China

Tourismus süß-sauer

Chinesische Unternehmen investieren im weltweiten Tourismus. In Frankreich, Großbritannien und Spanien haben Fosun und HNA schon zugeschlagen – warum nicht in Griechenland?

von Klaus Hildebrandt, 06.07.2015, 15:13 Uhr

China ist nach einer Studie des WTTC die zweitgrößte Volkswirtschaft bezogen auf die Reisebranche und expandiert rasch. Der Mischkonzern Fosun übernahm Anfang des Jahres für einen aberwitzigen Preis die französische Ikone Club Med und stieg bei Thomas Cook ein. Man wolle in Geschäfte der "Fröhlichkeit" investieren, sagte Fosun-Chef Guo Guangchang gerade dem Wirtschaftsmagazin Bilanz. Die Chinesen wollen ihr Leben genießen und etwas von der Welt sehen. Cluburlaub und Reisen ins Ausland sind ein großes Statussymbol. Auf dem jüngsten WTTC-Gipfel in Madrid erlebte ich den Auftritt von Chen Feng. Der asketisch wirkende Chef der weit verzweigten HNA Group ließ in seiner sehr selbstbewussten Rede keinen Zweifel, dass China den weltweiten Tourismus prägen werde. An diversen Airlines und der spanischen Hotelkette NH ist HNA schon beteiligt, nun greifen sie angeblich auch nach Air Europa mit Sitz auf Mallorca. Die chinesische Hotelkette Jin Jiang kaufte unterdessen 2015 die französische Louvre Hotel Group. Mal schauen, ob jedes Investment in der margenschwachen Reisebranche für "Fröhlichkeit" sorgt.

Die Touristiker in Griechenland sind zumeist überzeugte Europäer und wollen im Euro bleiben. Ein Land im wirtschaftlichen Chaos ist schließlich kein attraktives Reiseziel. Nach dem Referendum droht wochenlange Unsicherheit. Hut ab vor den Hoteliers, die in diesen schwierigen Zeiten alles tun, damit die Gäste einen tollen Urlaub verbringen können. Schade nur, dass Gastfreundschaft kein Pfand ist, dass die "Institutionen" als Kreditsicherheit akzeptieren.

Der Emir von Katar sorgte für Schlagzeilen, als er vor zwei Jahren eine griechische Inselgruppe kaufte. Die TUI wiederum wählt den umgekehrten Weg und deinvestiert in Griechenland. Die Exklusiv-Meldung der fvw zum Verkauf der Anteile an Grecotel wurde nicht nur von allen namhaften deutschen Medien wie FAZ, Focus oder Handelsblatt aufgegriffen, sondern auch von vielen internationalen und natürlich griechischen Medien. Würde mich nicht wundern, wenn der eine oder andere chinesische Investor schon in Griechenland sondiert. Man soll ja bekanntlich in der Krise kaufen. Etwas "Fröhlichkeit" in Form von guten Nachrichten könnte Hellas brauchen.

Kommentare

von Jürgen Barthel, 07.07.15, 22:14
Interessant sehe ich eher die aktuelle BRICS-Konferenz und Griechenland ist als Beobachter dabei. Dazu kommt die "New Development Bank". Auch darüber liesse sich ggf. chinesischer (und russischer) Einfluss in Griechenland platzieren... Die EU hat die Bankenrettung vor die Menschen gestellt, die Schulden wurden nur "verschoben", gleichzeitig aber weiter aufgebaut. Jetzt steht die EU vor einem Scherbenhaufen, mauert aber fleißig weiter. Klar wäre ein "Grexit" erstmal ein Einschnitt, internationale Ökonomen sehen aber sogar mehr Chancen als Risiken für Griechenland - für die EU dagegen wäre das möglicherweise ein Dominostein, der das EU-Gebäude kräftig durchschütteln wird. Wenn nichts schlimmeres. Ich bin nur froh, dass "Angie" hier niemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben kann. Eine gute englischsprachige Zusammenfassung der Hintergründe: https://www.stratfor.com/weekly/greek-vote-and-eu-miscalculation

von Stefan Werner, 10.07.15, 13:59
Bevor die Chinesen mehr in Griechenland kaufen (die staatliche Reederei betreibt ja z.B. schon Container-Terminal in Piräus) ist erst mal Deutschland dran. Fosun will die Privatbank Hauck & Aufhäuser kaufen. http://bit.ly/1gnMPp4

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