Deutsche Bahn

Happy Birthday, Deutsche Bahn AG

20 Jahre alt wird die Bahnreform heute. Die Stimmung beim Festakt wird prächtig sein. Das damalige Baby "Deutsche Bahn AG" hat sich zu einem globalen Giganten im Mobilitätsmarkt entwickelt. Aber war das überhaupt beabsichtigt?

von Dirk Rogl, 28.01.2014, 15:25 Uhr

Bahnchef Rüdiger Grube und Verkehrsminister Alexander Dobrindt haben heute Abend Grund zum Feiern. Der eine war damals Stabsleiter bei Airbus, der andere Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Weilheim Schongau. Es könnte sein, dass das Inkraftreten der Bahnrefom vor exakt 20 Jahren für das Duo damals eher eine Randnotiz war. Beim Festakt heute abend, das ist voraussehbar, werden sie den einstigen politischen Kraftakt in höchsten Tönen loben.

Keine Frage, die Deutsche Bahn AG hat sich prächtig entwickelt. Dank Zukäufen von Stinnes bis Schenker ist sie ein globaler Gigant im Logistikmarkt. Die Übernahme des Nahverkehrs-Konkurrenten Arriva sichert eine starke Stellung im europäischen Ausland. Und im deutschen Schienenpersonenverkehr geht ohnehin kaum etwas ohne die DB AG. Und trotzdem: die private Konkurrenz mit knapp 400 Mitbewerbern auf DB-Gleisen wächst und gedeiht. Aufrichtiger Applaus dafür.

Ein paar kritische Zwischentöne freilich sollten erlaubt sein. Denn aus Sicht des Gesetzgebers hat der DB-Konzern die gesteckten Vorgaben schlichtweg verfehlt. Mindestens vier selbständige Unternehmen sollte die Bahnreform schaffen. Neben dem staatlichen Netzbetreiber waren Aktiengesellschaften für Personennahverkehr, Personenfernverkehr und Güterverkehr das Ziel. Und diese sollten möglichst kapitalmarktfähig sein - jeweils.

Das Wort der Kapitalmarktfähigkeit ist in den vergangenen Jahren viel zitiert worden, insbesondere vom langjährigen Bahnchef Hartmut Mehdorn, der mit der ihm eigenen Vehemenz die gesetzgeberischen Ziele recht frei interpretiert hat. Gewiss, es gibt sie noch, die DB Fernverkehr AG. Doch sie ist nur eine Untereinheit des Koloss DB Mobility & Logistics, den die Macher der Bahnreform ebenso wenig auf der Agenda hatten wie die globale Expansion in den Bereichen Logistik und Nahverkehr.

Hartmut Mehdorn hält viel von Netz und Betrieb aus einer Hand. Und das hat gewiss auch Vorteile, ganz gewiss sogar für den staatseigenen Betreiber von Zügen, eben jener von Mehdorn erschaffenen DB Mobility & Logistics. Den Wettbewerb im Fernverkehr hat das weitgehend ausgebremst. Der Hamburg-Köln-Express und einige regional geförderte Langläufer treten als wenige Exoten in Konkurrenz zu Intercity & Co an. Stattdessen boomt nun der Fernbus, dessen Liberalisierung vor 20 Jahren ebenfalls niemand auf dem Zettel hatte.

Und nebenbei: Eben wegen der globalen Expansion schiebt die vor zwanzig Jahren schuldenfreie Deutsche Bahn AG heute eben doch wieder einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her. Vielleicht muss es so sein, um sich im globalen Mobilitätsmarkt in der Poole-Position zu bewegen. Die Deutsche Bahn ist auf einem guten Weg dorthin. Auch wenn der Gesetzgeber damals ganz andere Ziele hatte. Wir wollten es nur gesagt haben, sollten die Festreden heute abend in eine ganz andere Richtung gehen.

Kommentare

von Erbsenzähler, 29.01.14, 09:38
Der beste Startplatz ist der am (Zaun-) Pfahl, nicht der am Schwimmbecken (http://de.wikipedia.org/wiki/Pole-Position) :-)

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