Business Travel

Reisevermeider-Vermeider gesucht

Die Geschäftsreise-Branche geht durch ein Tal der Tränen. Was fehlt, sind ein paar Muntermacher für die nächste Bergetappe.

von Dirk Rogl, 04.03.2010, 09:35 Uhr

In der aktuellen fvw 5/10 beschäftigen wir uns intensiv mit der Reisekonjunktur 2010. Acht Seiten Platz gönnen sich meine Kollegen Christiane von Pilar und Michael Krane für eine vorsichtig optimistische Prognose für den Touristikmarkt. Aber wie sieht es eigentlich im Business Travel aus? Während die Geschäftsreiseketten satt zweistellige Umsatzeinbrüche für 2009 vermelden und die Airlines ihre quasi unisono schwache Performance mit dem schwachen Corporate-Geschäft begründen, glimmen zurzeit ein paar Fünkchen Hoffnung auf.

So hat der Luftfahrtverband Iata ermittelt, dass zu Jahresbeginn Umsätze und Stimmung gestiegen sind. Und jüngst twitterte Patrick W. Diemer, Vorstandschef des Zahlungsdienstleisters Airplus, dass man im Februar 60 Prozent des Zahlungsvolumens wieder eingesammelt habe, dass während der Krise verlorengegangen war. Es sind exakt solche Brosamen, die zuverlässig stimmen. Echte Beweise für eine Trendumkehr sind es noch nicht.

Dürfen die Geschäftsreisenden tatsächlich wieder häufiger reisen? Und – ganz wichtig – hat die absolute Geizwelle bezüglich des Reisekomforts ihren Höhepunkt überschritten? Der Flurfunk bestätigt beispielsweise, dass der Vorstand eines großen M-Dax-Konzerns neuerdings nicht mehr jede Interkont-Reise persönlich abzeichnen muss. Eigentlich eine gute Nachricht, wäre der extreme Aufwand für diese Sparmaßnahme nicht peinlich genug. Dann ist da ein großer Autozulieferer, der seine Manager in Verhandlungen bei fernöstlichen Autobauern neuerdings wieder in die Business Class setzt. Eigentlich eine sinnvolle Sache, wäre das Unternehmen nicht derartig in den roten Zahlen, dass auch solche Ausgaben an die Substanz gehen können.

Wir kennen tatsächlich eine Reihe von Unternehmen, die ihr Reisegeschäft wieder mit gesundem Realismus an die betrieblichen Anforderungen angepasst hat. Nein, nicht jede Reise in der Business Class ist Verschwendung. Nicht jede Reisegenehmigung muss zum Vorstand. Und auch das ist eigentlich keine Sensation: Es soll einige ausgewählte firmeninterne Reiseanlässe geben, die langfristig durchaus betrachtet Sinn machen, weil sie den Zusammenhalt und die Kompetenz des gesamten Unternehmens fördern.

In unserer fvw würden wir gern häufiger über die berichten, die mit Augenmaß die Reisetätigkeit ihres Unternehmens in die richtigen Bahnen lenken. Die, die wir kennen, haben leider mehr oder weniger gute Gründe, dies zurzeit nicht so laut zu sagen. Also suchen wir weiter. Wo sind die Reisevermeider-Vermeider in der Industrie, die den Sinn und Nutzen von Geschäftsreisen erkannt haben und notfalls auch gegenüber des internen Controllings die richtigen Worte finden? Viel ist in der fvw geschrieben über die Total Cost of Trips und über das Wörtchen "Reisevermeidung", dass in der Corporate-Szene gar nicht mehr so häßlich ist wie für den geneigten Leser aus dem Leisure-Geschäft.

Fühlen Sie sich angesprochen als Reisevermeider-Vermeider? Dann freuen wir uns über einen Hinweis von Ihnen. Oder ist die Lage tatsächlich so trist, wie in einer aktuellen globalen Umfrage von Carlson Wagonlit Travel? Auf die Frage, welche Aufgabe im laufenden Jahr die höchste Priorität habe, gab es vom Travel Management eine klare Aussage: Kosten sparen in jeglicher Form. Erst an achter Stelle kam eine Antwort, die mit diesem Punkt nichts zu tun hatte: Den Reisekomfort wieder steigern. Immerhin.

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