E-Commerce

Keine Wachstumsgarantien

Phocuswright meldet, dass die Umsätze im E-Commerce weiter deutlich wachsen. Die fvw berichtet am Freitag über die Krise der Onine-Reisebüros. Was stimmt?

von Dirk Rogl, 03.12.2008, 11:32 Uhr

Wer aufmerksam folgende Meldung auf

verinnerlicht, wird bei der Lektüre der nächsten fvw am kommenden Freitag ins Grübeln geraten: Phocuswright erwartet für den E-Commerce in Europa in diesem Jahr 19 Prozent Wachstum. Doch die fvw berichtet in ihrer nächsten Ausgabe über "das große Quengeln" der Online-Reisebüros. Wie passt das zusammen? Ziemlich gut, finde ich. Natürlich wächst der E-Commerce weiter. Genau darauf ist das Geschäftsmodell vieler Unternehmen ausgelegt. Besonders stark wachsen übrigens die Leistungsträger. Aber auch für die Online-Reisebüros wäre alles andere als Wachstum eine Katastrophe. Doch in genau diese Katastrophe rutschen viele Marktteilnehmer. Auch das Internet kennt keine Wachstumsgarantie für einzelne Unternehmen. Schlimmer noch: Der E-Commerce befindet sich in einer Zwickmühle: Kein Wachstum ohne massive Werbung – kein Etat für massive Werbung ohne weiteres Wachstum. Die Folge: Investitionen in neue Produkte und neue Technik bleiben auf der Strecke, weil die Portale den täglichen Marketing-Wettstreit mitgehen müssen. Was die Folgen dieses Werbefeuerwerks sind, schreiben wir in der kommenden fvw 25/08. Und wie hoch die Internet-Umsätze in Europa sein könnten, steht in der neuen Phocuswright-Studie und in Auszügen, die uns die Kollegen dankenswerterweise überlassen haben, in der kommenden fvw. Ob die Prognosen aufgehen, muss freilich die Zukunft zeigen. Was glauben Sie? Steckt der E-Commerce in einem Innovationsloch, vielleicht sogar in einer Krise? Oder steckt hinter dem Gerede von einer Krise eher der pure Neid des stationären Vertriebs, dem es doch viel schlechter geht?

Kommentare

von Martin Pundt, 03.12.08, 12:34
Weder Innovationsloch noch Krise: Der Markt nähert sich nur langsam der Sättigungsgrenze. Der US-Online-Markt bewegt sich stark in Richtung nur noch einstelliger Wachstumsraten, schrieb PhoCus Wright schon im Sommer anlässlich des Halbjahresberichts. Da heißt es: Kriegskasse plündern und noch schnell in Europa Marktanteile kaufen, bevor der Hype auch hier vorbei ist. Übertrieben? Ja, klar! Schließlich wächst der Online-Markt auch mit 19% noch stark überdurchschnittlich - und diese 19% sind in absoluten Zahlen immer noch deutlich mehr Zusatzumsatz, als die Wachstumsraten von über 40% 2005 und 2006 brachten. Aber auch die Onliner müssen - vielleicht mehr noch als die Lowcost-Airlines! - einsehen, dass das Wachstum letztlich endlich ist. Man kann sich mit mehr Geld ein größeres Kuchenstück kaufen - aber eben keinen zweiten Kuchen. Es sei denn, die Onliner beginnen, mit anderen (DRV!) an einem Strang ziehen, um den Wert des Gutes Reise im Ansehen der potentiellen Verbraucher zu erhöhen, statt sich (und dem stationären Vertrieb) vor allem gegenseitig die Kunden abzujagen.

von barthel.eu, 03.12.08, 13:01
Seit ich Philip C. Wolf kenne neigt er zu einer sehr positiven Darstellung des e-Commerce. Auch stimme ich Martin Pundt zu, insbesondere was das "Selbstverständnis" der Reisebüros betrifft. -- Meine Meinung: e-Commerce ist "eigenständig" nicht überlebensfähig, benötigt den "klassischen Commerce" zum Überleben. Das wird viel zu oft vernachlässigt. Wir sind in einer Rezession, Fachleute fürchten eine Depression. Wachstumsraten? Das ist schlicht Kannibalisierung, das geht nur "auf Kosten anderer". Und Wachstumsprognosen von "19%" frage ich mich "auf welchem Niveau"? Und eben: "Woher?" -- Erstaunlich doch, wie sich die Geschäftsmodelle wieder annähern (Easyjet+GDS) oder Airlines, die nicht auf Low Cost sondern starkes Produkt + Vertriebsteam setzen den Krisen trotzen und nicht in das IATA-konforme Zähneknirschen einstimmen, oder? Food For Thought...

von Wolfgang Hoffmann, 03.12.08, 14:41
was schert mich die rendite, hauptsache wachstum! was sich manche selbsternannte unternehmer oder manager von druchgeknallten profitcentern ins ohr säuseln lassen, das hat schon eine besondere qualität.

von Stefan Thurau, 03.12.08, 14:45
Portale/Online Reisebüros haben es m.E.inzwischen schwerer,da viele Leistungsträger selber viel besser im Web aufgestellt sind und in puncto online Marketing inzwischen ein guten Job machen. Um deutliche Wachstumsraten zu erzielen, braucht jeder Leistungsträger eine ausgefeilte Multichannel Strategie. Dabei ist das Internet ein Kanal von vielen, der aber immer häufiger, aufgrund von Kosteneffizients, durch offline Medien/Partner angestossen werden muss

von Dirk Keller, 04.12.08, 16:58
Der E-Commercemarkt ist einfach übersätigt. Es gibt zu viele anbieter und zu viele Informationen. Die Nutzer des Internet sind sich gar nicht mehr sich ob das Angebot auch das immer günstigste ist. Deswegen kommen sie auch wieder zurück ins Reisebüro. Viele Kunden informieren sich, wir natürlich auch und kommen dann zu uns. Es freut mich sehr, diesen Trend weiter zu verfolgen.

von Michael Zartmann, 05.12.08, 16:19
wenn e-commerce einfach auch eine andere bezeichung dafür ist seine geschäfte = informations- verbreitung und = verkauf über e-kanäle zu betreiben dann werden sie mir sicher zustimmen das hier schon deshalb ein umsatzwachstum sattfindet weil nicht nur touristik anbieter die erst heute auf den langen "online-zug" aufspringen steigende umsätze verzeichnen sondern auch "alte hasen" neue geschäftsmodelle finden welche über den elektronischen weg - just in time - in den markt gehen und zu sehr kurzfristig eintretenden signifikaten ergebnissteigerungen beitragen. neue geschäfstmodelle oder neue produkte lassen sich schnell probieren und wenn im testfeld positiv bestätigt dann auch sehr schnell im vollen umfang auf den gesamten markt bringen. neue vertriebspartnerschaften(e-vermittler) sprechen kundengruppen an die bisher nur teuer erreicht wurden. all das bringt umsätze in den e-commerce kanal egal ob reisemittler oder produzent. sicher auch zu lasten der umsätze über traditionelle kommunikationswege und derer die sich auf diesen traditionellen weg weiterhin verlassen.

von Michael Buller, 08.12.08, 21:34
Alles nichts neues! Noch nie war das Geschäft im Internet leicht...einfach mal Webseite machen hat noch NIE funtkioniert....das Zauberwort war Gefunden werden...und zur Konkurrenz....die ist nur einen Mausklick weiter! Was sich wirklich verändert hat.....die Hürde ist leichter geworden (Systeme die die großen (mit)entwickelt haben ist für jedermann zu haben) ...und damit mehr Wettbewerb! Die Folge z.b. die Gebühren senkung der Service Charge im Flugbereich. Die alte Regel ist allerdings "wer nur mit Preisen kämpft wird darin umkommen" Es wird immer einen geben der noch günstiger ist als man selbst.(warum Beschweren sich eigentlich Reisebüros nicht über FTI die Inhaber eines solchen Anbieters ist...der ganz deutlich diese Strategie verfolgt und damit der Branche einen Bärendienst erweist) Wenn die Online-Branche einen Fehler gemacht hat ...dann das sie in den letzten 2 Jahren Ihre Suchen/Ergebnisse nicht verbessert hat. In der offline Welt stellt man den Kunden (normaler weise) auch nicht vor´s Regal wenn er nach Spanien fragt (sondern gibt ihm 3-5 Möglichkeiten an die Hand). Ich denke es ist einfach nur eine Frage der Zeit wann man hier (endlich) bessere Lösungen für den Kunden findet. Die Macht von Google ist gleich zu stellen wie die CRS-Anbieter und den Kosten der Veranstalter (die auch einer Lufthansa zu teuer sind) ...wer nicht im System drinnen ist braucht erst garnicht anzufangen (Respekt Google dafür). Das Bietersystem in Google führt allerdings dazu das die Kosten (bei vielen Buchungen) nicht nach unten gehen (wie CRS Kosten eines Veranstalter) sondern nach oben. Die Kombination aus Guter Marke (offline und online), Guten Produkten (seinen Preis wert und unique) und einfachen Systemen (einfach zu bedienen, mit richtigen Ergebnissen) macht das Internet aus. Aber Irgendwie ist es das Gleiche wie bei allen Offline Unternehmen ....oder? Gruß Buller

von Wolfgang Hoffmann, 11.12.08, 14:15
Diese Diskussion hat zwar Klasse, ist aber lediglich eine Analyse, warum Offline und Online die Branche polarisiert. Dass beide Vertriebswege eine Bereicherung des Markts sein können, wenn man das Internet wieder auf den Bereich reduziert, wo es stark ist, nämlich in der Information, dafür gibt es bereits Beispiele. Und wenn man den direkten Vertrieb via WWW einfach mal wieder weglässt, dann werden Offline und Online weltweit zu nie erwarteter Größe wachsen. Dann blicken auch die Kunden wieder durch und bewährte Vertriebsstrukturen können sich erholen. btw.: Dass Onliner schwarze Zahlen schreiben und schreiben werden, halte ich für Augenwischerei, schlichtweg für ein Märchen. Gerade mit Bilanzen lässt sich soviel mauscheln....

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