Direct Connect

Unterschrift mit dem Zirkel

Die Verträge zwischen Airlines und den GDS-Betreibern waren schon immer top secret. Jetzt sind die Fähigkeiten von Sterndeutern gefragt, um die Veränderungen zu verstehen.

von Georg Jegminat, 28.10.2011, 10:46 Uhr

Kreml-Astrologen, so nannte man früher Beobachter, die in Zeiten der Sowjetunion beispielsweise aus offiziellen Fotos herauslasen, welcher Politiker mehr Macht besitzt, welche weniger oder wer komplett abgemeldet wurde. Interpretiert wurde beispielsweise wie nahe jemand dem Parteichef stand, wer weiter weg platziert als auf früheren Fotos. Ganz böse stand es um Politiker, die plötzlich auf älteren Fotos wegretuschiert wurden.

Die Mitteilungen über neue Vertriebsverträge zwischen Fluggesellschaften und GDS-Betreibern werden auch immer kryptischer. Sie sind oft nur noch zwei Sätze lang plus ein paar Floskeln.
Schöne Beispiele hat gerade Amadeus geliefert.

"Amadeus und die American Airlines haben eine mittelfristige Vereinbarung unterzeichnet, die den bisherigen Full-Content-Vertrag verlängert. Amadeus Reisebüros erhalten damit unveränderten Zugriff auf die Tarife und die Verfügbarkeiten von American Airlines. Weitere Einzelheiten des Vertrags werden nicht veröffentlicht."

Die Schlüsselformeln lauten: "Mittelfristige", "Bisheriger Full-Content-Vertrag verlängert" und "unveränderten Zugriff auf die Tarife und die Verfügbarkeiten." Der Clou ist der "bisherige Full-Content-Vertrag". Denn weil die Fluggesellschaften ihre Tarife auffächern und Extraservices zu ihrem Angebot ergänzen, kann der bisherige Full-Content nicht mehr wirklich alle Leistungen umschließen. American vertreibt also beispielsweise keine Extraservices über Amadeus.

Auch der kleine Begriff "mittelfristig" deutet spannende Veränderungen in den Beziehungen zwischen GDS und Airlines an. So hat United Airlines den Vertriebsvertrag bis 2013 verlängert, also gerade einmal um zwei Jahre. Früher waren Fünf-Jahresverträge üblich. Der Vertrag mit American dürfte auch nicht länger laufen.

Die Airline wollen kurze Laufzeiten, weil sie darauf warten, wie die Gerichtsprozesse zwischen American Airlines einerseits sowie Sabre und Travelport andererseits ausgehen. Verändern die Gerichte die Spielregeln, wollen die Airlines ihre neuen Möglichkeiten rasch nutzen können. Sie hoffen, dass bestimmte Regeln in ihren GDS-Verträgen aufgehoben werden. Beispielsweise, dass Agenten und Portale, die Direct-Connect-Lösungen nutzen, Extraservices buchen können, die Reisebüros über die GDS nicht zur Verfügung stehen.

Die Airlines unterschreiben die Vertragsverlängerungen also fein abgezirkelt, denn einen Buchungsstopp über die GDS können sie sich nicht leisten.

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