DRV-Tagung

Cook in Korea

Büchy-Rede, ein hochinteressantes Gastland Korea, Full-Content-Debatte - die DRV-Tagung läuft. Aber Hauptthema auf den Gängen ist Thomas Cook und die Frage, in wieweit die englische Chaos-Kommunikation der gesamten Branche schadet.

von Klaus Hildebrandt, 24.11.2011, 04:44 Uhr

Die gute Nachricht vorweg: Obwohl inklusive Begleitpersonen nur 280 Teilnehmer nach Korea gereist sind, ist der Saal im Kongresszentrum von Daegu auch dank 80 Teilnehmern eines Famtrips des Fremdenverkehrsamts ordentlich gefüllt. DRV-Präsident Jürgen Büchy sagte offen, dass sowohl die Erwartungen des DRV als auch des Gastlandes nicht erfüllt wurden. Aber diejenigen, die die weite Reise angetreten haben, sind fest entschlossen, das beste aus der Tagung zu machen und möglichst viele Eindrücke von dem für viele unbekannten Land mitzunehmen. Gastgeber Charm Lee, deutschstämmiger Chef des Fremdenverkehrsamts, und Jürgen Wöhler von der Deutsch-Koreanischen IHK, schafften es, die Deutschen neugierig auf ihr Land zu machen, das vor 50 Jahren noch in Armut lebte und heute eine der größten und innovativsten Industrienationen der Welt ist.

Jürgen Büchy, der in seinem ersten Amtsjahr die Reisebüros hinter sich brachte, aber noch nicht die Lobby-Power entfaltet hat, die vor allem die Veranstalter wünschen (siehe Geschichte in der aktuellen fvw), hielt ein gutes Grundsatzreferat, in dem er alle wichtigen Punkte und politischen Probleme der Branche ansprach. Eine ganz große Ruck-Rede war es noch nicht, der Beifall war freundlich, nicht euphorisch.

Trotz der räumlichen Distanz beherrscht Thomas Cook die Gespräche in den Pausen. Die deutsche Zentrale wurde von den Hiobsbotschaften aus England - der Konzern braucht plötzlich zusätzliche Kredite, um über den Winter zu kommen - offensichtlich kalt erwischt. DRV-Vize Peter Fankhauser, der das erfolgreiche Geschäft in den deutschsprachigen Ländern leitet, sagte kurzfristig seine Teilnahme ab.

Von den Mitbewerbern gibt es zum Schulden-Dilemma keine Schadenfreude, im Gegenteil: Wenn nun in allen Zeitungen von der Krise bei Thomas Cook die Rede ist und sogar teilweise schon über eine Pleite spekuliert wird - was CEO Sam Weihagen zurückweist - schadet dies nicht nur dem Branchenzweiten, sondern der gesamten Touristik. Angesichts nur verhalten angelaufener Winterbuchungen wären verunsicherte Verbraucher, die ihren Reiseunternehmen nicht vertrauen, ein schlimmes Signal. Da könnten dann alle Erfolgsmeldungen vom DRV aus Daegu zum Rekordjahr 2011 und zur Leistung der Veranstalter nicht die Trendwende in der öffentlichen Meinung bringen.

Kommentare

von Horst, 24.11.11, 22:33
1. In Daegu? Und sich dann wundern, warum die Hütte nicht voll wird? "Kopfschütteln"... 2. Thomas Cook! Ganz sicher wurde die deutsche Vertretung in Oberursel von den Ergebnissen nicht überrascht. Dafür sind F., N. und W. aus der GL doch viel zu oft da... Und da kann ein Deutschlandgeschäft noch so gut laufen, globale Märkte geben da nicht viel drauf. Bei 3 Gewinnwarnungen und Kreditgesprächen weiß keiner in D. was gerade passiert? Schade ist es, aber eine Marktkonsolidierung ist sowieso dringend notwendig. Warum nicht mal mit einem "Großen" beginnen, danach wird der Online-Markt folgen... TC-Probleme sind 5% Weltkrise und 95% eigenes Missmanagement.

von Klaus Hildebrandt, 26.11.11, 03:05
Aktuelle Ergänzung: Thomas Cook hat sich mit den Banken über neue Kredite geeinigt - aufatmen auch bei den TC-Managern und Reisebüros auf der DRV-Tagung in Daegu. Alle Details zum Cook-Kreditdeal auf fvw.de: http://bit.ly/uVyFd5

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