Concur

Willkommen, Oracle und SAP

Globale Software-Riesen wie SAP und Oracle tun sich traditionell etwas schwer mit der Reiseindustrie und ihren sehr gewachsenen IT-Standards. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht immer wieder versuchen. Weshalb ein Concur-Kauf für SAP Sinn machen könnte.

von Dirk Rogl, 04.09.2014, 17:13 Uhr

Ganze Branchen würden ohne die Softwaresysteme von SAP und Oracle schlichtweg nicht funktionieren. Im Travel-Segment ist das traditionell anders. Gewachsene IT-Strukturen, geprägt von den globalen GDS und nationalen Eigenarten wie etwa dem touristischen Toma-Umfeld in Deutschland, bestimmen das Geschäft. Und so mancher Versuch der globalen Konzerne, sich in der Touristik umfassend zu etablieren, endete in den vergangenen Jahrzehnten eher kläglich.

Gewiss, auch Airlines, Hotels und Veranstalter setzen heute auf die Softwarepakete von Oracle. Und natürlich verfügen beide Software-Giganten über mehr oder weniger ausgefeilte Travel-Management-Systeme. Das muss so sein, wenn man den Human-Ressoures-Bereich dominieren will. Das allein bringt aber noch keine starke geschweige denn zentrale Stellung in Touristik und Business Travel.

Doch die Dinge ändern sich. Oracle üerrnimmt gerade für stolze 5,3 Mrd. US-Dollar MIrcos Systems. Der bietet primär Abrechungs-Systeme, ist mit seiner Tochter Micros-Fidelio aber eben auch Weltmarktführer für die Inhouse-Systeme von Hotellerie und Gastgewerbe. Künftig wird es Oracle.

So schnell kann es gehen. Und genau das macht auch das Angebot von Concur an SAP so interessant. 5,7 Mrd. US-Dollar war das global aufstrebende aus den USA Wert, bis es sich gestern selbst ins Schaufenster stellte und so für einen deutlichen Kurssprung sorgte.

In Nordamerika treibt Concur den so wichtigen Geschäftsreisemarkt. Auch hierzulande hat sich Concur einen Namen als innovativer Herausforderer gemacht, der Firmenkunden relativ offen zu neuen Prozessen und flexibler Integration neuer Leistungsträger animiert.

Andere mögen beurteilen, ob mehr als sechs Mrd. US-Dollar Investment für SAP ein lohnender Deal sein können. Die Walldörfer verfügen über ein eigenes Travel-Management-System, haben jüngst ihre Partnerschaft mit Amadeus intensiviert. Und da sind wir schon beim nächsten Giganten unter den globalen Travel-Management-Systemen. Das GDS kooperiert eben nicht nur mit SAP, sondern ist mit seinen E-Travel-Lösungen und der jüngst erworbenen Tochter I-Fao selbst stark im Geschäft.

Eine Allianz aus SAP und Amadeus wäre gemeinsam mit I-Fao und Concur ein wahrer Gigant unter den Travel-Management-Lösungen, der selbst globale und bislang auf Augenhöhe tätige Mitbewerber wie KDS und Get-There (Sabre) eher klein aussehen lässt. Ob das wirklich das Ziel ist? Fakt ist, SAP, Oracle und gewiss auch weitere Software-Multis werden auch in der bislang so branchenspezifischen Traveltech-Szene eine immer wichtigere Rolle spielen. Darauf sollten wir uns einstellen, egal wie dieses Kaufangebot abschließend entschieden wird.

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