E-Commerce

Die digitale Glaskugel

Das Jahr 2012 ist noch frisch. Grund genug, einen kleinen Blick zurück und einen etwas größeren in die Glaskugel zu werfen. Was ist aus dem vergangenen Jahr in Sachen E-Commerce und Social Media hängen geblieben, und wo fährt der Zug 2012 hin?

von Arndt Aschenbeck, 05.01.2012, 09:17 Uhr

Vor allem drei Dinge poppen sofort in meinem Hirn auf, wenn ich in punkto Web auf 2011 zurück blicke: Schnäppchen, IG Reisebüro und die Deutsche Bahn.

Da war zunächst mal die Welle der Schnäppchenportale. Nachdem mit Groupon und Dailydeal zunächst branchenfremde Unternehmen das Feld bereitet hatten, zog die Touristik ab Mitte des Jahres nach. Ob Unister, HRS oder Holidaycheck: Alle Portale, die was auf sich halten, launchten ein eigenes Deal-Portal. Nicht zu vergessen Dirk Stroer, der mit einer Mischung aus Ebay und Groupon auf Kundenfang geht. Und der auf seinem Portal "Top Deals" just in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, eine Woche Türkeiurlaub für sage und schreibe 81 Euro versteigert hat.

In punkto Coupons muss man eigentlich nicht unbedingt in die Glaskugel schauen, um zu prognostizieren, dass diese Welle ihren Scheitelpunkt schon erreicht hat, und die Erfolgsstory 2012 nicht weiter gehen wird. Mit Holidaycheck hat bereits der erste touristische Player sein Angebot auf Eis gelegt. Die Vermutung liegt nahe, dass das mangels Masse passiert ist. Denn wenn man die Zahl der verkauften Deals verfolgt hat, erreichte nur eine Handvoll überhaupt den dreistelligen Bereich, so dass sich das Ganze weder für Holidaycheck noch für die Hotels gerechnet haben dürfte. Auch über den derzeitigen Aktienkurs von Groupon hüllen wir an dieser Stelle mal lieber den Mantel des Schweigens.

Das nächste Thema hat auf den ersten Blick nicht viel mit dem Internet zu tun. Aber ich behaupte hier einfach mal ganz frank und frei, dass es die IG Reisebüro in dieser Form ohne Facebook nicht gegeben hätte. Es mag vermessen klingen, das Ganze mit dem arabischen Frühling zu vergleichen, aber ich tue es dennoch. Weil die Mechanik eine ähnliche ist. Und weil dieses Phänomen stellvertretend für eine Entwicklung steht, die uns auch 2012 begleiten wird. Facebook ist und bleibt ein ganz zentraler Dreh- und Angelpunkt für den Dialog und die Kommunikation. Sowohl – wie im Fall der IG Reisebüros - für „Aktivisten“ mit gleichen Zielen - als auch für den Dialog zwischen Unternehmen und Kunden.

Und da sind wir auch schon bei der Deutschen Bahn. Die hat das Thema Dialog extrem hoch aufgehängt und sowohl bei Twitter als auch bei Facebook eine Art digitalen Schalter installiert. Sogar mit definierten Öffnungszeiten, um der Erwartungshaltung entgegen zu wirken, dass die Facebook-Beauftragten der Bahn auch nachts um zwei Fragen ihrer Kunden beantworten. Könnte auch ein Trend für 2012 werden: Weg vom 24/7-Web ...

Damit bin ich schon mitten im Glaskugellesen. Was wird im Web 2012 wichtig? Ein Trend wird sich auf jeden Fall fortsetzen. Die Unternehmen werden noch proaktiver als bisher mit dem Thema Social Media – vor allem Facebook - umgehen. Nachdem sie lange nur zugeschaut und experimentiert haben, fangen sie jetzt an, die Dynamik von persönlichen Empfehlungen wirklich zu begreifen und für sich zu nutzen. Ich bin gespannt, wann die ersten wirklich großen Social-Commerce-Projekte an den Start gehen. Erste Ansätze gibt es schon, aber da ist noch einige Luft nach oben.

Ganz sicher weiterentwickeln werden sich auch die semantischen Ansätze. Wo immer mehr Inhalte produziert und geteilt werden, sind Lösungen gefragt, um der Informationsflut Herr zu werden. Das können pfiffige Menschen tun (so genannte Kuratoren oder Multiplikatoren, die gezielt auswählen, was sie an ihr Netzwerk weiterleiten), Algorithmen (der Google-Weg) oder semantische Lösungen (wie Trustyou bei den Hotelbewertungen). Vielleicht bringt uns 2012 der Antwort auf die Frage näher, wie Menschen am liebsten an Informationen gelangen.

Bleibt noch die Frage, wie sich die digitalen Schlachten 2012 entwickeln. Schickt Android Apple endgültig ins Abseits, läuft Facebook Google den Rang als „Startrampe“ im Web ab, oder schlägt die Suchmaschine mit Google plus zurück?

Fragen über Fragen, auf die Sie sicherlich auch Antworten haben – zumindest haben Sie hoffentlich Vermutungen, oder ...

Kommentare

von Uwe, 06.01.12, 11:09
Meine Vermutungen für 2012: 1. Google bleibt die einzig relevante Suchmaschine, Facebook wird daran nichts ändern. 2. Facebook bleibt das einzig relevante Consumser Social Network, Google+ wird daran nichts ändern. 3. Online werden die Unternehmen überdurchschnittlich wachsen, die die Kernthemen Content, SEO, Verfügbarkeit von Raten und Verfügbarkeiten sowie Skalierbarkeit des Geschäftsmodells verstanden haben, Facebook wird daran nichts ändern. 4. Folgende Themen sehe ich für 2012: a. Kundenbindung. Wir zahlen zuviel für die Kundengewinnung. Da kann Facebook sehr helfen. b. Inspiration statt Suche. Kunden müssen zu Impulskäufen stimuliert werden. c. Emotionalisierung. Wir verkaufen Träume, keine Schrauben. d. Social Commerce. Wenn Kunden stolz auf Ihren Einkauf oder glücklich über Ihr Erlebnis sind, teilen sie das bei Facebook. Bislang hat es nur noch keiner verstanden, darauf ein tragfähiges Geschäftsmodell zu bauen. Die Zeit ist reif. e. Customer Journey. Wir können mit dem Kunden öfter und intelligenter kommunizieren als nach der Transaktion. Zusammengefasst: Eine großartige Zeit, es macht Spaß, dabei zu sein.

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