Datenformat

(K)Ein Standardthema

Datenstandards in der Travel Technology haben es in der fvw noch nie zur Titelgeschichte geschafft. Warum heute alles anders ist. Und wohin die Reise geht.

von Dirk Rogl, 05.02.2010, 10:59 Uhr

Infx oder Stadis? Kati, Sealtix oder Multiple Search? Einheitliches Datenformat oder neue Abfragelogik? Solche Themen faszinieren gemeinhin nur hartgesottene Traveltechies. In der neuen fvw 3/10 erklären wir ausführlich, weshalb sich an diesen Fragen gerade die Zukunft der Pauschaltouristik entscheidet. Und so ganz nebenbei erklärt das auch die zurzeit im fvw-Blog heiß diskutierte Frage, ob Printmedien Zukunft haben. Denn als gebloggtes Häppchen lässt sich dieses Thema einfach nicht erklären.

Wie schön aber, dass wir hier im E-Blog sind, dem neuen Forum für Traveltechies. Hinter den Kulissen haben sich heftige Debatten darüber entwickelt, wie in Zukunft Pauschalreisen produziert, kalkuliert und dann in den Vertriebssystemen dargestellt und gebucht werden. Wohl bemerkt: all das sind separate Schritte mit separaten Problemfeldern. Diese Prozessschritte effizient zu gestalten und homogen zu vereinen, ist die große Herausforderung.

Funktioniert echtes Dynamic Packaging (also die Bündelung aller Reisekomponenten zu einem Preis in Echtzeit) tatsächlich allein über ein neues Datenformat, oder muss eine neue Abfragelogik her? Gemeint ist damit eine Prozesslogik, die Inventory- und Distributionssysteme viel intelligenter als heute miteinaner verknüpft. Welchen Nutzen haben etablierte Vorgaben wie jene der international zwar viel beachteten aber viel zu selten umgesetzten Open Travel Alliance?

Haben altmodisch angehauchte aber eben doch äußerst stabile Normen wie der allgegenwärtige Produktdatensatz Infx und das von einst von Start-Amadeus etablierte Stadis-Format doch eine Zukunft, weil sie wunderbar einfach und stabil sind und das Datenvolumen Dank neuer Hochleistungsserver nicht mehr so relevant ist wie früher? Oder verlassen wir uns auf etablierte Standards wie das Kati-Format von Traveltainment? Hinter den Kulissen werden all diese Themen gerade in diesen Tagen engagiert diskutiert. Warum, steht in der aktuellen fvw. Für ihre Meinung ist hier genau der richtige Platz.

Kommentare

von Michael Hummel, 05.02.10, 12:19
Ich möchte vorschlagen, dass die FVW - sofern noch nicht erfolgt - Kontakt mit Hr. Koch vom DRV aufnimmt und sich über das Projekt "Neuer Datenstandard" informiert. Ich persönlich bin zur Verschwiegenheit verpflichtet, möchte Ihnen aber das Gespräch mit dem DRV für ihren Artikel sehr ans Herz legen. Vom DRV gab es zum erwähnten Projekt eine kurze Pressemitteilung vor ca. 2 Monaten die wir auf unserem Blog verlinkt haben, der findet sich hier: http://www.empulse.de/2009/10/23/neuer-datenstandard-fur-die-touristikbranche/ Michael Hummel, empulse GmbH

von Michael Hummel, 05.02.10, 14:35
Inzwischen habe ich die aktuelle FVW gelesen und gesehen, dass die FVW sehr wohl mit Hr. Koch - und anderen Key-Playern - gesprochen hat. Insofern möchte ich mich für die aus meiner Sicht ausgewogene Berichterstattung bedanken und freue mich, dass das Thema so großes Interesse erfährt. Michael Hummel, empulse GmbH

von David Friderici, 08.02.10, 10:57
Offenbar liegt es in der Natur des Menschen, dass er durch bestimmte Erfahrungen immer wieder laufen muss. Flache Datenformate wie INFX sind seit jeher problematisch, insbesondere wenn es um die Vermeidung von Redundanzen geht. Von daher war es sicherlich logisch, dass eine Ablösung durch ein Format wie KATI oder auch SEALTIX stattfinden würde. Nun hat sich aber inzwischen die komplette Situation meines Erachtens nach geändert. Pauschalreisen werden nicht mehr nur mit Charterflügen kombiniert, sie werden mehr und mehr mit Linienflügen kombiniert. Linienflüg Tarife sind im Gegensatz zu Charterflugtarifen vollkommen anders gestrickt. Während es bei Charterflugtarifen immer eine 1:1 Verknüpfung zwischen Tarif und dem eigentlichen Flug gibt, ist dies bei Linie gar nicht der Fall. Hier gibt es in der Regel einen Tarif und eine Vielzahl dazu passender Flugverbindungen. Selbst wenn man annimmt, dass ein Tarif "nur" 3 Hin- und 3 Rückflüge gestattet, so ergeben sich alleine für diesen einen Tarif 9 Möglichkeiten. Man hat bei KATI zwar darauf geachtet die einzelnen Komponenten Flug, Hotel, etc. von einander zu entkoppeln, was die Situation entschärft hätte, hätte man weiterhin nur mit Charterflügen gearbeitet. Die Flüge jedoch sind wiederum 1:1 flach mit den Tarifen verknüpft, so dass für obiges Beispiel mit 3 Hin- undf Rückflügen tatsächlich 9 Sätze existieren würden. Das alles scheint mir jedoch unerheblich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Systeme jetzt schon Probleme haben, diese Datenmengen aufzubereiten. D.h. da laufen nachts Jobs, die aus mehr oder weniger guten Caches Verfügbarkeiten ziehen oder direkte Verfügbarkeiten auf den GDSs durchführen. Bei Published Fares kommt es dann auch schon mal vor, dass teure Low-Fare-Search Transaktionen für die anwendbaren Reisetage durchgeführt werden. Also ein enormer Aufwand, um riesige Datenmengen zu generieren, von denen man noch nicht einmal weiss, ob diese am darauffolgenden Tag auch von einem potentiellen Kunden angefragt werden. Hält man sich nun noch vor Augen, dass die meisten Veranstalter quasi mit angezogener Handbremse fahren, denn am liebsten hätten sie jeden anwendbaren Flugcontent in Ihren Angeboten, muss man an den Punkt gelangen zu fragen, ob der Weg des Datenaustausches noch zeitgemäß ist. Jede andere Industrie redet von SOA (Service Oriented Architecture) nur die gute alte Tourismusindustrie geht hier wieder mal die alten eingestaubten, proprietären Wege. Ich denke es wäre Zeit zu erkennen, dass es keinen Sinn macht Monstermaschinen damit zu beschäftigen nachts Gigabyte ´(wahrscheinlich bald Terabyte) von Daten zu generieren und durch Internetleitungen zu pressen. Stattdessen sollte man sich darüber Gedanken machen, wie die Touroperator standardisierte Services (Webservices) bei sich implementieren könnten, über die Applikationen wie die von Traffics und Traveltainment "Live"-Abfragen auf die Packages durchführen könnten. Dies hätte gleich eine ganze Reihe von Vorteilen. Das Problem der schlechten Verfügbarkeiten ließe sich reduzieren und die teuren Transaktionen, die nachts generiert werden, könnten ebenso minimiert werden. Ja, es bedeutet Aufwand beim Touroperator dieses Services zu implementieren und auch operativ verfügbar zu machen. Der Aufwand, der jedoch für die Generierung der Daten zur Zeit betrieben wird ist sicherlich auch kein geringer. Zudem werden die Datenmengen definitiv ansteigen, denn die Touroperator werden mehr und mehr Content in ihren Systemen haben wollen. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis der erste damit prahlt täglich eine 1:1 Kopie des Master-Pricer-Caches in seinen Packages zu verarbeiten. Spätestens dann wird mir klar werden, dass dieses Verfahren in der Touristik unumstürzbar ist. Ich warte dann auf den ersten, der seine Daten allmorgentlich auf einer 5 TB-Festplatte per DHL-Express zu Traffics, Traveltainment und Co. schickt. Kost ja alles nix.

von Michael Kalt, 01.10.10, 22:03
Auf dem fvw Kngress noch herrlich emotional diskutiert und dann auf der DRV Veranstaltung völlig unspektakulär...der neue Datenstandard... Ich finde es sehr gut, dass die emotionale Ebene verlassen wurde und wir wieder bei den sachlichen Argumenten angekommen sind. In diesem Sinne ein Lob an Herrn Koch, an Ralf Usbeck und an Michael Schmidt und nicht zuletzt auch an die Kollegen im Zuhörerkreis für ihre guten Fragen. Wenn nicht Travel IT, Traffics, JT und die Kollegen aus der Schweiz ihre Fragen gestellt hätten, dann wäre aber kaum was an Fragen da gewesen. Vielleicht ist es politisch nicht korrekt, dass ich das Frage, aber warum hat denn Niemand von TravelTainment eine Frage gestellt? Wie auch immer, jetzt wissen wir, wo das Projekt steht. Was es noch für offene Fragen gibt und bis wann wir hoffentlich weitere Antworten bekommen. Schöne Grüße ins Wochenende Ihr Michael Kalt

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten