Business Travel

Was ist der Wert einer Dienstreise?

Die Formel ist geschrieben, die US-Wirtschaft greift sie dankbar auf. Trotzdem bleibt der Return on Investment einer Geschäftsreise eine mathematische Luftnummer.

von Dirk Rogl, 24.03.2010, 10:59 Uhr

Mathematik-Muffel mögen bitte gleich zum nächsten Absatz springen. Denn hier kommt sie, die Formel zur Rentabilität (R) einer Geschäftsreise: R = G x 100 / K. G ist der zu erwartende Gewinn, K die anfallenden Kosten. So einfach ist das. Aber nur theoretisch.

US-Unternehmen nutzen die Formel gern. Laut einer aktuellen Erhebung des Geschäftsreiseverbands Acte machen 32 Prozent den Return on Investments einer Geschäftsreise aus und machen davon wohl auch abhängig, ob ein Trip Sinn macht oder nicht.

Bekanntermaßen haben im vergangenen Jahr aus Sicht vieler Firmenkunden viele Reisen keinen Sinn gemacht. Noch streiten sich die Gelehrten, ob dieses Verhalten eher Folge oder doch auch Auslöser der Wirtschaftskrise war und ist. Es könnte aber auch sein, dass die auch bei ungemütlichen Themen wie Bankenkrise oder Reisevermeidung vorreitende US-Industrie an ihrem eigenen Zahlenwerk verzweifelt ist.

Gestern haben sich auf einer regionalen Tagung von Acte und VDR deutschstämmige Travel Manager den Zahlen angenommen. EindeutigesErgebnis: Niemand (in Zahlen: null) zieht ernsthaft in Erwägung, den Wert einer Geschäftsreise schon im Vorfeld zu bestimmen. Denn nicht allein die Variable G, der zu erwartende Gewinn, lässt sich allenfalls unscharf vorhersagen, selbst die totalen Kosten einer Reise bleiben vage.

Denn die "Total Costs of Trip", wie es in Amerika heißt und die die Basis (K) für unsere kleine Rentabilitätsformel oben ist, basieren auf dem Faktor Mensch. Wie lang ist dessen anzurechnende Arbeitszeit während einer Dienstreise? Wie stark beeinflusst seine reisebedingte Abwesenheit im Betrieb das tägliche Geschäft? Und: Was verdient der Kollege eigentlich? Konsens gestern: Gerade letzteres gehört keinesfalls in ein Travel Mangement System zur Reisegenehmigung.

So bleibt der Wert einer Geschäftsreise wohl allenfalls eine ziemlich makroökonomische Betrachtung. Diesen übergreifend zu beziffern und ihren Chefs zu vermitteln, haben sich viele Travel Manager eindeutig auf Ihre Fahnen geschrieben. Denn dass einige Unternehmen das Sparpotenzial im Reiseetat überdehnt haben, ist ein offenes Geheimnis. Es gibt in der Wirtschaft sicher eher Nachholbedarf im persönlichen Dialog als im Controlling. Dieser pragmatische Ansatz gefällt mir weitaus besser als praxisferne Rentabilitätsrechnungen.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 26.03.10, 13:00
Klasse! Eine auf den G-Punkt gebrachte Satire über Kaffeesatzleserei.

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