DRV

Wenig Feind, viel Ehr

Norbert Fiebig ist neuer DRV-Präsident. Das ist eine gute Wahl, nicht nur weil es die einzige war. Was jetzt zu tun ist, damit die Freude lange anhält.

von Dirk Rogl, 23.06.2014, 16:18 Uhr

Das ging schneller als erwartet: Geräuscharm hat der DRV-Vorstand Norbert Fiebig zum neuen Präsidenten gewählt. Und zwar ohne Gegenstimmen. So sollte es sein, wenn kein Gegenkandidat in Sicht ist. Und dennoch ist es bemerkenswert. Weder die Reisebüros haben offensichtlich ein Problem damit, dass nach dem zurückgetretenen Jürgen Büchy erneut ein Konzernmann die Geschicke des wichtigen Branchenverbands führt noch die anderen Konzerne, denen Fiebig über mehr als eine Dekade als CEO der DER Touristik und ehemaliger Finanzchef der Rewe Group die Stirn bot. Und die mittelständischen Veranstalter auch nicht.

Tatsächlich: Norbert Fiebig hat wenig Feinde. Der Mann ist von ausgesuchter Höflichkeit, unterdurchschnittlich eitel, im Vier-Augen-Gespräch häufig zum Scherzen aufgelegt und auf großer Bühne um markante Botschaften und entsprechende Posen nicht verlegen. Und eben weil er für jenen Touristik-Konzern steht, der nicht nur das größte Eigenvertriebsnetz sondern auch die deutlichsten Treuebekenntnisse zum stationären Fremdvertrieb abgab, ist er auch im Reisebüro beliebt.

Bleibt zu hoffen, dass die Freude lange anhält. Bei der Jahresversammlung im Dezember in Abu Dhabi muss sich Fiebig dem Votum der Mitglieder stellen. Traumhafte 99 Prozent Ja-Stimmen von Jürgen Büchy gilt es zu überbieten.Und das ist nicht nur im mathematischen Sinne ein Herausforderung. Der DRV hat in den vergangenenen vier Jahren eher wenige Themen getrieben und angepackt. Das ist übrigens kein Fehler des Ex-Präsidenten Jürgen Büchy, sondern der gesamten Mitgliederschaft. Mit Ausnahme der Gewerbesteuer gibt es wenig Themen, für die sich die komplette Vielfalt des Branchenverbands emotionalisieren lässt. Und es gibt bisweilen erscheckend wenig Protagonisten, die sich nachhältig in den DRV-Themen für ihre Themen einsetzen und treiben. Der Aleingang ist eben eine verlockende Alternative.

Norbert Fiebig muss es gelingen, mehr Touristiker als bislang zum gemeinsamen Engagement im Branchenverband zu überzeugen. Es wäre sehr ratsam, wenn er auch Branchensegmente umgarnt, die bislang eher rudimentär im DRV präsent sind. Der ist eben nicht mehr wie einst der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband sondern will der Vertreter der gesamten Touristik sein. Eine pulsierende Start-Up-Szene, Travel Technology und Business Travel finden im DRV bislang nur bedingt eine Heimat. Leistungsträger, die zunehmend zum Konkurrenten von Veranstaltern und Reisebüros werden, werden im fünfzehnköpfigen Vorstand nur von einer Person vertreten. Die komplexe Säulenstruktur, die den DRV in Konzerne und Mittelständler, Mittler und Leistungsträger teilt, ist diesen Unternehmen ziemlich egal. Gefragt sind Kreativität, Networking und Problemlösung und ein Präsident auf Augenhöhe. Das wiederum war Jürgen Büchy auch.

Gerade Norbert Fiebig wird nur so gut sein, wie jenes Team an Aktiven, dass er um sich herum scharen kann, zumal der neue Präsident in seinem Berufsleben weniger durch spontane Einzelkämpfe sondern eher durch ausgeklügelte, manchmal etwas langatmig wirkende Strategie und Teamarbeit zu punkten wusste. Aber Fiebig startet ja bekanntlich mit wenig Feind und viel Ehr. Das ist doch schon mal was, oder?

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