Cyber Monday

Schwachsinn setzt sich durch

Ihnen fehlt noch ein guter Grund, ihre Reiseprodukte viel zu günstig zu verramschen? Versuchen Sie es doch mal mit dem Cyber Monday, dem neuesten Schnäppchen-Trend aus Nordamerika. Der heutige Ramschtag hat uns gerade noch gefehlt?

von Dirk Rogl, 26.11.2012, 09:23 Uhr

Wie wäre es heute mal mit einem Lufthansa-Ticket 30 Euro unter Nettopreis auf Lufthansa.com? Oder vielleicht einem 50-Euro-Gutschein für Städtereisen auf Opodo.de? Gemeinhin berichten wir sehr sparsam über kaufmännisch gewagte Preisaktionen. Aber heute ist ja Cyber Monday. Und da darf man als Unternehmen sogar ein wenig stolz sein, wenn man mit Ramschpreisen in den Markt drängt.

Sie kennen den Cyber Monday nicht? Ich bis heute auch nicht. Aber auch jenseits der Touristik wird der in Nordamerika etablierte Schnäppchentag gerade in die Köpfe der Konsumenten gehämmert. Eine Tradition soll es werden, immer am ersten Montag nach Tanksgiving. Ähnlich gruselig wie Helloween ist er und vermutlich bald auch im deutschen E-Commerce nicht mehr wegzudenken. In den USA soll der Cyber Monday im vergangenen Jahr bereits einen Milliarden-Umsatz generiert haben.

Der Online-Händler Amazon hat aus dem Cyber Monday bereits eine ganze Woche gemacht, in der 1800 Produkte verramscht werden sollen. Rabatte bis zu 50 Prozent soll es geben. Die Angebotspalette reicht vom Päckchen Earl-Grey-Tee bis zum Computer. Bei genauem Hinschauen gibt es wenig wirklich spektakuläre Angebote. Schließlich bedarf es ja keines Cyber Mondays, um Sonderangebote zu publizieren. Aber es macht Preisausreißer hoffähig, die sonst wenig vertriebsfreundlich wären und eher zurückhaltend beworden worden wären. Der 30-Euro-Rabatt auf Lufthansa.com ist ein schönes Beispiel dafür, oder?

Kennen Sie weitere spektakuläre Rabattaktionen aus der Touristik? Ist am heutigen Cyber Monday das Preisgefüge tatsächlich mehr in Gefahr als an einem gewöhnlichen Werktag? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Hinweise.

Kommentare

von Michael Heidenfelder, 26.11.12, 11:25
Die Menschen wollen sich verdummen lassen, läßt doch die Geiz ist Geil Mentalität deutlich werden. Mit dem verbreiteten Gefühl im Internet ist alles billiger wird der stationere Vertrieb langsam aber sicher ausgehebelt. Mit immer mehr Informationen über Sonderpreise wird ein vernünftiges kundenorientiertes arbeiten im Reisebüro auf dem Land kaum noch möglich. Zumal die neuste Werbemasche, Gutscheine zu verschicken die dann zum Buchen im Internet annimieren sollen, immer mehr um sich greift.

von Bettina Giese, 26.11.12, 13:27
Sie sprechen mir aus der Seele. Mehr gibt es dazu auch gar nicht zu sagen. Wie soll man angesichts dieser Praxis den Kunden noch plausibel machen, dass Leistung ihren Preis hat?

von Michael Buller, 26.11.12, 18:00
Bei manchen OTA ist Cyber Monday immer.....die haben sie leider vergessen aufzuführen (!). Einzelne gezielte Aktionen ist ok....das wirkliche Problem sind eben die bei denen das zum Geschäftsmodell gehört! Gruß Buller

von Andre Kiwitz, 26.11.12, 20:27
Schlussendlich entscheidet der Kunde darüber, ob Cyber Monday ein Erfolg wird oder nicht. Der stationäre, dezentrale Vertrieb hat bei solchen Events sicherlich einen Nachteil ggü. einer zentralen Kundenkommunikation. Ich denke wichtig ist es sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrieren und diese sauber zu kommunizieren. Dann wirst du auch Erfolg haben. Sollte die eigene Strategie Coupons und Rabatte sein, dann ist es für Opodo und Co gut und sinnvoll diesen Anlass für seine Rabatt-Aktionen zu verwenden...

von Horst, 27.11.12, 10:09
Sind doch nette Aktionen, die dem jeweiligen Initiator kaum Schmerzen bereiten. Die Lager werden leer, und wenn es nicht performt wird es eben wieder abgestellt. Vor Jahren solche Innovationen im stationären Vertrieb und das Gejammer wäre deutlich leiser und die Marktanteilverluste geringer... In Skandinavien ist der Online-Anteil an Buchungen "auf dem Land" übrigens über 60%. Ländliche Reisebüros werden in absehbarer Zeit kaum mehr eine Rolle spielen...

von Robert, 28.11.12, 08:09
Am allerbesten finde ich die Aktion vom OTTO Versand, der trotz mehrfach abgesicherter Gutscheinfreischaltungsmechanismen " aus Versehen" am Cyber Monday seines größten Konkurrenten amazon unzählige Gutscheine von bis zu 400,- Euro für Gratiseinkäufe freischaltet. Und dann am nächsten Tag kommentarlos 50000 Bestellungen seiner Kunden storniert und dann noch so tut als wär gar nichts passiert ! Wenn man der Größte in seiner Branche ist - bedeutet das noch lange nicht, dass man das mit fairen Mitteln erreicht hat. Uns stehen in der Touristik noch extreme Preisirritationen bevor, wenn die Luft für die Reiseveranstalter noch dünner wird.

von Andreas Frank, 30.11.12, 13:22
Warum bezeichnen Sie dies als Schwachsinn, nur weil Ihnen solch eine Marketingaktion missfällt? Sehr engstirnig!

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