Deutsche Bahn

Ebay – ein echter Hammer

Die Billigflieger nehmen Abschied von Ein-Euro-Tickets. Aber: Die Bahn kommt.

von Dirk Rogl, 29.07.2008, 13:50 Uhr

Lidl, McDonald´s, Nutella – die Deutsche Bahn ist immer gut für ein plakatives Aktionsangebot mit prominenten Partnern. Die "bahntastischen Ebay-Schnäppchen" sind aber eine neue Dimension. Unter eben diese Motto hat Ebay jetzt die ersten 350

freigeschaltet. Insgesamt sollen es eine Million Fahrten werden. Zwei Dinge stoßen bei den ersten Offerten ins Auge: 1. Ein Ab-Preis von einem Euro passt zwar prima zur Ebay-Philosophie, nicht aber in die aktuelle Lage der Transportbranche, die nicht zuletzt wegen höherer Energiekosten mit steigenden Preisen kalkuliert, und zwar inklusive der Deutschen Bahn. 2. Die ersten 350 Ebay-Angebote sind ein besondererer Affront gegen die Reisebüros. Denn die beworbenen zwei Rückfahrkarten beinhalten auch noch einen Rabattgutschein in Höhe von zehn Euro für spätere Buchungen, einlösbar ausschließlich auf Bahn.de ab einem Buchungswert von 50 Euro. Keine Frage: Aktionsangebote über ausgewählte Vertriebskanäle sind rechtlich legitim, Rabatte ebenfalls. Allerdings ist es ein Novum, dass die DB Nachlässe auf den Normalpreis ausschließlich über das Internet gewährt. Wohl im September wird DB-Vertriebschef Jürgen Büchy sein neues Provisionssystem vorstellen. Aktuell ist er im Urlaub, ließ seinem Vorgesetzten, Fernverkehrsvorstand Nikolaus Breuel, in Sachen Ebay den Vortritt. Eigentlich schreibt das Allgemeine Eisenbahn-Gesetz der Bahn einen gleichberechtigten Zugriff aller Kunden auf ihre Tarife zu. Jürgen Büchy weiß das, Nikolaus Breuel vermutlich auch. Doch ganz offensichtlich geht der DB-Vorstand mit diesem Paragraphen recht leger um. Anders lassen sich die Online-Rabatte auf den Normalpreis nicht erklären. Bei Ebay fällt in Sachen DB letztmalig am 10. August der Hammer. Danach beginnen recht zeitnah die Gespräche über die Reisebüro-Provisionen. Einiges deutet darauf hin, dass dort ebenfalls mit dem Hammer gearbeitet wird.

Kommentare

von Jürgen Barthel, 29.07.08, 17:02
Also ich sehe dies lediglich als einen weiteren "Versuch", neue Vertriebskanäle zu testen. Der Vertriebskanalschutz ist am Ende (genauso wie der Handelsvertreter), auch wenn wir noch so verzweifelt versuchen, daran festzuhalten. -- Jeder Unternehmer muss sein Alleinstellungsmerkmale kennen. Dann kann man sich auch gegen solche Aktionen behaupten - die Bahn (und andere Anbieter) wäre(n) schlecht beraten, sich mit einem der Hauptabsatzkanäle zu überwerfen...

von Michael, 30.07.08, 07:56
Momentan sieht es nicht so aus, ob wirklich günstige Angebote unter den Hammer kommen. Die Nachfrage auf die Auktionen wird den Preis wohl eher in die Höhe treiben und kann ggf. bei dem ein oder anderen Kunden einen teureren Auktionspreis als "Aktionspreis" verursachen. Da könnte der ein oder andere Kunde in seinem "A(u)ktionsfanatismus" besser und günstiger mit einem Sparpreis, Dauerspezial, seinem Bahncardrabatt oder sogar Normalpreis (kurze Strecke oder BC)fahren. Als "normaler" Vertriebskanal kann sich Ebay meiner Meinung nach nicht durchsetzen. Ebay kann auch zunehmend durch die zunehmende Anzahl der Großhändler nicht mehr die Attraktivität der vielen Kleinhändler bieten (vgl. faz.net "Ebays große Zeit ist vorbei", 22.07.08). Der beigelegte 10 Euro Netguti ist ein Versuch noch weitere Online Bucher zu generieren, allerdings glaube ich dass die Onlinebucherquote dadurch nicht mehr erheblich gesteigert werden kann. Der Service im Reisebüro beim Verkauf von Bahntix bleibt Alleinstellungsmerkmal!

von Thomas, 30.07.08, 09:21
Das ist ein absoluter Irrsinn. Die Tickets sind 2 Tage vor Auktionsende heute schon bei 161 EUR für 2 Fahrten. Schön verrückt, wer da noch mitbietet, man kommt ja unter Umständen schon günstiger ans Ziel. Eine gute Beratung im Reisebüro würde sich in solch einem Fall dann wohl auszahlen

von Hendrik, 31.07.08, 11:37
Aktuell liegen die Gebote für diese Tickets zwischen 22,23 Euro und 191,00 Euro - für ein absolutisch identisches Produkt!! Frei nach dem Motto: wenn den Kunden sonst schon keiner veräppelt, dann macht er es eben selbst.

von Wolfgang Hoffmann, 04.08.08, 10:30
ich finde, da genau passen die Produkte der Bahn hin: Nach Ebay! Meine letzten beiden Erfahrungen nmit Ebay waren juristischer Natur. Für mich ist Ebay eine Ansammlung von zweifelhaften Produkten und Anbietern, bei denen man zu einem überaus großen Prozentsatz damit rechnen muss, sehr viel Ärger zu bekommen. Passt doch richtig gut zur DB, oder?

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