch künftig besser performen als der Markt, heißt es. Mit anderen Worten: Das Wachstum flaut deutlich ab.

von Dirk Rogl, 07.12.2012, 09:16 Uhr

Respekt an die Kollegen von Phocuswright. Jeden Zweifels erhaben verkünden die Marktforscher aus Amerika bereits jetzt die touristischen Marktzahlen des Jahres für Europa. Der Gesamtmarkt wachse 2012 um 2,5 Prozent auf 242 Mrd. Euro, der Online-Markt hingegen um zehn Prozent. Davon entalle auf die Online-Reisebüros ein Wachstum von 13 Prozent und auf die Leistungsträger-Portale von acht Prozent. Die Portale würden auch in Zukunft den Gesamtmarkt übertreffen, heißt es. Allerdings werde das Wachstum in allen Segmenten zurückgehen. Noch Fragen? Antworten gibt es für beachtliche 1995 US-Dollar in dieser neuen Studie.

Dass der Online-Vertrieb auch in Zukunft besser performt als das stationäre Geschäft ist freilich keine Sensation. Spannender schon ist, dass das Wachstum im Web selbst laut der selbst ernannten Online-Gurus von Phocuswright deutlich abflaut. Und das wiederum, obwohl die Marktführer im europäischen E-Commerce zuletzt so richtig abräumten: Es waren in erster Linie die Hotel-Giganten HRS und auf pan-europäischer Ebene ganz besonders Booking.com, die den Online-Markt dominierten. In Deutschland kommt dann noch einmal der Pauschalreise-Platzhirsch Unister hinzu. Viele andere Onine-Reisebüros stagnieren hingegen oder haben sogar rückläufige Umsätze, während sich das Geschäft der stationären Büros zuletzt bemerkenswert stabil entwickelte.

Zehn Prozent Wachstum für die Online-Portale, wie sie Phocuswright für 2012 schätzt, sind in Zukunft keinesfalls gesetzt. Und wenn, dann sind die Portale der Leistungsträger und Veranstalter womöglich deutlich im Vorteil. Den Hotelportalen bricht die Preisparität weg. Immer mehr Hoteliers sympathisieren mit Discount-Preisen für den schnellen Abverkauf, auch auf eigenen Kanälen. Im Airline-Geschäft rüsten die Carrier ihre eigenen Portale massiv mit neuen Funktionalitäten für Zusatzverkäufe und zur Kundenbindung auf. Der neue Datenstandard NDC der Iata dürfte den Markt massiv umkrempeln. Und in der Pauschaltouristik, zugegeben ein eher deutsches Phänomen, wackelt die starke Position der Online-Mittler, weil TUI, Thomas Cook & Co mit neuen Funktionalitäten die Performance und die Inhalte auf ihren eigenen Portalen deutlich ausbauen wollen.

Auch unser Chefredakteur Klaus Hildebrandt rechnet gerade am neuen fvw-Dossier "Reiseveranstalter 20112, das als (übrigens für unsere Abonnenten kostenfreie) Beilage in der kommenden fvw 25/12 erscheinen wird. Das ist ein mühsames Geschäft, denn viele Veranstalter geben sich bei den eigenen Geschäftszahlen zugeknöpft. Gleiches gilt für die Online-Marktführer wie Booking, HRS, Unister und Expedia.Sie melden überhaupt keine Zahlen, auch nicht in inoffizieller Runde. Treffsicherer als in unserem "fvw-Dossier Reisebüros" lassen sich diese Daten kaum schätzen. Und weil für die Hotel-Giganten HRS und Booking nicht einmal die investigative Recherche im Markt hilft, lassen wir uns gar nicht erst zu einer Schätzung verleiten.

Auch eine Umsatzprognose für die kommenden zwei Jahre, wie sie Phocuswright verspricht, ist freundlich gesagt eine Herausforderung. Zu den brancheninternen Umbrüchen kommen die konjunkturellen Unwägbarkeiten in der Euro-Zone. Sie brauchen trotzdem Planzahlen zur Absegnung ihrer Geschäfsidee bei Investoren und Vorständen? Genau dann ist die Studie von Phocuswright eine spannende Lektüre. Andernfalls mein ganz persönlicher Rat: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.

Kommentare

von Uwe Frers, 07.12.12, 10:31
Aus meiner Sicht gibt es einige Gründe für diese Entwicklung: 1. Online wächst in allen vergleichbaren Branchen (Medien, Bücher, Elektronik etc.) signifikant stärker als traditionelle Modelle, das ist kein touristisches Phänomen. 2. Innerhalb des Online-Segments wachsen überdurchschnittlich a.) Generalisten, die die Hebel des Onlinegeschäfts verstanden haben (skalierbares Onlinemarketing, Unique Content, eigenes Inventory, eigene Technologie) b.) Spezialisten, die thematisch (Luxus, Wellness etc.) oder technisch (X-Veranstalter) eine lukrative Nische erschlossen haben Kritisch hinterfrage ich folgende Aussage des Blogposts: "Und in der Pauschaltouristik, zugeben ein eher deutsches Phänomen, wackelt die starke Position der Online-Mittler, weil TUI, Thomas Cook & Co mit neuen Funktionalitäten die Performance und die Inhalte auf ihren eigenen Portalen deutlich ausbauen wollen." Das wichtigste Wort ist hier das Letzte, nämlich "wollen". Denn die etablierten Veranstalter haben es um ein Vielfaches schwerer, ihre traditionellen Modelle in die Online-Welt zu überführen. Das hat mit Kultur, Online-Skills, Geschwindigkeit, Technologie und auch (noch) funktionierenden stationären Vertriebsmodellen zu tun. Auf dem Touristikcamp wurde intensiv diskutiert, welche Konsequenzen das auf die Reisebüros haben wird. Es gab kein Einstimmigkeit darüber, aber doch zumindest Indikationen: 1. Preissensitives Massengeschäft können nur größere Verbünde bewältigen, die mit Technologie, Shopdesign und Marketing überzeugen 2. Einzelkämpfer müssen sich spezialisieren und bundesweit verbinden, um das Know How zu teilen. 3. Alle anderen werden es schwer haben.

von Roland Delion, 07.12.12, 12:13
Ich empfinde die Diskussion über die Webseiten der etablierten Reiseveranstalter einfach überbewertet. tui.com und anderen großen Reiseveranstalter-Webseiten sind viel weniger im Online-Markt bedeutend, als die Artikelhäufigkeit dazu in den Fachmedien erscheinen mag. Prüfen Sie die Sichtbarkeit der großen Anbieter per Reiseindex und Sie werden sehen, dass die Sichtbarkeit von tui.com nur 13 Prozent beträgt (im Vergleich zu holidaycheck.de). Das ist Regionalliga versus Championsleague. Wer die Entwicklung der Sichtbarkeit der Portale verfolgen möchte, hat hier einige auf einen Blick: http://reiseindex.net/top-5

von Dirk Föste, 07.12.12, 12:35
Hallo Dirk, Hallo Klaus, ich teile diese Prognose. Allerdings würde ich gern die Sichtweise umkehren. Der Online-Markt wächst (übrigens schon seit Jahren) überproportional, weil der Kunde diesen Vertriebskanal zunehmend favorisiert. Es ist allein der Kunde, der entscheidet, nicht der Veranstalter oder gar der Händler. Der Reisende scheint dem Online-Vertriebsweg zunehmend sein Vertrauen zu schenken. Die spannende Frage lautet: Warum tut er das? Ist es die (zugegeben sehr langsam) steigende Benzuterfreundlichkeit der Portale, bedingt durch verbesserte Suchalgorythmen, Datenbanken, hohe Angebotsvielfalt oder Transparenz? Ist es die hierdurch suggerierte Preiswürdigkeit? Oder sind die Sicherheits-, Service- und Qualitätsversprechen, die zunehmend auch die Onliner abgeben? Kann sein. Oder entscheidet sich der Kunde nicht zwingend FÜR den Vertriebskanal Online, sondern eher GEGEN andere? Sieht er die Beratungskompetenz des Reisebüros nicht mehr als relevant an? Unterstellt er ihm fälschlicherweise hohe Preise? Unterstellt er dem Discounter - übrigens traditionell ebenfalls ein starker Kanal - mangelnde touristische Kompetenz? Auch möglich. Oder hat ein bestimmter Kunde vielleicht einfach lange "erlernt", online zu kaufen? Wir registrieren in unseren Studien, dass eine Generation den Reisemarkt betritt, die im Internet aufgewachsen ist. Sie hat eine extrem hohe Medien- und Informationskompetenz, sie weiß sich sicher im Internet zu bewegen, erkennt genau, wo ggf. auch Skepsis angeraten ist. Diese Generation hat ihre "Speerspitze" im Alter von ca. 35-40 Jahren. Alles was jünger ist, sind die "Digital Natives". Dieser Kunde kommt von der Arbeit, isst etwas und setzt sich dann eine Stunde vor den Rechner. Wenn er etwas kaufen möchte, einen Kühlschrank oder auch eine Reise, dann informiert er sich hier zuerst. Er googelt nach Angeboten und fragt seine Freunde im Internet nach ihrer Meinung. Dieses Verhalten wird ihm niemand mehr "aberziehen" können. Das erklärt auch Uwes Aussage, dass der Onlinemarkt auch in anderen Branchen stetig weiter wächst. Unsere jüngste Befragung in der Gruppe der unter 25-Jährigen zeigt, dass 81 Prozent (!) am liebsten im Internet buchen würden, nur 15 Prozent im Reisebüro. Übrigens sucht dieser Kunde auch andere, jüngere Reiseformate, die er bei den großen Pauschalreiseanbieternm nicht findet - wohl aber, bei kleinen Spezialisten. Wir haben es hier nicht mit einem "Krieg" der Vertriebskanäle oder einem zwischen Veranstalter und Handel zu tun. Es sind die Kunden, ihre Informations- und Kommunikationsgewohlheiten, die sich dramatisch verändern. Und hierauf muss der gesamte Markt reagieren. Denn der Kunde allein entscheidet, wo er kauft. Viele Grüße ;-) Dirk

von Jürgen Barthel, 07.12.12, 13:18
Eine weitere Sichtweise... Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland werden eingestellt. Lufthansa gliedert den Kurz- und Mittelstreckenverkehr in Germanwings aus und schließt damit 50% der Kabine vom Reisebürovertrieb aus - inwieweit da geschäftsreiseoptimierende IBEs und OBTs überhaupt "mithalten" steht in den Sternen. Auch die GDS sind mit derartigen Aktionen unter Druck. Fakt: Ich lese die FVW Druckausgabe selten, und nie vollständig. Wenn, dann sowieso überwiegend als ePaper. Das gleiche für andere "Fachmedien". Und um auf dem Laufenden zu bleiben noch die N24 App und entweder Tagesthemen oder Heute via Web - russisch, denn deutsch dauert der Zeitversatz viel zu lang. Meine Buchungen, obwohl ich mich als "reisebürofreundlich" einschätzen möchte, doch vorwiegend Online. Als "Profi" weiss ich, was ich will, die Beratung im Reisebüro oft unzureichend und nach mehrfach beruflich bedingten Umzügen gibt's eben grad' keinen Kontakt zu "meinem" Reisebüro. L'TUR erwähne und verwende ich gern - ist das Angebot eben doch unterschiedlich zum "Portal X", welches sich aus den "üblichen Quellen" bedient. JT und AIDU klangen zwar interessant, aber so langei ch bei "meinem" L'TUR fündig werde, suche ich nicht weiter. Markenbindung. Durch Qualität. Hoppla. Aber ja, als "Airliner" überlege ich doch sehr genau, welche Airline ich fliege. Und zahle auch mal ein paar Euro mehr. Reisebüros, die mir nur "Billig" empfehlen und zeigen, dass sie nicht wissen, was "preiswert" ist - und mir das verkaufen... Ich checke auch nicht mehr bei der netten Dame ein, sondern gern direkt am Automaten. Schnell, effizient. Und bin mal wieder dabei, Technologien voranzutreiben, die den gesamten Ablauf noch effizienter machen. Mit Blick auf den Kunden, nicht auf bestehende "Geschäftsmodelle" einzelner Mitarbeiter. Es stellt sich immer wieder die Frage: Welches ist m.e.i.n Alleinstellungsmerkmal? Womit begründe ich mein Einkommen, das ein anderer bezahlen muss. Ich stelle mir aber auch - nicht das erste Mal - die Frage, ob es wirklich so negativ sein muss, ob diese Entwicklung nicht für alle einfacher wäre, wenn man sie zusammen geht. Aufhalten lässt sie sich nicht. die Fähigkeit, sich an Veränderung (Mutation) anzupassen ist der Erfolgsfaktor des Menschen... Der an sich konservativ agiert. Sind Online-Reisebüros im Vorteil? Ich denke NICHT. Sie sind anders. Sie besetzen eine neue Nische, was "Newcomern" immer einfacher fällt. Und die Nische wird zum Mainstream. Wer fährt denn noch mit der Kutsche zur Arbeit? Was ist mit all den Bahnlinien passiert, die von Hintertupfing nach Rumpelding die Pendler beförderten? Wo gibt es denn noch "Schienenbusse"? Arme Bahn! Dabei hat die schon versäumt zu verstehen, dass es um Transport von Waren und Menschen von A nach B geht - wie auch immer! Arme Binnenschiffer. Und wer baut denn noch einen Fernseher auseinander um ihn zu reparieren? Und wer schraubt die Lampe eben mal selbst an der Decke fest und nimmt damit dem Handwerker seine Lebensgrundlage weg? Es ist alles relativ. Wie wird denn nach Kerosin gereist? Jürgen Weber stellte das seinerzeit schon in Frage. www.barthel.eu/wig/ ist nur ein Beispiel, mal über den Tellerrand zu gucken. Ich bleibe aber dabei: Die Verbände sind hier gefordert! Nicht reagieren, sondern agieren - im Interesse der eigenen Mitglieder, aber auch mit Blick auf die Entwicklung einer ganzen, unserer, meiner Branche!

von Alex, 07.12.12, 14:21
Vielen Dank Dirk F. Dass hier einfach mal schlicht geschildert wurde, was den Kunden so treibt. Es ist auch kein Krieg der Vertriebskanäle. Es darf sich keiner anmassen zu beurteilen, wie und was der Kunde kauft. Er hat ja nun wahrlich die Wahl. Lieber Dirk R. das Wachstum der Online Portale ist gigantisch. Wenn Expedia von 2010 auf 2011 mehr als 3Mrd $ Mehrumsatz generiert, Priceline seinen Rohertrag um 1 Mrd $ steigert, dann sind das Zahlen, die schon sehr eindrucksvoll sind. Das ist bei dieser Größe natürlich in Prozenten nicht mehr soviel wie es früher war. Dennoch sehr eindrucksvoll. Diese Firmen sind global aufgestellt und haben die Wachstumsmärkte in Asien und Südamerika im Blick. Damit haben sie Vertriebsplattformen geschaffen, mit denen kein traditioneller Vertrieb oder Veranstalter mithalten kann. Haben wir eine Eurokrise, gibt es in der Welt immer noch andere Wachstumschancen, Brasilien, China, Indien schaffen eine neue Mittelklasse, die ein echter Wachstumsmarkt darstellt, und nicht wie wir hier in Europa von einer Veränderung der Buchungsgewohnheiten lebt. Die schiere Größe der globalen Portale, die ja innerhalb von 15 Jahren geschaffen wurde, zeigt, dass hier eine Chance der klassischen Veranstalter schlicht verschlafen wurde. Es zeigt auch, dass der Kunde entscheidet, wie und was er bucht und nicht eine besitzsstandswahrende Diskussion. Wir dürfen auch nicht nur den Mittelmeer Pauschaltourismus betrachten, der in dieser Betrachtungsweise ein Nischenprodukt ist. Viele Grüße Alex

von Horst, 10.12.12, 10:17
Veranstalter sind aufgrund interner Strukturen und der kurzfristigen Abhängigkeit von Reisebüros nicht in der Lage, einen erfolgreichen eCommerce aufzubauen. Jede richtige und wichtige Initiative wurde und wird von Reisebüros mit Drohungen und Delistung der Kataloge aus den Regalen beantwortet. Wenn Veranstalter in den eCommerce gehen kommt eine Totgeburt wie aktuell bei TUI heraus. Reiseveranstalter sind die Quelle und Neckermanns, verglichen mit expedia, booking.com und wie sie alle heißen... Wenn 99,9% der Belegschaft nicht in "online" denken kann gibt es dazu auch kein business!

von Wolfgang Hoffmann, 13.12.12, 14:46
Okay, jeder ist eingeladen, sich an Kaffeesatzleserei zu beteiligen. Zwar habe ich diesen Bericht nicht gelesen, aber ich könnte mir vorstellen, dass der spezifisch deutsche Markt darin nur ungenügend berücksichtigt wurde. Wo ich mir aber absolut sicher bin ist, dass sehr viele Unwägbarkeiten überhaupt nicht bedacht werden konnten. Müßig jetzt nur ein paar aufzuzählen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass es 1. immer 2. anders kommt, 3. als man 4. denkt. Was sich allerdings aus dieser Orakelei ergibt, das ist die unbedingte Anpassung des rein stationären Vertriebs an den zusätzlichen Markt. Der Onlinevertrieb muss sehr viel Geld in die Werbung stecken. Das braucht der stationäre Vertrieb nicht. Er wirbt mit dem, was ihn schon immer ausgezeichnet hat. Und seine Präsenz am Markt ist ansich gesichert. Das heißt, aus den stationären Reisebüros kommt letztlich der effektivste Onlinevertrieb, wenn die Reisebüroinhaber in die Umsetzung einer virtuellen Filiale investieren. Zeit investieren, ist gemeint. Und was würden denn bei einem funktionierenden Onlinevertrieb der stationären Vertriebsstellen in Deutschland dann noch für einen Grund haben, ihren virtuellen Eigenvertrieb selbst aufzuziehen? Keinen.

von Wolfgang Hoffmann, 13.12.12, 14:49
Korrektur: was würden denn die Veranstalter bei einem funktionierenden Onlinevertrieb der stationären Vertriebsstellen in Deutschland dann noch für einen Grund haben, ihren virtuellen Eigenvertrieb selbst aufzuziehen? Keinen.

von Michael, 18.12.12, 13:30
Hallo Herr Hoffmann, ich habe mir mal kurz die Mühe gemacht Ihre Seite krefelder-reisen.de hinsichtlich ihrer Sichtbarkeit bei Google zu analysieren. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß, die Seite rankt nicht für ein einziges Keyword. Was denken Sie denn wie Besucher auf Ihre Seite kommen? Die meisten per Suchmaschine, ergo gilt: Wenn Sie dort nicht ranken, dann gibt es auch keine Besucher. In einem hart umkämpften Markt haben maximal Spezialanbieter mit ihren Angeboten eine Chance sich im hartumkämpften Reisebereich bei den Suchmaschinen zu behaupten, weil deren relevante Keywords nicht bereits besetzt sind. Alles andere kostet (professionelle Seitenerstellung, Suchmaschinenoptimierung, onlineaffine Fachkräfte...) derart hohe Budgets, dass kein einziges Reisebüro dies leisten kann. Sie sehen worauf ich hinaus möchte? Der Online-Kuchen wird auch künftig unter den großen Veranstaltern und OTAs aufgeteilt, dazu einige Spezialanbieter in ihren Nischen. Einzelne Reisebüros, selbst in kleineren Ketten organisiert, können hier mangels großer Budgets und Online-Fachkräfte (diese sind auch bei den großen Veranstaltern rar gesät) niemals konkurrieren, allenfalls in sehr kleinen Nischen. Ihre Annahme, dass Reisebüros den Online Vertrieb organisieren könnten ist angesichts der aktuellen und wohl auch künftigen Marktsituation eher Wunschdenken. Ach ja, Sie werden es sich bereits gedacht haben - ich arbeite im Online Vertrieb eines großen Reiseveranstalters. :-) Dies ändert aber auch nichts an den Fakten. Viele Grüße Michael

von Jürgen Barthel, 19.12.12, 09:49
Hallo Michael, ich denke, dass Google und SEO/SEM in diesem speziellen Bereich überbewertet wird. Es ist nicht alles "Laufkundschaft", die stationären Büros positionieren sich eher klassisch. Ich kenne viele Erfolgsbeispiele, in denen der Onlineauftritt Mehrkunden brachte, obwohl er ausschließlich "lokal" beworben wurde. Was kommt denn aus "Google"? Der "Preisvergleicher" (Billigheimer) aus Hintertupfing (irgendwo im Bayerischen)? SEO/SEM ist insbesondere für überregionale Marken relevant: TUI, Cook, LH, Easyjet, bcd, Rewe, ... Regionale Anbieter bekommen oft viel Müll über SEO/SEM und erreichen ihre Kunden über ganz andere Wege. Die URL auf der Werbung im Stadtblättchen, auf dem Auto oder an den passenden schwarzen Brettern kann mit wenig Aufwand wesentlich mehr Geschäft auf die Website und ins Reisebüro bringen, als eine komplexe, (zeit-)aufwändige SEO/SEM-Strategie. Ich finde es immer schade, wenn hier von Onlinern schwarz-weiss gemalt wird. Dass dies nur "Halbwahrheiten" sind zeigt ja gerade diese aktualisierte Sichtweise seitens PhocusWright... Wichtig ist eine Vertriebsstrategie, in der "Website" ein Aspekt wie "Kundenprospekt", Katalog oder "Visitenkarte" ist.

von Michael, 19.12.12, 11:59
Hallo Jürgen, ich kann in meinem Beitrag nicht entdecken, dass von ich schwarz-weiß gemalt hätte. Leider entdecke ich genau dies aber in Ihrem Beitrag, wo Sie Ergebnisse aus Google mit Billigheimer gleichsetzen. Hier kann auch gerne einmal bedacht werden, dass es einen Anteil von ca. 30% ROPO-Kunden (research online, purchase offline) gibt, die sich also online informieren, aber dann doch in ihrem Reisebüro vor Ort buchen. Sei es wegen der Beratung, persönlicher Bindungen, um generell einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, aus Angst Zahlungsdaten online anzugeben etc. Dies wird leider oft unterschlagen. Und sogar ich als Onliner kaufe noch sehr viele Produkte klassisch, besonders die höherpreisigen, da mir persönlich dann eine gute Beratung wichtig ist. Entgegen Ihrer Annahme ist mindestens SEO (von SEM sprach ich nicht) auch für lokale Anbieter sehr wichtig. Was bringt z.B. eine Website eines Reisebüros, wenn diese nicht gefunden werden kann, z.B. für den Suchbegriff "Reisebüro Hintertupfing"? Hier reichen aufgrund der kleineren Konkurrenz in diesem lokalen Segment schon eine passende URL, eine suchmaschinengerecht programmierte Seite, ein Eintrag in Google Places, etc. Dies ist auf Dauer als effektiver Zusatz zu klassischer Werbung zu betrachten und spätestens mittelfristig auch günstiger. Wenn Sie eine bestimmte Information suchen, wo schauen Sie dann nach? Google oder ein lokales Anzeigenblatt? Ich denke die Antwort ist klar. SEM ist in diesem Bereich tatsächlich zu teuer und nur unter zwei Voraussetzungen überhaupt empfehlenswert: 1. Man beschränkt sich darauf die Google-Anzeigen des eigenen Reisebüros ausschließlich lokal auszuliefern. 2. Es werden die technischen Vorausetzungen geschaffen, um Online-Anfragen von Kunden in direkte Verbindung zu getätigten Buchungen oder mindestens einem Besuch im Reisebüro zu setzen. Denn andernfalls ist unklar, ob das Budget effektiv eingesetzt wurde. (Dies gilt übrigens für sämtliche Anfragen, die online generiert werden, denn der größte Vorteil von Online Marketing ist die Messbarkeit in konkreten Zahlen, z.B. aus X Anfragen ergaben sich Y Buchungen.) Übrigens untermauert auch die PhocusWrigt Studie die Auffassung, dass sich der Vertrieb von Reisen immer mehr Richtung Online verlagert. Denn wenn der Markt nur um 2,5% wächst, Online aber um 10%, dann kann das Online-Wachstum zu 7,5 Prozentpunkten nur aus dem klassischen Vertrieb kommen. Generell geht es aber nicht darum wer wem welchen Umsatz wegnimmt, sondern darum gemeinsam dem Kunden das bestmögliche Produkt zu attraktiven Preisen anzubieten, verfügbar in Reisebüros UND online, denn letztlich entscheidet NUR der Kunde was er wo kauft. Viele Grüße Michael

von Jürgen Barthel, 14.01.13, 13:25
Hallo Michael, ich polarisiere gern. SEO != SEM (!= ungleich). SEO ist aber Teil von SEM. Ja, eine eigene URL ist fein, aber Gute gibt's kaum mehr. Ich habe eben die Erfahrung gemacht, dass offline Marketing mit Hinweis auf die URL oftmals mehr und zielgenauere Besucher bringt, als SEO oder gar SEM. Und SEO-Grundlagen sollte man schon beherrschen, man druckt seine Visitenkarten ja auch nicht auf Schmierpapier oder malt die selbst. Jaja, es gibt genügend Seiten mit http://url/index.cfm?id=123456&page=xyz&index=432 ... Da darf man sich nicht wundern, wenn kaum einer mal direkt zur Seite findet. Man sollte eben auch Webseitenentwicklung "Profis" überlassen (und billig ist eben was anderes als preiswert). Wo hört SEO auf, wo fängt SEM an? Wie weit gehe ich? Google Places? Social Networks Seite? Ja, SEO ist als Zusatz sinnvoll, so wie eine Visitenkarte oft sinnvoll ist, obwohl ja häufig elektronisch kommuniziert wird. Und SEM kann Sinn machen. Ich sehe es nur insgesamt als "überbewertet" an. Und die Resultate vieler "billigen" Agenturen sind eher kontraproduktiv denn hilfreich. Naja, eine Webagentur kann ja oft eben auch keine Reisen verkaufen... Zur Vertriebsverlagerung: Einfache Reisen werden zunehmend online verkauft werden. Aber ich habe noch keine IBE gesehen, der ich zutraue, eine auch nur mittelmäßig komplexe Reise mit zwei Reisezielen korrekt zu buchen. Oder ein exotisches Reiseziel. Oder eine Luxusreise. Hurra Reisebüro... Ich kannte Philip Wolf schon bevor er PhocusWright begonnen hat und viele in seinem Team kenne ich bis heute persönlich, obwohl ich mich derzeit um Airport IT und nicht mehr um travel IT und IBEs kümmere. Oft bin ich bisher zumindest im Nachhinein berechtigt anderer Meinung als PhocusWright gewesen. Aber auch Philip polarisiert gern ;-) Ach ja - und auch ich musste ihm natürlich oft genug auch Recht geben. Die Kristallkugel ist eben doch eine Wissenschaft für sich... Der letzte Satz ist Kernsatz. Es geht nicht um 'oder', sondern um 'und'. Und ich erlaube mir die Anmerkung; es geht um den psychologischen Preis, nicht immer ist attraktiv mit "billig" gleichzusetzen.

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