DRV

Agadir: Reichen Networking und Party?

Endspurt beim DRV: Das Programm dümpelt der Wahl entgegen. Aber sind die Vorträge überhaupt so wichtig? Teil drei des Tagebuchs aus Marokko.

von Klaus Hildebrandt, 27.11.2010, 12:32 Uhr

Die Themen und Diskussionen beim Reisebüro-Tag und dem ersten Tag der Jahrestagung waren wahrlich schon mal spannender. Zwischen Reisebüros und Veranstaltern scheint es derzeit, von Dauerbrennern wie den X-Produkten und Disagio-Kabbeleien abgesehen, keine größeren Verwerfungen zu geben, das Geschäft läuft konjunkturbedingt ganz ordentlich (wen kümmert denn noch der miese Vorwinter) und natürlich muss man dem Gastgeber Marokko - der die Tagung super organisiert hat - auch entsprechenden Raum im Programm einräumen.

Highlight war am Freitag der Vortrag von Prof. Peter Kruse, der in einer furiosen Zeitreise durch das Web 2.0 beschrieb, worauf es in sozialen Netzwerken wirklich ankommt: Nicht auf Technik und generalstabsmäßig geplantes virales Marketing, sondern auf "emotionale Resonanz" und "Sinnstiftung". Dieser Vortrag war für das schon in nachmittäglicher Enspannung dahindösende Publikum noch mal wie ein Weckruf.

Am Abend, bei einem wirklich gelungenen Folkloreabend in Berber-Zelten am Rande von Agadir, gingen einige DRV-Vorstände durchaus selbstkritisch mit dem Programm ins Gericht. Online-Themen kamen zum Beispiel ebensowenig zur Sprache wie das in der Branche heftig diskutierte DRV-Projekt eines neuen Datenstandards für den Vertrieb von Veranstalterreisen. Es stimmt allerdings auch, dass diese Themen auf dem fvw Kongress und auf diversen Ketten- und Kooperationstagungen schon reichlich diskutiert wurden.

Vielleicht sollte deshalb der DRV gar nicht den Ehrgeiz entwickeln, ein prickelndes Tagungsprogramm auf die Beine zu stellen, sondern nah an den Mitgliedern sein und zuhören, wo es im Tagesgeschäft brennt. Der britische Reisebüro-Verband ABTA zum Beispiel konzentriert das Tagungsprogramm auf einige Highlights, im Mittelpunkt stehen das Erleben der Tagungsdestination (die sich das Verbandsevent immerhin sehr viel Geld und Arbeit kosten lässt) - und ganz viel Party! Networking, Reiseerlebnisse und Party, warum eigentlich nicht?

Berliner und Brüsseler Politiker, die die Lobby-Botschaften des DRV hören könnten, sind eh nicht nach Agadir gereist, auch von der Publikums- und Wirtschaftspresse sind nur wenige Kollegen dabei. Und wer das ganze Jahr im Reisebüro oder beim Veranstalter hart arbeitet, sollte auch mal ein bisschen Spaß haben, oder? Das müssen Sie ja dem Finanzamt und den neidischen Kollegen daheim dann nicht unbedingt auf die Nase binden.

Kommentare

von Birgit Hoffmann, 27.11.10, 16:37
Letzter Absatz, Anfang: doch!

von C.Hebestreit, 27.11.10, 18:06
Wer sich die Teilnahme am DRV-Kongress trotz Malus und weiterer Provisionskürzung noch leisten kann, dem sei ein wenig relaxen gegönnt.

von Klaus Hildebrandt, 27.11.10, 18:29
Jürgen Büchy siegt bei der Präsidentenwahl knapp vor Jürgen Marbach: Wie sehen Sie das Ergebnis und die Aufgaben für den neuen Präsidenten?

von Hans, 27.11.10, 19:51
Habemus papam!

von K.-H. Tüg, 28.11.10, 18:49
Es wäre interessant mit welchen Stimmenanteilen Vertrieb und Leistungsträger den neuen Präsidenten wählten? Wie waren die Stimmrechten verteilt?

von Klaus Hildebrandt, 29.11.10, 09:31
Lieber Herr Tüg, die Wahl ist geheim, deshalb können auch wir von der fvw leider nur spekulieren. Die Veranstalter (vor allem die mittelständischen in der Säule C) haben leicht mehr Stimmen als die Reisebüros (wobei ein Teil der Säule B auch von der Säule D dominiert wird). Aber auch die Säule A der mittelständischen Reisebüros hat sehr viele Stimmen. Es waren insgesamt 53 Prozent von gut 4000 Stimmen in Agadir persönlich präsent oder über Stimmrechtsübertragung vertreten.

von Birgit Hoffmann, 29.11.10, 09:50
Vermutlich haben insbesondere Mitglieder der Säule A keine Möglichkeit von der Stimmrechtsabgabe gemacht. Erstaunlich für mich ist dann auch, dass sogar vor Ort von einigen vergessen (?) wurde, die Wahlunterlagen abzuholen.

von Hans, 29.11.10, 15:14
vielleicht sollte man nicht nur über die Inhaltslosigkeit des Kongresses sprechen, sondern auch über seine Länge. Ein Tag weniger hätte es auch getan und man hätte die wenigen interessanten Themen konzentrieren können. Mit einem dadurch niedrigeren Teilnahmepreis kann man sicher auch mehr Kollegen zur Teilnahme bewegen.

von Ali Dogan, 29.11.10, 21:03
An der Destination lag es nicht, diese hat sich bestens präsentiert und ich denke alle zufriedengestellt. Das ist nicht immer selbstverständlich.

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