E-Commerce

Herzlichen Glückwunsch, Lastminute.com

Zehnte Firmengeburtstage sind kein Grund für eine Meldung. Aber Lastminute.com war schon immer eine Besonderheit.

von Dirk Rogl, 21.10.2008, 22:54 Uhr

Lastminute.com feiert in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag. Entgegen alle Redaktionsstatuten, solch geringe Anlässe zu ignorieren, feiere ich einfach einmal mit. Von ganzem Herzen: herzlichen Glückwunsch, Lastminute.com. Liebes Geburtstagskind, ich erlaube mir, Dich weiterhin zu duzen. So war das schon, als Deine Gründer Martha Lane Fox und Brent Hoberman die Touristik eroberten. Beide haben sich längst von Dir verabschiedet. Martha ist Direktorin bei Marks & Spencer, Brent bastelt an einem virtuellen Möbelshop namens

, der seit einer gefühlten Ewigkeit als Beta-Version durch das Internet geistert. Das wäre Brent mit Dir nie passiert, liebes Geburtstagskind. In Deinen jungen Jahren warst Du zwar quasi eine permanente Beta-Version, nur haben Dich Deine Eltern stets perfekt verpackt: als trendiges Lifestyleportal im chicen magenta, dass Du einem Deiner prominenten Geburtshelfer, der Deutschen Telekom, entliehen hattest. Ach, daran kannst Du Dich gar nicht mehr erinnern? Doch, doch. Die Deutsche Telekom hatte einst Risikokapital in Dich investiert. Keine Ahnung, ob es sich gelohnt hat. Auch Lufthansa flirtete früh mit Dir, hat aber vorsorglich ihre Option auf Aktien nicht gezogen und sich darüber offiziell nie beklagt. Denn so mancher Aktionär hat sich bei Dir ganz schön verzockt. Denn offen gestanden, so richtig gewinnbringend war ein Investment bei Dir selten. Brent und Martha wollen wir davon mal ausnehmen. Die haben Dich damals nur wenige Tage vor dem Platzen der Dotcom-Blase an die Börse gebracht und später ebenso gewinnbringend an Sabre verkauft. Gewinne hast Du bis dahin nicht geschrieben. Aber Deine Gründer haben das locker genommen. "Wer nicht mindestens zehn große Fehler pro Jahr macht, macht etwas falsch", sagte Brent vor zwei Jahren auf dem fvw-Kongress, bevor er sich von der Branche verabschiedete. Demnach hat er offenbar vieles richtig gemacht in seinem Leben. So haben Brent und Martha übersehen, dass Dein Markenname eher für Billig-Schnäppchen denn für trendigen Lifestyle-Urlaub steht und in Frankreich und Deutschland eine etwas andere Bedeutung hat als in UK. Und als Expedia gerade mit vielen Marketing-Millionen seinen Dynamic-Packaging-Siegeszug in Europa startete, investierten Brent und Martha in ein ziemlich starres und teures IT-System und rannten dem Trend hinterher. Doch Deine Gründer waren auch echte Trendsetter. Die haben schon "unique content" gesucht, als die Branche noch gar nicht wusste, was das ist. Hotelsuiten zum Schnäppchenpreis etwa oder aber exklusive Restplätze bei British Airways und Lufthansa. "Do something" war Dein Motto. Ja wirklich, irgend etwas tat sich immer bei Dir. Du warst eine echte Marke mit einzigartigem Profil. Heute wirst Du von gestandenen Touristikern und cleveren Finanzleuten geleitet. Vermutlich machst Du unter dem Dach von Sabre weniger Verlust als in Deinen wilden Börsenjahren. Auch dazu gratuliere ich Dir. Nur ehrlich gesagt, ich würde gern mal wieder über die Fehler und Erfolge Deines Top-Managements berichten. Beides war früher viel offensichtlicher.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 27.10.08, 10:08
Brent Hoberman hat in seinem Leben vermutlich nur eins wirklich richtig gemacht, sich von der virtuellen Touristik zu verabschieden.

von Michael Buller, 29.10.08, 15:20
Leider ist sowohl der Blog als auch der Kommentar zu Zynisch! und damit eine Ohrfeige für alle Mitarbeiter von Lastminute.com (auch die ehemaligen ;-). Wer nichts macht....kann auch nichts falsch machen. Das Menschen wie Brent Hobberman oder auch Martha Lane Fox Dinge vorran gebracht haben wird man wohl mit mehr Abstand dann auch mal zur Kenntnis nehmen müssen! gruß buller

von Dirk Rogl, 29.10.08, 16:05
Nein, lieber Herr Buller. Dieser Blog ist frei von Zynik und ganz sicher nicht als Ohrfeige zu verstehen. Noch einmal schwarz auf weiß: etwas mehr "do someting" a la Brent und Martha (und Michael) würde unserer Branche gewiss gut tun. Aber vielleicht gilt ja für Blogger ähnliches wie für Web-Pioniere: Wer nicht mindestens zehn grobe Mißverständnisse pro Jahr verursacht, macht etwas falsch ;-)

von wow gold, 29.05.09, 15:36
Dieser Kommentar wurde von der Redaktion gelöscht.

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