CIO

Die CIOs werden überflüssig

Mit großer Geschwindigkeit steigen die technischen Anforderungen an Unternehmen, in der Reisewirtschaft erst recht. Ein Topmanager von Capgemini peocoziert mit der These "In zehn Jahren ist die Rolle des CIO obsolet". Müssen wir die CIOs nun auf die Liste der bedrohten Arten setzen?

von Georg Jegminat, 09.09.2011, 16:39 Uhr


Peter Lempp lässt sich sogar auf eine Wette ein beim Fachblatt CIO. Ein Unberufener ist er eigentlich nicht als Mitglied der Geschäftsleitung von Capgemini Deutschland. Die Firma arbeitete unter vielen anderen für Thomas Cook, die Deutsche Bahn und die Flugsicherung, ist also nicht ganz unbeleckt in Sachen Reise. Sein Hauptargument lautet: Die Nutzung von Informationstechnik sei längst nicht mehr einer Elite von Experten vorbehalten. Jeder Kühlschrank enthalte heute schon Elektronik. Smartphones enthalten so viele Funktionen und so viel Computerpower, wie es vor zehn Jahren noch unvorstellbar war.

Die CIOs großer Reiseunternehmen geben Lempp aber nur in Teilen recht. "Ich habe ja zum Glück noch einen zweiten Job", lacht Christian Zeller. Er ist nicht nur CIO bei der TUI, sondern auch Chef der Bausteinprodukte. Aber ernst nimmt er Lempps These nicht.

Dennoch gesteht Zeller zu: "Ohne Technik läuft heute nichts mehr in unserer Branche." Man müsse die Logiken der Technik verstehen, um die Produkte so zuzuschneiden, damit sie auch wirklich über die Reservierungssysteme ausgeworfen und verkauft werden. Auch Reinhard Eschbach, CIO der Thomas-Cook-Gruppe, lobte kürzlich die gewachsene technische Expertise des Cook-Managements. Hat Lempp also doch recht?

"Ich bin allenfalls Hobbyinformatiker", erzählt Christoph Klingenberg, der seit April 2009 CIO der Lufthansa Passage ist, und illustriert, dass der CIO kein Technikexperte sein muss. "Die Prozesse müssen ohnehin in den Fachabteilungen definiert werden. Sonst heißt es wieder: Die Techniker schreiben uns vor, wie wir arbeiten müssen."

Einig sind sich die CIOs der Reiseunternehmen, dass sie auch über das Jahr 2021 hinaus, die Projekte in ihren Häusern bündeln, Ausschreibungen an Lieferanten und den Betrieb der immer komplexer werdenden Systeme managen werden. Und neue technische Herausforderungen stürmen ständig auf sie ein. Derzeit ist es die Frage der Daten- und Systemsicherheit. Dabei geht es nicht nur um den sicheren Betrieb, sondern um kriminelle Attacken und Datenmissbrauch.

Während des fvw Kongresses muss man den Technikchefs also nicht mitleidig auf die Schulter klopfen. Und ob sich Peter Lempp in zehn Jahren noch an seine Wette erinnern will, wage ich zu bezweifeln. Wohl deshalb sagte er nicht, was er tut, sollte er verlieren. Er tippt nämlich, dass die wachsenden Lasten heutiger CIOs auf mehrere Schultern verteilt werden.

Kommentare

von Barthel.eu, 09.09.11, 18:14
Der CIO ist Stabsstelle. Er programmiert nicht, sondern gibt in Absimmung mit den anderen COs die informationstechnische Marschrichtung vor, plant diese und stellt die Umsetzung sicher. Die Verbreitung der Informationstechnologie stärkt den Bedarf am CIO eher, als diesen zu schwächen. Wobei es einfach bestimmte Stabsstellen gibt, die in jedem Unternehmen existieren, oft diese aber in Personalunion besetzt sind, also der CCO gleichzeitig CMO oder CTO ist, die Chefsekretärin gleichzeitig die "Travelmanagerin"... (geschlechtsunabhängig)

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