DRV

Närrische Preise

Es ist recht lang her, dass wir uns hier dem Thema Rabatte und Rückvergütungen angenommen haben? Wieso eigentlich? Am Angebot liegt es wahrlich nicht. Liegt es vielleicht an der rückläufigen Emotionalität des Themas.

von Dirk Rogl, 08.02.2013, 14:36 Uhr

Zugegeben. Beim Thema Rabatte und Rückvergütungen haben wir uns in jüngster Zeit etwas zurück gehalten. Dabei wissen wir, wie sehr das Thema seit jeher unsere Leser im Reisevertrieb umtreibt. Es gibt bekanntlich kaum Spielraum für Preisnachlässe. So etwas verbietet nicht nur die gesetzlich geregelte Preishoheit des Handelsherrn (sprich Veranstalters) sondern auch die anerkannt knappen Margen im Vertrieb.

Großzügige Rückvergütungen gibt es dennoch immer wieder. Einst haben wir ausführlich über alles berichtet, was uns an Schnäppchen in die Mailbox kam und von erbosten Lesern zugetragen wurde. Und heute? Zugegeben, es kommen immer noch viele Schnäppchen in die Mailbox. Aber zumeist schweben sie auf wundersame Weise am Zentrum der Aufmerksamkeit vorbei. Ja, es stellt sich so etwas wie Alltag ein. Und erboste Leser aber, so scheint es mir, machen ihrem Ärger längst nicht mehr öffentlich Luft. Dabei gibt es durchaus Gründe, sich aufzuregen.

Jüngst berichteten wir auf fvw.de vom aktuellen Rabatt-Code der Lufthansa, der stolze 20 Euro direkten Rabatt auf alle Buchungen auf Lufthansa.com gewährt. Und heute erreicht uns die Nachricht von der Verlängerung der 77-Euro-Aktion auf Urlaub.de, immerhin ein Portal von Thomas Cook. Unter Eingabe des Gutscheincodes "Ulb77" gibt es dort eine nachträgliche Gutschrift für alle Pauschalreise-Buchungen. Und die öffentliche Bekanntgabe dieses Code ist gewiss kein Kavaliersdelikt, denn anders als bei Lufthansa erhält ihn der Kunde nicht erst nach Feedback auf selektive E-Mails. Er prangt direkt auf der Startseite von Urlaub.de.

Ein Blick auf Schnäppchen-Portale wie Gutscheinpony.de oder Gutscheine.de verrät: Das Angebot an vermeintlichen Rabatten blüht üppig. Nicht alles, was dort dargestellt wird, ist moralisch oder gar rechtlich grenzwertig. Viele angebliche Schnäppchen spiegeln nur die aktuellen Frühbucher-Angebote wieder. Vieles ist zu gleichen Konditionen auch im Reisebüro buchbar. Aber eben nicht alles. 50 Euro Gutschrift erhält, wer sich die Smartphone-App von Opodo installiert oder eine Reise bei Sonnenklar.tv bucht. Der Anbieter Flug-Urlaub-Reisen.com wirbt sogar mit gleich zwei Reisegutscheinen zu jeweils 50 Euro pro Buchung. Und er wirbt mit dem Logo des DRV, der sich dies per Satzungsänderung auf der jüngsten Jahrestagung in Budva hat verbieten lassen. DRV-Schwergewicht Thomas Cook zeigt das Logo übrigens gar nicht erst auf Urlaub.de an.

Und jetzt sind Sie dran, liebe Leser. Gehören Rabatt-Guscheine inzwischen zum guten Ton? Sind einzelne Rabatt-Aktionen überhaupt noch der öffentlichen Diskussion wert? Und falls ja, welche Rückvergütung und welcher Pseudo-Rabatt hat sie in jüngster Zeit am meisten geärgert? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 09.02.13, 09:56
warum das Thema in den Fachmedien nicht mehr widergespiegelt wird? Keine Ahnung. Warum stellen sich unsere Fachzeitschriften denn die Frage nicht selbst und geben sich die Antwort dann auch selbst? Und es wäre glaube ich nicht gut, wenn hier diskutiert würde, wie sich Einzelne oder auch Gruppen nunmehr dazu äußern, oder, wem gegenüber. Was allerdings in die öffentliche Diskussion gehört, das ist die Rolle, die unsere Handelsherren in dem Theater spielen. Vom Unternehmerischen her ist es doch eigentlich reiner Selbstmord, sich einem Rabattpreiskampf auf der Ebene des Betriebs hinzugeben. Wie blöd - entschuldigung, dass ich das mal so plakativ ausdrücke - müssen eigentlich die Handelsherren sein, dem Handelsvertreter die Preishoheit über ihre Produkte im Markt zu überlassen?

von LUKA Venture, eCommerce Agentur, 05.04.13, 17:34
Da ich sowohl als Privatperson Konsument bin und gleichzeitig als Online Marketing Agentur Kunden zu eben auch Themen wie diesem hier berate, versuche ich beide Seiten in der Antwort abzudecken: Aus Unternehmens-Sicht (Agentur-Sicht): Rabatte, so wie sie heute oft eingesetzt werden, sind gefährlich - jedenfalls auf lange Sicht. Allerdings muss man das Ganze etwas differenzierter betrachten. Sobald man beginnt Rabatte zu geben, führt es dazu, dass Endkunden lernen "ah, ich muss nur etwas warten und dann gibt es wieder ein Angebot". Lidl, Aldi & Co machen das mit den Aktionsangeboten schon lange. Das ist jedoch etwas anderes, da es die Produkte nur kurzzeitig im Sortiment gibt. Rabatt-Aktionen für ähnliche Produkte auch im Touristik-Bereich zu geben kann man sich durchaus überlegen. Beispielsweise mit einem Standardangebot plus besondere Zusatzleistungen. Wenn man dadurch nicht die Wertigkeit das Standardangebots mindert - super. Somit lässt sich kurzfristig zusätzlicher Umsatz machen. Letztlich bleibt noch die Strategie den Rabatt-Gutschein von vorne herein in den Standard-Preis einzuberechnen. Allerdings stellt sich dann die Frage hinsichtlich des dem wahrgenommenen Preisgefühls gegenüber der Konkurrenz... Aus Endkunden-Sicht: Inzwischen ist alles undurchsichtiger geworden als früher. Mal gibts was auf Groupon & Co günstig, mal gibts keine Gutscheine bei einem Unternehmen, mal nur wenn man es per Post erhält, mal finde man ihn auf Gutscheinportalen (oder ärgert sich, dass es ein "Fake-Gutschein" war, der eigentlich nur eine Affiliate-Weiterleitung ist), usw. Kurzum: Inzwischen lohnt es sich immer zumindest etwas zu recherchieren, ob es zu einem Anbieter Gutscheine gibt oder nicht PS: Schade, dass so wenig Diskussion zu dem Thema entstand, wo es doch in den letzten 2-3 Jahren so wichtig geworden ist.

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