Business Travel

Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilch-App

Mobile Commerce und Business Travel gehören einfach zusammen. Auf Dienstreisen geht kaum mehr etwas ohne Smartphone. Apps und mobile Endgeräte erleichtern Reise- und Routenplanung sowie den Kundendialog. Aber sie können auch das Travel Management entmachten und zu echten Datenpannen führen.

von Dirk Rogl, 30.03.2011, 14:27 Uhr

Location Based Services wie Foursquare, Gowalla oder Facebook Places sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Business-Reisende nutzen diese Tools, um unterwegs Freunde zu treffen, Tipps und Sonderangebote im Umkreis zu generieren oder vielleicht auch nur Major einer bestimmten Destination zu werden. Dumm nur, wenn der Mitarbeiter eines Mitbewerbers in Vorbereitung kommender Geschäfte gerade zum virtuellen Bürgermester bei dem eigenen Lieferanten geworden ist. Selbst ein ordinärer Check-In etwa in Pullach, Würselen oder Oberursel ist verrätischer als die Standortmeldung aus Berlin, München oder Hamburg.

Im Travel Management ist die Sorge groß vor den neuen mobilen Reiseplanern. Das habe ich gestern selbst erleben dürfen. Auf dem Executive Forum der Geschäftsreiseverbände Acte und VDR in Stuttgart ging es um nichts anderes als um Datensicherheit auf Reisen. Wie es sich für echte Reiseprofis gehört, haben wir auch über die Feinheiten der Datenschutzgesetze, der Zahlungssicherheit und der Datensicherheit bei der US-Einreise diskutiert. Aber im Kern ging es um Social Media.

"Wir können nichts machen, wenn unsere Reisenden ihr privates Zweithandy nutzen", sagte ein hochrangiger Travel Manager. Denn dann laufen die zuweilen krassen Restriktionen der IT-Abteilungen für die Nutzung der dienstlichen Endgeräte ins Leere. Oder vielleicht doch nicht? Zum Beispiel kann man für die firmeneigene Smartphone-Flotte eine Auswahl von Applikationen zulassen, die zumindest annähernd interaktiv und nutzwertig wie Facebook & Co sind. Einige Top-Unternehmen im Land prüfen tatsächlich, ob sie Facebook als internes Kommunikations-Tool zulassen.

In der fvw werden wir demnächst auf die Mobile- und Social-Media-Strategien der Unternehmen gezielt eingehen. Und wir werden intensiv der Frage nachgehen, ob die von den Travel Managern gewünschte Zauber-App für die unternehmenskonforme Reiseplanung tatsächlich realistisch ist. Das wäre ein mobiler Reiseplaner für Blackberry, iPhone und Android-Phone, der die Buchung von Corporate Rates gemäß den Reiserichtlinien der Unternehmen ermöglicht, dem Reisenden umfassende Tipps und Empfehlungen vor Ort gibt, einen schnellen Dialog mit Freunden und Kollegen und im Krisenfall eine genaue Ortung des Reisenden vor Ort ermöglicht. All das muss im Einklang mit dem Datenschutz und interner Policies stehen. Die Schnittstellen zu den Abrechungs- und Reporting-Systemen müssen sauber definiert sein. Und – ganz wichtig – sollte so ein Smartphone einmal verloren gehen, dürfen die sensiblen Daten nicht in die Hände Dritter fallen.

Die Travel Manager sind realistisch genug, dass diese App nicht sofort und kostenfrei erhältlich ist. Aber der Bedarf ist da. Kleiner Trost für Programmierer, die sich hier angesprochen fühlen: Vielleicht reichen anfangs auch 80 Prozent der genannten Anforderungen. Aber ist das realistisch? Ich freue mich auf Ihre Meinung.

Kommentare

von barthel.eu, 30.03.11, 15:48
Im Bereich "Social Media" stellen sich mir drei Fragen: 1. Datensicherheit (wie hier angesprochen) Es wird ja oft genug gewarnt, dass junge Leute aufpassen sollen, da künftige und existierende Arbeitgeber sicherlich interessiert sind, wie die sich "privat" verhalten. Dass hier genauso sehr "gestandene Geschäftsleute" betroffen sind wird oft unterschätzt. TripIt, Places & Co. lassen ja oft auch Rückschlüsse auf das besuchte Unternehmen zu... Was macht der wohl in Baden-Baden? Oder sie in Rengsdorf? Klar kann man sich irren... Schön, dass alle im März in Berlin sind :-D 2. Zeitaufwand Die "Pflege" für Facebook & Co. nimmt bei einigen Menschen unerwartete Umfänge an. Firmen unterschätzen diesen Aufwand oft. Nicht nur was die offizielle "Social Media"-Strategie angeht, auch den Zeitaufwand den die Nutzer hineinstecken. 3. Public Relations Es ist ja gut, wenn das Unternehmen eine offizielle Strategie in der Öffentlichkeitsarbeit fährt, Veröffentlichungen von der Geschäftsführung abgesegnet werden, dann aber Mitarbeiter sich in den Foren, Blogs und Facebooks dieser Welt konträr äußern. Erschreckend, wie oft ich sowas sehe und erlebe und ich bin sicher kein spezieller Fall... Das zu unterbinden ist genauso sinnvoll wie die Musikindustrie die MP3 verhindern will. Es gilt, das zu steuern, zu kanalisieren, die Mitarbeiter zu sensibilisieren und sicher zu stellen, dass diese die Linie des Unternehmens "öffentlich" unterstützen. Oft funktioniert es eben NICHT, weil bzw. wenn das Unternehmen statt dessen versucht, den Mitarbeitern Maulkörbe zu verpassen... Komplexes Thema mal wieder...

von Ole Bo Larsen, 30.03.11, 18:16
Dirk - ich wurde in der ACTE Event gestern in Stuttgart, und als aktiver Sponsor (gerade so den Leser ist sich bewusst, meinen Stand Punkt), weil dieses Thema einen großen Einfluss auf die Business Travel Industry haben wird. Es ist unsere Mission, die Industrie zu unterstützen, die avalanchen rechts oben zu überleben - durch den schnellen mobilen Technologie-Entwicklung und der Social Media erstellt. Sie sind nicht von unserer Branche Regeln spielen. Sie haben das Wesen von gestern gefangen und ich möchte hier wiederholen, dass es nicht zu kompliziert, um in das Spiel zu bekommen, um eine Strategie für Ihr Unternehmen zu entwickeln. Was die 'Super App', Smartphones macht ca. 25% des Mobilfunkmarktes von 4 Milliarden Mobilfunkteilnehmer und einige Unternehmen noch nicht einmal erlaubt smarphones mit Kamera (die haben sie alle!) Es gibt also tatsächlich auf dem Markt produkten, dass diese unterstützen und bringen Sie bis zu schneller Geschwindigkeit können, aktivieren Sie sein Unternehmen getrieben und nicht vom Benutzer angesteuert und mit Daten und Schutz der Privatsphäre Daten einzuhalten! Die entscheidende Frage ist, sind Sie bereit, sich zu engagieren? Ich denke es ist entscheidend Ihren mind set zu ändern - es geht nicht weg (sorry for any incorrect german - google is not that perfect)

von Skeptiker, 30.03.11, 22:42
Zum Thema Sicherheit/Vertraulichkeit, das im Text neben der "Super-App" einen Schwerpunkt hatte: Man müsste das wohl mal empirisch untersuchen, aber bis dahin vermute ich einen Zusammenhang der Art: Je größer das Unternehmen und je höher die Führungskraft, desto größer die Neigung, sich über die selbst verkündeten und in der Mitarbeiterschaft bisweilen rigoros durchgesetzten (Sicherheits-)Regeln hinwegzusetzen oder gar die entsprechende Abteilung zu nötigen, das für sie zu tun. Nur der Diebstahl von Pfandbons und übriggebliebenen Brötchen geben ja brauchbare Kündigungsgründe ab, nicht die fahrlässige Gefährdung des ganzen Unternehmens. Diese amerikanische (doppelt bitter: "Sicherheits"-)Firma vor ein paar Wochen ist der Leichtfertigkeit ihrer Gründer/Geschäftsführer zum Opfer gefallen. Das ist also kein auf angestellte Manager beschränktes Phänomen. Die Vorhersage ist billig, dass weitere, auch namhaftere Firmen (und leider ihre Arbeitsplätze) der guttenbergartigen Ignoranz ihrer Führungskräfte zum Opfer fallen werden, was man heutzutage so alles herausfinden und verbreiten kann, ohne den Laptop vom Schoß nehmen zu müssen. Nun ist es so, dass Führungskräfte in jedem Bereich weitreichenden Einschränkungen ihrer Bewegungs- und damit ihrer persönlichen Freiheit unterworfen sind, zeitlich, räumlich, inhaltlich. Das liegt in der Natur der Sache und will kompensiert werden, und Geld allein tut das nicht. Nur, mit steigenden oder besser sich ändernden Risiken muss sich zwangsläufig auch die Kompensation ändern. In ein paar Jahren, da bin ich mir sicher, werden Manager in Wirtschaft und Politik zeitweise dieselben Methoden und Verhaltensweisen anwenden (müssen), die schon seit Jahren bei denen üblich und überlebenswichtig sind, die auf gar keinen Fall beobachtet oder lokalisiert werden wollen. Doch keine Sorge, sie werden gewiss andere Spielzeuge finden.

von Sven Dietrich, 31.03.11, 09:19
Faszinierende Diskussion. Die Nutzung von Zweithandys wird zunehmen und dann kann man eben auf Facebook, Foursquare,Latitude sehen, wo sich der Nutzer befindet. Restriktionen helfen hier gar nicht, hier hilft nur gesunder Menschenverstand der Nutzer. Spannend, dass viele ihre Emails unverschlüsselt (so sicher wie eine Postkarte) verschicken, aber ein Sicherheitsproblem haben, wenn sich anhand der Locations, bzw. der Logins in Google Latitude Rückschlüsse auf Geschäftsprozesse schliessen lassen.

von Frank Reise, 31.03.11, 13:19
ich glaube nicht, dass es jemals zu so einer App kommen wird... alles Hirngespinste.

von barthel.eu, 09.04.11, 14:57
Mal so aus dem Nähkästchen. Ein großer europäischer Luftfahrtkonzern hatte den Fall, dass ein Mitarbeiter längere Zeit festgehalten wurde, weil er in USA dem Department of Homeland Security bei der Einreise den Laptop nicht aushändigen wollte. Gleichzeitig garantiert das DHS nicht, dass die Daten nicht einem amerikanischen Mitbewerber zur Verfügung gestellt werden könnten... Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Oder glaubt, dass es diese "Horrorstories" nicht auch in befreundeten Nachbarländern geben könnte. In Russland ist es immer noch gang und gäbe, dass Zimmer durchsucht werden und Laptop-Festplatten dabei potentiell 1:1 kopiert und dann analysiert werden. Aus diesem Grund hatte ich mal den Fall, dass von einem Mitglied des CCC ein BIOS angepasst wurde, welches bei (gewollter) Eingabe eines Schutzpasswortes alle persönlichen Daten des Mitarbeiters physisch löschte (also mehrfaches überschreiben). Die Mitarbeiter wurden angewiesen, "persönliche" Daten ausschließlich auf den geschützten Servern des Unternehmens vorzuhalten. Die Kosten für Datenroaming standen dabei überhaupt nicht in Frage ;-) Alternativ hilft es schon, statt auf der Festplatte diese Dinge auf einem (passwortgeschützten) USB-Stick zu speichern, den man immer bei sich führt (also nicht im Hotel lässt). Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie oft ich Rechner ohne aktuellen Virenschutz sehe (das Program zwar drauf, aber Virenschutz seither nie aktualisiert) und wie viele Unternehmen (und sogar deren IT-Verantwortliche) nicht mal ansatzweise eine Ahnung von Datensicherheit haben. Viel Aktionismus, leider zielgerichtet ins Leere zielend... Macht das Leben unnötig schwer, erhöht dabei die Sicherheit nicht wirklich... Ach ja: Ungeschütztes WLAN im Hotel? Dann gehört als erstes ein verschlüsselter "Tunnel" zum Firmenserver, dass keiner mehr mitlesen kann - erstaunlich, wie viel Firmen-Mailserver oder -Intranets ohne Verschlüsselung beim Login und Abruf arbeiten...

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten