Chefkoch.de

Vergesst Facebook, jetzt kommt Chefkoch.de

Viel ist geschrieben über den rasanten Siegeszug von Facebook. Aber kennen Sie schon das Social-Media-Netzwerk mit den meisten Bahnthemen? Willkommen bei Chefkoch.de.

von Dirk Rogl, 02.02.2010, 10:40 Uhr

Es war nur ein kleiner Plausch am Rande, doch im Kontext der jüngsten Zahlen der Online-Marktforscher von Nielsen gehört er unbedingt erzählt. Nach Auskunft von Mathias Hüske, Leiter Online-Vertrieb der Deutschen Bahn, war zum Jahreswechsel ausgerechnet die Küchen-Community Chefkoch.de das Portal mit den meisten Themen über die Deutsche Bahn.

So etwas sind gemeinhin Momentaufnahmen, hübsche Anekdötchen über die Datenflut des Web 2.0, die sich meistens nur unscharf messen lässt. Oder ist Hüskes Momentaufnahme womöglich ein Dauertrend? Wie Nielsen jetzt bekannt gab, hat Chefkoch.de im Dezember erstmalig die Aufnahme in die Top Ten der deutschen Social-Media-Netzwerke gefunden. 4,9 Mill. Deutsche haben die Seite im Dezember besucht. Die Marktführer Wikipedia und Youtube brachten es jeweils auf 13 Mill. Visitor, Facebook und die VZ-Netzwerke auf je 11,9 Millionen.

Deutschland sei weltweit das einzige Land mit einer Koch-Community in den Top 10, teilte Nielsen mit. Aber das ist eben doch nur die halbe Wahrheit. So bringt es die Unterrubik "Plauderecke" in Chefkoch.de aktuell auf 64.978 Themen. Das ist gut sechsmal soviel wie die vermeintliche Stammrubrik "Fleischgericht". Und unter "Lifestyle" gibt es ein eigenes Urlaubsforum mit aktuell 7978 Themenpfaden. Woran liegt es, dass die Deutschen ihr Reiseverhalten immer lieber im virtuellen Kochstudio diskutieren?

Gewiss, die Themen sind verwandt. Und die Deutschen sind nicht nur Reiseweltmeister sondern häufig auch begeisterte Hobbyköche. Vielleicht gibt es aber noch eine weitere Erklärung: Im Vergleich zu Facebook ist Chefkoch.de unheimlich simpel. Komplexe Einstellungen zur Privatsphäre sind hier nicht nötig. Was gesagt werden soll, wird öffentlich gepostet (und ist via Google auch auffindbar). Der Absender bleibt wahlweise anonym oder postet unter echtem Namen (so wie hier im E-Blog). Diese simplen Regeln versteht auch die Generation 50-Plus - und zwar ohne das flaue Gefühl, gerade einen virtuellen Daten-Striptease auf unbekanntem Terrain aufzuführen.

Liebe Facebook-Freunde: Vergesst einfach meine Überschrift. Ich gebe zu, ich wollte ein wenig provozieren. Schön, dass Ihr trotzdem bis hierhin weitergelesen habt. Klar ist Facebook eine Erfolgsgeschichte. Aber ich mag es auch im Web 2.0 gern einfach und klinke mich jetzt mal bei Chefkoch.de ein, auch auf die Gefahr hin, dass ich nur auf Senioren stoße. Oder liege ich völlig falsch?

Kommentare

von Andreas Schuerrle, 02.02.10, 11:19
Lieber Dirk, Wenn meine Mutter mit einem Frisör unzufrieden oder einem Arzt sehr zufrieden war, wenn der Service in einem Hotel schlecht oder ein Theaterstück besonders gut war - sie würde dies zuerst mit ihren Bekannten auf Chefkoch.de teilen. "Wozu soll ich noch und noch einer Online-Community beitreten? Alle, die mich interessieren, sind doch da." Und auf Motor-Talk gibt es ja auch Themen Abseits von PS und Scheibenwischergummis... Falls Du beim Stöbern auf Chefkoch.de auf ein nettes Kuchenrezept stößt, verteile diesen Kuchen doch einfach auf Eurem ITB-Stand ;-)

von Volker Blum, 02.02.10, 15:46
Verwundert mich jetzt nicht, denn den meisten Menschen ist nach anfänglicher Begeisterung "das Internet" schlichtweg "zu groß". Der Community-Gedanke wird in meinen Augen in Zukunft ein entscheidender werden, auf der Suche nach Infos. Was früher die Fachberatung war ist eben heute der Tip aus "der Gemeinde" und die muß man eben erstmal finden. Und wenns dann noch einfach geht, der Umgangston nett ist, dann bleibt man da doch drin. Nicht nur als best ager...

von Klaus, 02.02.10, 17:11
Wenn im Fernsehen (nur manchmal unterbrochen von Auswanderer- und Frauentausch-Soaps) gefühlt nur noch Kochsendungen laufen und die Deutschen in Krisenzeiten Cocooning betreiben, ist der Erfolg von Chefkoch.de die logische Konsequenz. Die zweitbeste Website Bauersuchtfrau.de ist leider schon vergeben.

von Andreas Schuerrle, 03.02.10, 09:47
Ich denke, Volker Blum hat es genau auf den Punkt gebracht: "[...] ist "das Internet" schlichtweg "zu groß". Der Community-Gedanke wird in meinen Augen in Zukunft ein entscheidender werden, auf der Suche nach Infos. Was früher die Fachberatung war ist eben heute der Tip aus "der Gemeinde" und die muß man eben erstmal finden." Hier steckt auch eine ganz wichtige Botschaft für unsere Branche drin. Und der Artikel über P&O Cruises, die jetzt auch eine eigene Online-Community gründen um ihren ca. 45.000 aktiven Foren-Mitgliedern eine virtuelle "Heimat" zu geben, passt auch ganz gut dazu (http://bit.ly/9zBtv6).

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