Direct Connect

Mächtiges Smartphone, schwaches GDS

Seit Jahren kämpfen die Fluggesellschaften gegen die Vertriebsmacht der Globalen Reservierungssysteme. Jetzt könnten die kleinen Smartphones gemeinsam mit weiteren Lösungen zum Direktvertrieb die Airlines an ihr Ziel bringen.

von Georg Jegminat, 15.07.2011, 09:20 Uhr

Schon in diesem Jahr sollen nur noch weniger als die Hälfte der Flugtickets über GDS vertrieben werden, so das Ergebnis des IT-Dienstleisters Sita. Allerdings beantwortet die Studie nicht die Frage, wie die Tickets einbezogen werden, die über die airline-eigenen Websites und GDS-IBEs laufen. Trotzdem bilden zukünftig die Smartphones und die Check-in-Vorgänge an Automaten, im Internet oder per Smartphone den Airlines die Möglichkeit, direkt Zusatzleistungen und Upgrades zu verkaufen, unter dem Motto "Gönne Dir mal etwas".

Aus der Luft gegriffen sind die Sita-Prognosen nicht. 2012 werden erstmals mehr internetfähige Handys in Deutschland verkauft als PCs und Notebooks. Bereits heute gibt es hierzulande 108,9 Mill. Mobilfunkverträge, also deutlich mehr, als es deutsche Bürger gibt vom Baby bis zum Greis.

Die individuell angebotenen Services sind der Stoff, die Kunden für zukünftige Direkbuchungen zu gewinnen. Smartphones und Social Media bieten die Chancen, den Kunden sehr nahe zu kommen. In den sozialen Medien geben die Reisenden sehr viel über sich, über ihre Vorlieben und Gewohnheiten preis. Diese Chance lassen sich die Airlines nicht entgehen. Dabei sind sie anderen Leistungsträgern und auch den Reisebüros voraus. Es ist schon seltsam, dass ein kleines Gerät wie eim Smartpnone die Bedeutung gewinnt, die großen GDS in einer ihrer wesentlichen Funktionen auszuhebeln.

Kommentare

von Bogdan Nitulescu, 15.07.11, 10:13
Das ist ja super!! Wird Zeit für eine App die für einen lebt, so dass man das auch nicht mehr selber machen muss! Was mich etwas wundert: Ich habe immer gedacht, dass die FVW ein Sprachrohr für Touristiker ist, scheinbar werden aber Reisebüros und die dort beschäftigten ausgeklammert ! Tolle Sache mit den Smartphones Herr Jegminat, Sie sind voller Bewunderung, hoffentlich werden Sie Sich auch wundern wie viele Menschen in Deutschland dann aus Reisebüros für den Arbeitsmarkt freigestellt werden können, wenn die ach so tollen Apps ein ganzes Berufsbild überflüssig machen! Bleibt nur zu hoffen dass viele Technikbegeisterte in YQY landen wenn sie nach Sydney wollen! Anstatt mal eine Lanze für den stationären Vertrieb zu brechen, lecken Sie Smartphones, Airlines und ganz ganz wichtigen Wichtigtuern die Hände. Leicht verständnislos, aber mit virtuellen Grüßen, B. Nitulescu

von tom, 15.07.11, 16:27
...und auch die fvw ist bald so dünn wie travel talk.

von Horst, 15.07.11, 16:45
Wow! Wieder mal klassische Reisebüro-Threats: "Uääää, die bösen neuen Medien nehmen mir mein Geschäft weg! Ich habe jahrelang quasi monopolistisch Reisen verkauft (der arme Kunde war auf das Reisebüro-Geschwätz ja angewiesen), mich nie neu erfunden, bin nicht mit der Zeit gegangen und jetzt stehe ich hier und fordere bitte bitte bitte das Schäufelchen wieder ein, dass mir ein anderer in meinen Augen weggenommen hat. Die fvw ist so stationärlastig, dass sich ein Onliner eher selten in ihr wiederfindet (auch wenn sie Ausgewogenheit wirklich probiert). Hier Herrn Jegminat so ein Kommentar hinzuschreiben zeigt es mal wieder sehr deutlich, wie die Denke in Reisebüros ist. Vielleicht gibt es ja bei diesen gemalten Horrorszenario gleich eine mitgelieferte App: die Umschulungs-App...;-)

von Robert, 15.07.11, 17:46
so wie die cleveren Ticketbucher kein Reisebüro brauchen - so brauchen die Reisebüros keine Fachzeitschrift mehr !

von Georg Jegminat, 18.07.11, 12:06
Hallo Tom, Horst und Robert, ich weiß nicht, warum ihr so viel Häme verbreitet. Es ist die Aufgabe einer Fachzeitschrift, ihre Leser über Entwicklungen und Zusammenhänge zu informieren. Hier geht es schlicht, um die sich verändernde Realität. Ob ein Reisebüro dann der alten Zeit nachtrauert oder mit Initiative und neuen Ideen die eigene Zukunft angeht, bleibt den Eignern überlassen.

von tom, 21.07.11, 16:51
Hallo Herr Jegminat, die Eigner der Printmedien und Verlage scheinen mit Ideen für die Zukunft(ihre Zukunft) auch nicht sehr weit gekommen zu sein. Persönlich finde ich die Variante,meine in jahrelangem,monopolistischen Reiseverkauf im Büro gewonnenen Kunden online zu versorgen super.Offshore-vom Segelboot aus! Nur meine Kollegin muss an Land bleiben.Beim Arbeitsamt.Da sie ungefähr so alt ist wie sie ist,könnte das eine sehr langfristige Beziehung werden. So richtig wage ich diesen reitzvollen Schritt der Neuerfindung nicht,geehter Horst. Denn wirklich lukrativer online-Vertrieb in der Reisebranche ist so relevant wie der Dauerregen in der Atacama...

von barthel.eu, 22.07.11, 18:19
Also ich bin derzeit in eine Gründung einer Airline involviert. Es ist nicht das Ziel, das Reisebüro aus dem Prozess herauszunehmen. Es ist aber das Ziel, da zu verkaufen, wo der Kunde ist. Bei Firmenkunden ist das vermehrt die IBE im Unternehmen, dabei wird häufig Direktanbindung regelrecht gefordert, auch von den dahintergeschalteten Firmenreisebüros. Wenn der Kunde über Opodo, Expedia & Co. am Reisebüro vorbei bucht, liegt es nicht in der Kontrolle der Fluggesellschaft, dies zu verhindern - wer bietet den preiswerteren Service ... nein, nicht "billiger" sondern preiswerter. Den Preis wert! Ja, ich bin Ryanair geflogen. Eine Preisersparnis von 150€ gegenüber 600€ stand selbst mit einer Stunde längerer Anreise per Auto an den Ryanairflughafen (3,5 statt 2,5h) und Direktflug statt Umsteiger, in keinem Verhältnis. Also nicht weil ich nicht "Linie" fliegen will, sondern weil insgesamt und "inter-modal" die Alternative "preiswerter" war. Im Falle von e-Ticket und Online-Bordkarte ist der Hinweis auf Tickets schlicht überholt. Und wenn der Reisende erstmals in Florida landet, statt in Australien, kennt er auch den Unterschied zwischen Melbourne und Melbourne... Und geht vielleicht wieder ins Reisebüro. Wobei ich auch in Reisebüros schon in den 80ern Probleme hatte, weil diese "Experten" Reisende nach Florida buchten und sich dann (bei American Airlines) telefonisch erkundigten, ob die Zeitverschiebung einen so schnellen Flug über Amiland nach Australien ermöglicht... Oooops. Mir fehlt ein klares Bekenntnis der Reisebüros zu "ihrer" Spezialisierung. Jemand der nur Last Minute bucht ist mit einem Round-the-World-Tarif möglicherweise ja vielleicht doch überfordert? Ich buche ja im Firmenreisebüro eher selten eine Pauschalreise nach Malle oder Antalya... Es sei mir auch der Hinweis gestattet, dass ich schon auf dem ITB Kongress anno 2000 auf diese Entwicklung hinwies: http://www.barthel.eu/files/itb2000en.pdf - Basierend auf einem Vortrag von Richard Eastman aus 1998, der dies als "disintermediation" bezeichnete. Wenn das Ticket wegfällt, BSP nicht mehr Exklusivität hat, sondern der Anbieter (wie in allen anderen Branchen üblich) per Kreditkarte bezahlt und das Produkt sowohl im Firmenverkauf (Airline), im Supermarkt (Onlineportal) oder beim Handwerker/Spezialisten (im Reisebüro) bezogen werden kann, verändern sich die Beziehungen und die Vertriebsströme. Der Großhändler (Conso) kann ebenfalls ein Vertriebskanal sein. Aber: Die Zeiten sind vorbei, in denen der Kunde eine Reise nur im Reisebüro buchen konnte. Es erinnert mich an die Zeit der Baumärkte und Mediamärkte. Auch die Handwerker und Fernsehläden gingen reihenweise pleite und verlangten bis zuletzt "Bestandsschutz" und vergleichbare Konditionen von den Herstellern... Hat's was genutzt??? Und zuletzt eine Frage: Warum wird hier auf einen renommierten und geschätzten Kollegen mit unschätzbarer Erfahrung eingeprügelt? Nur weil er unbequeme Wahrheiten beim Namen nennt? Liebe verständnislose Beschwerdeführer, vielleicht solltet Ihr mal überlegen, ob ihr in der Lage seit, das zu tun, was Menschen am Besten können: Sich anpassen. Wer das nicht kann, gehört in der Natur und im Geschäftsleben nämlich zur aussterbenden Rasse... Bitte lieber Georg Jegminat: Nicht einschüchtern lassen! Bitte liebe FVW: Bitte weiter den Finger in die Wunde legen und nicht nur berichten, was einige ewig-gestrige hören wollen! Manche Eurer Wahrheiten sind unbequem, ich bin auch nicht immer Eurer Meinung. Aber: "For those who agree or disagree, it is the exchange of ideas that broadens all of our knowledge" [Richard Eastman]

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