E-Commerce

Löw oder Ballack? Online oder Offline?

Die Reise-Werbung boomt. Jogi Löw (TUI) und Michael Ballack (Unister) kämpfen im TV um die Gunst der Zuschauer. Comvel und Schmetterling liefern sich ein Duell auf den Plakatwänden. Macht das Sinn?

von Dirk Rogl, 28.01.2011, 10:25 Uhr

Die gute Buchungslage beflügelt das Werbeverhalten der Reiseveranstalter und Mittler. Über Jahre hinweg haben sich viele auf das Nötigste beschränkt. Jetzt geht es in die Vollen. Dabei geht es nicht allein um den schnellen Abverkauf, sondern auch um Markenpflege, langfristig eine unverzichtbare Investition.

TUI (mit Jogi Löw) und Alltours ("Ohne meinen Alltours sage ich nichts") haben mit bekannten Werbe-Botschaften auch zur Primetime die Mattscheibe besetzt. Thomas Cook soll dem Vernehmen nach in Kürze folgen. FTI setzt derzeit stark auf Plakate. Und was macht der Vertrieb?

Traditionell kochen die Mittler in der Endkunden-Werbung ein eher kleines Süppchen. Aber immerhin: Portale wie Unister (mit Michael Ballack) und Swoodoo zeigen beachtliche Präsenz im TV. Die Rückkehr von Expedia auf die Mattscheibe, allerdings wohl ohne den langjährigen Werbe-Partner Mirco Nontschew, gilt als sicher. Und auch in der Display-Werbung lässt sich der Vertrieb nicht lumpen:

Die Comvel-Tochter Weg.de wirbt auf den Plakatflächen ihres Mehrheits-Gesellschafters Dirk Stroer humorvoll für "Mein erstes Mal". Das klingt bewusst schlüpfrig, soll den Betrachter aber von nichts anderem als den Vorteilen der Online-Buchung überzeugen. Doch der stationäre Vertrieb holt zum Gegenzug auf. Schmetterling-Boss Willi Müller verschickt großflächige Poster mit der Kernaussage "Urlaub beginnt im Reisebüro" an seine Agenten. Und die Rewe-eigene RSG-Allianz bündelt ihre Kooperationsbüros bereits seit November auf dem Internet-Portal Das-Gibts-Nur-im-Reisebüro.de, inklusive Horror-Geschichten über irreführende Produktbeschreibungen und fehlende Beratung im Internet.

Gut für das eigene Ego sind die Hinweise auf die Vorteile des eigenen Vertriebskanals allemal. Aber ob Sie auch zusätzliche Kundschaft an die Counter der RSG- und Schmetterling-Büros bringt? Ob Weg.de tatsächlich Reisebüro-Kunden vom "ersten Mal" überzeugen kann, obwohl die Mehrheit der Deutschen längst via Internet eine Reise gebucht hat? Ich glaube, es gibt auf beiden Seiten einprägsamere Werbebotschaften, oder?

Kommentare

von Roland W., 28.01.11, 13:31
Egal ob Ballack, Löw oder Nontschew, der Kampf wird letztenendes am POS entschieden. Auch der Kanal spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Kunde wird immer dort buchen, wo er sein Bedürfnis nach Service, Qualität und Sicherheit vertrauenswürdig erfüllt sieht. Und da müssen (und können) Reisebüros und Internetportale gleichermaßen an sich arbeiten.

von barthel.eu, 28.01.11, 15:33
Heute geht es nicht mehr um Print oder TV oder Radio oder Web. Es ist wie in der Vergangenheit der Mix. Und ja, der POS ist wichtig. Wofür mache ich Werbung? Wer ist meine Zielgruppe, wo finde ich diese. Welche Sichtbarkeit hat meine Werbung im entsprechenden Medium? Die berühmte "Conversion Rate". Geht es um Image? Kann ich die Conversion Rate messen (selten genug wirklich der Fall)? Die "Message" ist wichtig. Jeder trommelt möglichst laut. Wie kann sich meine Werbung von den Mitbewerbern abheben? Habe ich überhaupt die finanzielle "Luft" um langfristig eine Marke mit einem Slogan zu etablieren? "Nicht ohne meinen Alltours"? Wenn ich "L.A. International Airport" höre, weiss ich genau mit wem sie geflogen ist (fly the friendly skies). Früher war's einfach. Fernsehwerbung - es gab ja nur ein, zwei relevante Sender. Radio drei oder vier Kanäle. "Die Zeitung", "das" Fachmagazin. Und trotzdem sprach man vom "Rauschen im Blätterwald". Denn die Information verteilte sich. Heute: Privatsender, Internet inkl. Webseiten, Blogs, Twitter, Portale, Soziale Netzwerke, ... Jeder kann Nachrichten veröffentlichen (Twitter, Blog, Netzwerke, ...) Die Halbwertszeit von "Neuigkeiten" wird immer kürzer, ist kaum noch zu erkennen. Was war die Schlagzeile letzte Woche? Heute ist eine "virale Idee" Gold wert. Der Rest geht im Rauschen unter...

von kretzschmar, 28.01.11, 18:29
www.das-gibts-nur-im-reisebuero.de speziell die geschichten. muss sowas sein? warum werden die vertriebswege gegeneinander aufgehetzt? möchte nicht wissen was passieren würde, wenn unter den geschichten schlechte erfahrungen von kunden mit reisebüros aufgelistet werden würde. so ala der reiseberater hat mir ein viel zu teures angebot verkauft oder der reiseberater hat stundenlang gesucht und nix gefunden, der reiseberater kannte nicht mal meinen urlaubsort, da war ich als kunde im internet schneller oder hätte ich das eher gewusst das ich für 1.500 euro auch domrep und nicht malle bekommen hätte.... aber die krönung ist die geschichte vulkanausbruch/aschewolke..., das ist eine beleidigung an tausende touristikkaufleute in callcenter!

von CaptainJarek, 29.01.11, 08:24
Putzig. Ausgerechnet ein Onliner vom VNT fragt, ob vergleichende und ggf. auch etwas abwertende Werbung sein müsse. Dabei machen fast alle Onliner seit Jahren nichts anderes. Deswegen: Ja, muss leider sein!

von kretzschmar, 29.01.11, 12:52
@captainjarek (zu feige mit richtigem namen zu posten?) mit vergleichender werbung habe ich kein problem. mit hetze schon! das onliner gleiches machen entspricht nicht den tatsachen... (noch nicht). wer gewinnt denn durch so eine bullshit kampagne? wobei es mir nicht um die kampage geht sondern um die aussagen der reisebüros/geschichten in dieser kampagne. gegen eine vernünftige onliner oder stationäre kampagne die entsprechende vorteile richtig darstellt hat sicherlich niemand ein problem. was ist den der effekt der kampagne? das kunden mehr im reisebüros buchen? ich behaupte nein, solange mir niemand das gegenteil mit fakten beweisen kann. möglicher effekt ist aber, dass der kunde schön verunsichert wird. ergebnis: er bucht direkt bei der airline und direkt beim hotel! (anmerkung: der onliner vom www.neue-touristik.de ist auch stationärer!)

von Horst, 30.01.11, 13:35
Herrlich! Es geht wieder los! Offline gegen Online... TV-Werbung folgt doch den gleichen Zielen: Awareness schaffen, Interessenten/Kunden in das Reisebüro oder auf die Webseite bringen. Ob der Kunde virtuell oder real shoppt entscheidet er sowieso selbst. Wirklich unterirdisch finde ich www.dasgibtesnurimreisebüro.de - aus welchen leeren Köpfen ist das denn entstanden? Und wird seitens der fvw von einem "eCommerce-Experten" auch noch erwähnt... Schlimm... Da kann ich auch viele Geschichten schreiben. Von inkompetenten, vollkommen verpeilten und nahe der sarrazinischen Unterschicht angesiedelten so genannten Reiseexperten, die nichts wissen (wollen) und entsprechend naja, beraten konnte man es nicht nennen, ihren Senf zu Urlaubsorten geben. Die Reisebranche ist wirklich ein Dinosaurier, wenn es um das www geht. Deswegen greifen die Unisters und Expedias dieser Welt auch immer mehr Marktanteil ab - weil die großen Tour Operator zu gefangen sind im stationären Vertrieb (wie viel support erfährt denn der eCommerce bei der TUI?). Bloß den brüllenden Reisebüroleitern nicht auf die Füße treten. Schön, dass alle aus den großen Online-Vertriebskanälen auch nicht mehr rauskommen, dort wird man, wie offline auch, eben mal flugs aus dem "Regal" genommen... Die 80ziger sind nunmal vorbei, es gibt das Internet und ist einfach nur ein weiterer Vertriebskanal - nicht mehr, aber auch nicht weniger...

von Kretzschmar, 30.01.11, 14:35
Danke Horst. Leider gibt's hier keinen gefällt mir Button

von max motz, 01.02.11, 12:23
Es dürfte niemanden mehr überraschen, dass die großen Verstalter den Online-Vertrieb stärken, um die Provisionen zu reduzieren bzw. einzusparen und ihren Aktionären damit eine höhere Dividenden sichern zu können. Die Werbung pro Online-Vertrieb ist somit wesentlicher Bestandteil der Strategie der Reisekonzerne zur beabsichtigten Marktbereinigung. Angesichts dieser Entwicklung erscheint es mir legetim, dass auch der klassiche Vertrieb sich aktiv um die Kunden bemüht und die unbestrittenen Vorteile der Vor-Ort-Beratung lobpreis. Die vielen Katastophen (Vulkanausbruch etc.) haben schließlich deutlich gezeigt, dass es ohne die Frauen uhnd Männer vor Ort nicht geht, die in solchen Situation für den Kunden die Kohlen aus dem Feuer geholt und den Traumurlaub retten. Also, warum sollte man nicht damit werben, dass man mehr kann oder einfach nur besser ist? Einige schauen tatlos zu, andere beklagen den ach so schmutzigen Wettbewerb und andere nehmen den Federhandschuh der Veranstalter auf und handeln. Das ist soziale Marktwirtschaft meine Damen und Herren. Aber letztlich gilt immer der Grundsatz: "Der Kunde entscheidt!"

von Reiseforum, 26.03.11, 19:00
Die Page Das-Gibts-Nur-im-Reisebüro ist meiner Meinung nach eher eine Negativ-Werbung für die Reisebüros. Geschichten wie über die Saure Gurken sind einfach zum "kringeln"

von Kostenlose Anzeigen, 24.05.12, 22:40
@Reiseforum www.dasgibtesnurimreisebüro.de <<-- Lässt sich nicht öffnen. Trauen die sich nicht mehr? Wahrscheinlich unseriös genug. @barthel.eu Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Der Mix macht es aus, aber ich denke. Eine Marke braucht nicht immer so eine Aufmerksamkeit. Das zeigen doch viele Tech-Firmen. Google und Yahoo sind doch gute Beispiele. Yahoo hatte auch mal vor langer Zeit im Fernsehen laut Werbung gemacht. Und was ist passiert? Yahoo hat Probleme und streicht Stellen weg, während bei Google einwandfrei läuft. Ich wüsste nicht, wo Google mal richtig Werbung gemacht hat. Damit meinte ich vorallem, dass Werbung allein nicht ausreicht, denn das Produkt muss stimmen. Wenn das Produkt(Dienstleistung) stimmt, dann braucht man nicht so viel Werbung.

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